Montag, 30. Juni 2008

Finale olé, Schlaf ade!

Seit Tagen werden wir gefragt: "Ihr kommt doch auch zum EM-Finale ins Secco?" Worauf ich nicht viel mehr sagen kann als: "Ich versuch mal meinen Mann zu bearbeiten, aber ich kann nichts versprechen!". Lars' Reaktion ist meistens: "Seh ich so aus oder was? Ich hab doch keinen Knall, ich will meine Ruhe!" Oooook, alles klar... Dazu muss man noch erwähnen, dass irgenwelche schlauen Stoppelhopser entschieden haben das EM-Finale auf Sonntag 20 Uhr Ortszeit zu legen, was für uns bedeutet in der Nacht auf Montag müssten wir 2 Uhr im Secco aufschlagen, wenn wir das Spiel sehen wöllten.
Nun, für mich sollte das kein Problem sein, ich bin ja noch jung und vertrag ein wenig Schlafentzug und außerdem will ich das Spiel in unserer lustigen Runde auch nicht verpassen, denn alle anderen Deutschen gehen definitiv hin! Lars allerdings ist ja bekanntlich schon ein bisschen älter, chinaverschlissen, fußballdesinteressiert, schlafbedürftig und abgespannt. Das wären fünf Gründe, die gegen unser Anwesenheit sprechen. Allerdings kam Lars ein schwerwiegenderer Grund dazwischen: Der GM kam am Freitag auf mich zu und hat mir dezent vermittelt, dass ich dafür zu sorgen habe, dass auch Lars anwesend ist und dass er 1:30 Uhr vor unserem Aufgang auf uns warten wird. So kann man Probleme auch lösen...
Wir haben dann versucht ein bisschen vorzuschlafen, was allerdings auch nicht so richtig funktioniert hat, bin auch erst nach 10 eingeschlafen und 1:00 Uhr klingelte dann schon der erbarmungslose Wecker, der Lars dann zu spontanem Rumgemotze angeregt hat. Ich bin voll guter Laune unter die Dusche gesprungen und war mir sicher, dass wir heute Europameister werden. Lars dagegen schaute mich aus seinen verquollenen Augen an, grummelte vor sich hin warum er sich diesen Scheiß antun muss und dass die Deutschen eh verlieren, weil die nämlich nix können und es deswegen gar keinen Sinn hat hinzufahren und deswegen legt er sich wieder ins Bett. Nachdem ich ihn nochmal erinnert habe, dass sein Chef in 20 Minuten nach ihm fragen wird sollte ich alleine dastehen, hat er dann doch kehrt gemacht und ist Richtung Kaffeemaschine geschlurft ohne seine Ausdrücke der Missstimmung zu unterbrechen.
Jeder mit einer Pepsi in der Hand sind wir dann zusammen mit den beiden Chefs im Taxi zum Secco, einem deutschen Restaurant, gedüst. Dort hatten sie im Freien eine große Leinwand mit Beamer aufgestellt und es waren vorallem viele Deutsche und Spanier, aber auch andere europäische Nationalitäten anwesend. Einer ist immer mit einer Deutschlandflagge vor der Leinwand rumgerannt und hat Stimmung gemacht. Bekanntlich war das Spiel nicht besonders aufregend, für Lars war das deutsche Bier in dieser Nacht das aufregendste, was er auch noch Tage danach betont hat, und dass er das ja sowieso vorher wusste, dass das ja mal völlig verschwendeter Schlafraub werden würde. Ok, ich geb's zu, es war stinklangweilig, aber hey, wir waren dabei!
Als es gegen 5 vorbei war sind wir wieder heimgefahren, haben uns noch eine Stunde aufs Ohr gelegt und sind fast pünktlich auf Arbeit aufgeschlagen, andere sind direkt vom Secco zu SNC gefahren. Wir waren alle ziemlich im Eimer, aber was tut man nicht alles: Fußball verbindet halt, allover the Erdball und across the Zeitzonen!

Samstag, 28. Juni 2008

Crazy Short & Rainy Shanghai Weekend

Bevor es Freitagabend nach Shanghai ging habe ich einmal auf dem Weg zur Nudelhölle den Schuhputzladen ausprobiert. Und wie der Name schon sagt - is echt putzig! Die Besitzerin - eine junge Mutter hat mir in einer Viertelstunde die Schuhe auf Hochglanz gewienert. Ihre eigene Mutter läuft währenddessen immer mit dem Baby durch den Laden und lässt sich bepieseln, kennt ihr ja schon - Schnellpullerhosen machen's möglich. Daraufhin ist dann mal kompletter Kleiderwechsel von Omi und Baby nötig. Was soll's, hauptsache Windeln gespart. Außerdem war noch ihr Mann anwesend, wie es schien. Und für Claudia und mich war eine Konversation zwischen dem Ehepaar zu erahnen, die folgendermaßen ablief:
Während die meine Schuhe putzt schaut sie mich immer an, wie ich meine auf meine Kette. Sie schaut immer in die Richtung und labert grinsend vor sich hin, ab und zu in Richtung ihres Mannes. Ich schau sie fragend an und fasse an meine Kette. Sie schüttelt den Kopf, schaut kurz an sich herab und dann staunend auf mich. Sie erzählt bewundernd in Richtung ihres Mannes, er kriegt ganz leuchtende Augen und Claudia und mir wird klar, was so bewundernswert an mir ist *g* Nicht, dass ich das nicht vorher schon wusste, aber das ist in China schon ein besonders *großes* Highlight. Alles klar?! Ja, zurück zu den Schuhen! Umgerechnet 50 Cent, 15 Minuten, alles blitzblank und wärmstens zu empfehlen! Links die Schuhe vorher, recht nach dem Putzen UND Shanghai Unterwasserkur.

Außerdem haben Claudia, Jamie, Andrea, Lars und ich Freitag beschlossen schon um 15 Uhr Schluss zu machen um einen Zug früher nach Shanghai zu nehmen und schön entspannt ins Wochenende zu starten. Wie es der Teufel will - Lars konnte sich wegen widrigen Umständen nicht bis zu dieser Zeit freischaufeln und kam später nach. Jamie hatte also die Ehre als Hahn im Korb von drei gackernden Hühnern nach Shanghai begleitet zu werden. So sah das dann auch aus, schon in der Metro zum Bahnhof in Nanjing ging der Bauchmuskelkater vor Lachen los und das ohne Bier, das gab's erst am Bahnhof! In China unterwegs zu sein hat immer was von Klassenfahrt, nur ohne lästige Aufpasser, I love it! Wir haben Jamie zu unserem Reiseleiter erkoren, da er uns nicht nur 1st Class Train Tickets organisiert hat ("First Class people deserve First Class Travelling" Zitatende), sondern auch noch feinsäuberlich unsere Namen auf den Tickets notiert hat, damit auch gar nix schief geht. Leider konnten wir kurzfristig keine Deutschlandflagge mehr organisieren. Gern hätten wir vor dem EM-Finale so unsern Engländer die Kloppi-Deutschen durch Shanghai führend geschickt.
Rechts zu sehen: JamieEatingAPeachAndDribblingOnTheTrainInTheFirstClass.
Links zu sehen, was niemals, aber wirklich niemals fehlen darf, ein Bier selbstverständlich: ClaudiaDrinkingTsingtaoInTheFirstClass.
Als wir in Shanghai ankammen goss es wie aus Kübeln und das ist nicht übertrieben. Ein Schirm braucht man nicht mehr, weil es einen sowieso von allen Seiten durchnässt. Man versucht trotzdem 5 Prozent damit von einem abzuschirmen. Gummistiefel wären da auch keine schlechte Idee gewesen, aber bei mir hat's nur zur Imprägnierung meiner Halbschuhe gereicht. Wenn man so fast knöcheltief im Wasser steht, ist das zwar für den Fuß egal, aber zumindest der Schuh ist bisschen geschützt. Jedenfalls sah er hinterher nicht halb so ramponiert aus wie erwartet. Eigentlich wollten wir heute Abend in ein Restaurant gehen, in dem Blinde servieren und alles stockfinster ist, aber da Lars ja erst später kommen würde, dachten wir, es wäre besser an einen Ort zu gehen, wo es möglich ist, dass er nachkommen kann. Die Entscheidung fiel auf: The Hooters in Pudong! Kennt ihr Hooters?! Wenn nicht... Na ja, ich sag nur, müsst ihr mal erlebt haben. Knapp bekleidete Mädchen bedienen und führen auf Anfrage auch den Chicken Dance mit den männlichen Gästen auf: Unser Hahn im Korb hat sich förmlich darum gerissen!
Jamie hat Lars dann von der Metrostation abgeholt und der Abend ging feuchtfröhlich so weiter wie er angefangen hat, wobei Lars kaum eine Chance hatte unseren Status aufzuholen. Lustig war's aber trotzdem für uns alle.
Ach und noch was: In Shanghai kann man auch Koalabärmütze tragen ohne als geisteskrank zu gelten.
Da wir schon am Samstag zurückgefahren sind, haben wir den Tag dann vollständig ohne Sightseeing verbracht und ausgiebig geshopped, sowohl auf dem, ähm, ich nenn' ihn mal "Billig-Produkte-Markt", if you catch my meaning, als auch auf dem Stoffmarkt. Ich bin mal gespannt wie meine Blusen werden! Vier Stück habe ich in Auftrag gegeben: dunkelbraun mit dünnen blauen Streifen, aubergine, lindgrün und weiß-hellblau gestreift.
Stoffmarkt funktioniert etwa so: Man sucht sich in einem der über drei Etagen verteilten Läden den Stoff aus, Maße sagen die einem schon, wenn man sagt Girl's Shirt. Damit geht man zum empfohlenen Schneider (oder man sucht sich den Stoff gleich beim Schneider aus). Insgesamt kommt man pro Shirt auf ca. 100 RMB = 10 €. Die an dem Stand vermessen einen dann, schreiben alles auf einem Blättchen nieder, heften Stoffproben ran, damit nix verwechselt wird, notieren den Stil, den man haben möchte, denn Exemplare für Kragen- und Manschettenstile liegen aus. Z. b. abgerundet oder mehr spitz, Knöpfe am Arm hintereinander oder nebeneinander etc. Man zahlt die Hälfte an und kann es in der Regel nach einer Woche wieder abholen. Wir werden sehen, wie es wird.
Gefrühstückt wurde standardmäßig im Elements Fresh mit einem Healthy Start (I just love that one) und gegen Mittag lecker Sandwich & Salad im Wagas verknuspert. Hmmmmm, ich will wieder nach Shanghai! Da wir dann schon bissl knapp dran waren für die Rückfahrt sind wir auf schnellstem Weg zum Bahnhof und Jamie hat in seiner Speedround noch mal Mr. Doughnot mit eingebaut und jedem von uns einen leckeren Pfannkuchen (Krapfen) mit Loch mitgebracht. Hab ich schon erwähnt, dass ich Shanghai liebe? I ♥ Shanghai! Und ich werd wiederkommen! Claudia und ich haben heute beschlossen ein Mädelswochenende hier zu verbringen, an dem wir nur Mädelszeug shoppen. Kleider, Mäntel, Blusen, Schmuck! Ich freu mich jetzt schon drauf!

Mittwoch, 25. Juni 2008

Passta & Nudelhölle

Als ich gestern nach dem Sport mit dem Taxi heimgefahren bin, hab ich wieder mal eine grandiose Entdeckung gemacht. Volkswagen hat ein brandneues Modell rausgebracht: Den VW PASSTA! Sowas kann hier schon mal passieren, da die angeklebten Buchstaben des Fahrzeugtyps so eine ungeheuer gute Qualität haben, dass sie schon beim Hinschauen wegrosten und man dann neue anbringen muss. Dann werden die wahrscheinlich in irgendeiner Hinterhofswerkstadt von einem Knollo rangebastelt, der überhaupt nicht weiß was er da tut, weil er nur chinesisch kann, was ihm auch nicht zu verübeln ist. Oder die spielen Scrabble, bevor es losgeht. Und so wird aus einem PASSAT ein PASSTA, wahlweise tatsächlich eine PASTA, wenn man sich gerade kein zweites S mehr kaufen kann. Aus einem VW SANTANA wird ein ANTANAS, alles schon gesehen. Und ja, die werden hier immer noch gebaut und zwar mittlerweile in vierter Generation. Der neue Bora V wird hier übrigens unter dem Namen SAGITAR und der neue Passat B6 als MAGOTAN verkauft. Also sollte mal ein Chinese mit mir Scrabble spielen wollen um für sein Fahrzeug einen neuen Namen zu finden, bin ich dabei. Hier meine Vorschläge:
SAGITAR: GIRASTA oder GITARAS
SANTANA: definitiv ANANAST, ANNASAT oder doch ASTANNA?!
MAGOTAN: AMTANGO oder noch besser MOTANGA!

Heute haben wir uns wieder auf den Weg zur Nudelhölle gemacht. Den Namen hat sich das kleine Edellokal durch sein scharfes Essen verdient. Und ein bisschen durch's Ambiente, aber das ist nichts, womit man uns noch erschrecken könnte... Manchmal noch erstaunen, ja.
Da es aber ganz, ganz oft um Welten besser ist hier zu essen als in der Kantine, nennen wir es mittlerweile manchmal Nudelhimmel. Hier gibt es aber keineswegs nur Nudeln, die haben auch verschiedene Reisgerichte, allen voran Gong Bao Ji Ding - Hühnchen mit Erdnüssen. Das Gericht ist einfach ungeschlagen und geht auch immer, wenn wir mal unseren Bestellzettel vergessen haben. Wir bringen immer einen Ausdruck mit, den schon deutsche Nanjing-Survivors vor uns für dieses Lokal erstellt haben. Darauf stehen die gängigsten Gerichte sowohl auf chinesisch als auch auf deutsch und wir zeigen dann immer nur auf das was wir wollen. Funktioniert - fast immer. Hat man den mal vergessen, heißt das, alle müssen Gong Bao Ji Ding essen, weil wir nur das aussprechen können. Ein Gericht für ca. 50 - 70 Cent, pappsatt, zufrieden und glücklich.
Wenn man mal einen Blick in die Küche wirft, könnte es einem Europäer vom Gesundheitsamt eventuell schwindlig werden, aber uns juckt das schon lang nicht mehr. Die Klimaanlage besteht aus an die Wand geschraubten Ventilatoren, inklusive Leitung, deren Isolation hübsch mit einer Schraube verziert an die Wand gebohrt wurde. Alle Achtung, da haben wir allerdings nicht schlecht gestaunt.
Die Servietten reißt man sich im Grunde von einer Klopapierrolle ab. Was gut für den Pops ist, kann für's Goscherl nicht schlecht sein. Außerdem steht neben jedem Tisch ein Abfalleimer, in den man bei Bedarf gepflegt reinrotzen kann. Entschuldigt den unschönen Ausdruck, aber genauso hört es sich dann eben an. Ihr wollt ja wissen wie es hier wirklich ist, stimmt's?
Sollten wir euch also nach unserer Rückkehr zu einem original chinesischen Essen einladen, wisst ihr nun was euch erwartet! ;-)

Freitag, 20. Juni 2008

Gift Distribution & Hill Festival

Heute fand die "Gift Distribution", also die Geschenkeverteilung bei SNC statt. Wir Praktikanten hatten ja beim Company Outing in Sanya komplett abgesahnt und durften uns heute die Präsente abholen. Ich bin glückliche Gewinnerin eines Entsafters! Jetzt wird gesaftet was das Zeug hält, Lars möchte gern eine Typprüfung damit veranstalten. Ich hab aber erst mal mit einer Melone angefangen, um noch Steigerungsmöglichkeiten zu haben und das arme Gerät nicht gleich an die Belastungsgrenze zu bringen.

Außerdem haben alle TE-Mitarbeiter ein T-Shirt von Ingolfs Farewell erhalten, welches er spendiert hat. Smiles of TE-Members! Manche fanden sich in ihrem Sanya-Outing-Outfit so bombig, dass sie gleich mal Fotos davon für das Shirt abgegeben haben. Ich sag ja, die tragen das mit vollem Ernst, mit Stolz, mit Würde. Und zwei Mädels haben Fotos von sich mit ihren Hunden eingereicht. Die Hunde hab ich zwar noch nie bei SNC gesehen, aber man weiß ja nie...
Am Abend haben dann Claudia und ich zum Thailänder und zum K-TV (Karaoke) eingeladen um unser Bergfest - the so called Hill Festival - zu zelebrieren. Das Essen war ausgezeichnet, da gehen wir wieder mal hin. Die Fahrt zum K-TV hinterher war jedenfalls die abgefahrenste Taxifahrt, die ich je hatte. Erst mal hat der Bursche ein kleines Problem mit seiner Kupplung gehabt, so dass er immer zu kämpfen hatte, dass sein Gang drin bleibt, wobei wir mal so über geschätzte 30 - 40 km/h nicht hinausgekommen sind. Genau kann ich's nicht sagen, weil sein Tacho immer 0 angezeigt hat. Ich war schon voll am Lachen, Claudia war danach nicht mehr zu mute. Das Abenteuer ging weiter... Irgendwie wollte das Auto oder der Fahrer nicht so richtig den Weg finden, obwohl Claudia ihm immer wieder die Adresse auf chinesisch, sogar mit Stadtplanausschnitt unter die Nase gehalten hat. Er meinte, wir wären angekommen, nur weit und breit kein K-TV. Das mach mal so 'nem Schnarcher klar. Wir waren sogar schon janz discht dran, wie wir später rausgefunden haben. Aber erst mal ist der dann gemütlich ausgestiegen und ist die Straße abgelaufen um nun den mysteriösen Ort zu finden, zu dem wir wollen. Bis es uns zu bunt wurde, Claudia, Reinhardt, Lars und ich das Taxi verlassen haben, natürlich während der Typ noch umherlief, und uns ohne ihn zu bezahlen das nächste Taxi besorgt haben. Schließlich hat er ja auch keine Leistung gebracht... Außer 'nen Spaßfaktor, jedenfalls für mich. Er hat nur kurz protestiert. Wahrscheinlich weil ihm schnell bewusst wurde, dass da nix war, wofür man ihn hätte bezahlen sollen.
Der nächste hat uns jedenfalls sofort an der richtigen Stelle rausgelassen und die anderen hatten schon mal so langsam angefangen, das erste Fässle Bier stand schon in unserem Private Room. So läuft Karaoke nämlich hier. Man blamiert sich nicht allein auf einer Bühne in einer Bar, sondern man mietet diskret einen Raum für die Beteiligten und kann sich gegenseitig mit Mikrofon vor dem Fernseher schief ins Ohr singen. Ein Traum für Lars. Hat mich viel Mühe gekostet ihn zu überzeugen mitzukommen. Aber schließlich war es ja auch mein Hill Festival und ich hatte mir das schon lange mal gewünscht.
Eigentlich hatte er mir auf Arbeit beim Lunch vor allen versprochen mir den Opening Song zu trällern, aber nur unter der Bedingung, dass es ein deutsches Lied ist. Von wegen, dat jibbet ja nisch in Schinosien, ein deutsches Lied beim K-TV, so dass er meinte, er sei damit aus dem Schneider. Wir waren schon vorbereitet und hatten den Liedtext von Howies "Ti amo" und Peter Maffays "Und es war Sommer" ausgedruckt, aber da wir wegen dem Armleuchter von Taxifahrer leider zu spät kamen, hatte sich das auch schon erledigt. Mit dem Alkoholpegel werden auch die Hemmungen weniger und man gröhlt dann recht hübsch durcheinander z. B. "Lemon tree", "Mrs. Robinson", "Cecilia", "Hotel California" und vieles anderes. War ein witziger Abend und ich hab festgestellt, dass ich Leute kenne, die als Rockstar durchgehen könnten.

Montag, 16. Juni 2008

Baijiu Farewell Session

Heute hieß es Zai dien sagen: Ingolf, mein Abteilungsleiter verlässt China und widmet sich neuen Aufgaben in Kroatien. Aber bis dahin muss man hier erst mal eine unglaublich heftige Farewell-Party überstehen! Unbelievable! Was das heißt?! Dazu später mehr, im Grunde dreht sich alles ums Trinken. Eine ähnlich wichtige Rolle, zumindest für die Chinesen, spielt das Essen. War nicht besonders gut, aber auch nicht schlecht. Ein Highlight jedoch war, dass die Chinesen an unserem Tisch Claudia und mir beigebracht haben Erdnüsse geschickt mit Stäbchen zu essen. Mit dem ersten Level waren wir schon vertraut: Eine Erdnuss aufnehmen und verknuspern. Zweites Level war schon schwieriger. Zwei Erdnüsse übereinander mit den Stäbchen aufnehmen und damit bis zum Mund gelangen. Das dritte Level erfordert schon viel Geschicklichkeit. Zwei Erdnüsse nebeneinander aufnehmen und diese bis zum Mund balancieren. In Germany we say: Don't play with the food! Aber die Chinesen hatten echt eine Freude daran uns das zu lernen und uns dabei zu beobachten. Danach haben wir gefragt, ob wir jetzt dafür eigentlich eine Auszeichnung bekommen. Und uns wurde zugestimmt! Der Kollege, der das ganze angestiftet hat, bekam auch gleich einen Spitznamen von uns: Er wurde auf Mr. Peanut Certificate getauft. Wahlweise auch Herr Erdnuss Zertifikat. Ich finde, ein schicker Name, klingt rund wie 'ne Erdnuss. Leider haben wir den Wisch bis heute noch nicht erhalten, aber jedesmal wenn wir Mr. Peanut Certificate sehen denken wir daran. Ihr könnt daheim auch schon mal üben so die Erdnüsse vorm Fernseher zu verputzen, weil es diesen Contest mit Sicherheit mal bei einer Feier geben wird, wenn Lars und ich beide wieder zurück in Deutschland sind!
Aber jetzt zur Trinkerei. Mit jeder Runde, mit jeder Abteilung, mit jedem, der Ingolf dankte und alles Gute wünschte, sei es allein oder in der Gruppe, musste er Baijiu "Gan bei" - auf ex trinken (Gan bei, wörtlich trockenes Glas), das schrecklichste Gesöff, dass die Welt je gesehen hat. Baijiu ist ein Schnaps aus Weizen und hat ca. 55 % Alkohol. Er schmeckt nach Schuhsohle, und zwar noch nach 3 Tagen. Ich hab es ausprobiert, ich habe nur 2 oder 3 kleine Gläschen getrunken, um mal mitreden zu können. Nicht empfehlenswert. Man hat das Gefühl tagelang noch darauf aufzustoßen und aus jeder Pore danach zu riechen wie ein Sprittie. Und den Magen verdreht es einem auch für ca. eine Woche.
Nachdem ich mich zum Thema Baijiu in Wikipedia belesen habe, weiß ich jetzt auch, dass Henry Kissinger den Schnaps angeblich mit Kerosin verglichen hat, was ich eindeutig nachvollziehen kann. Weiterhin soll Baijiutrinken Männersache sein, und Frauen, die ihn trinken leicht in Veruf moralischer Verkommenheit geraten. Na da haben wir uns ja was angehandelt...
Ingolf hat sich lange standhaft dagegen gewehrt und immer mit seinem Autoschlüssel gewunken, von wegen er müsste noch fahren. Aber nach 2 Jahren China kann man das halt nicht bringen, das wird einem übel genommen. Das käme einer Beleidigung gleich.
Und so vollzog sich der Abend, für uns als Gäste sehr amüsant, da man quasi den Prozess - so will ich es mal nennen - zwischen erstem und letztem Glas eindeutig verfolgen konnte.
Weitere Kommentare diesbezüglich erspare ich mir. Nur eins - ich hab ein bisschen Angst, wenn ich an Lars' Farewell denke...
Aber die Kollegen hatten ein wirklich schönes Programm organisiert. Ingolf bekam ein T-Shirt mit Fotos von allen TE-Mitarbeitern darauf, sogar ich bin verewigt. Eine gut aufbereitete Powerpoint Präsentation lief mit den witzigsten und schönsten Bildern von ihm in China und ein Zauberer und ein Maskentänzer, der innerhalb von Sekundenbruchteilen die Masken gewechselt hat, haben zur Unterhaltung beigetragen.

Sonntag, 15. Juni 2008

Ladies' Day at Fashion Lady

Eine Sache, die mir hier in China wirklich gut gefällt, ist dass man auch am Sonntag einkaufen gehen kann. Alle Geschäfte haben zu den üblichen Öffnungszeiten hier auf, also von etwa 10 - 22 Uhr. Claudia und ich haben das heute mal ausgekostet und haben unseren Ladies' Shopping Day ganz gelassen beim Starbucks gestartet, haben bisschen geratscht, einen schönen Kaffee genossen und sind dann zum ultimativen Fashion Lady gestartet. Die Einführung in dieses Frauenparadies habe ich ja schon letztes Jahr von Tina erhalten. Es befindet sich unterirdisch im Xinjiekou-Bezirk (gesprochen Tschindscheko), im Shoppingviertel Nanjings, und erstreckt sich über mehrere Etagen. In ettlichen Gängen kann man allerhand Krimskrams geringer Qualität bekommen, überwiegend Schmuck und Kleidung, aber auch Geldbörsen, Handtaschen und Schüsselanhänger. Allerdings ist der Geschmack der Chinesinnen leicht verirrt, weshalb wir auch nicht so erfolgreich waren bei unserer Pirsch. Nach schönen und qualitativ hochwertigen Sachen muss man schon richtig suchen. Macht euch selbst ein Bild, was für abgefahrene Sachen man da kaufen kann...
Oben links: Riesige Kette in Form eines Kleiderbügels mit Shirt und Rock
Oben rechts: U. a. Eistütenohrringe
Unten links: Keksohrstecker
Unten rechts: Miniventilator in Tierkopfbox, je nach Vorliebe Teddybär, Katze oder Hund
Manchmal wünscht man sich hier so ein Teil. Z. B. wenn man morgens gegen 7:30 Uhr das Haus verlässt, einen Schritt vor die Tür setzt und nach dem zehnten Schritt die Brühe zu laufen anfängt. Dann wünscht man ihn sich, wenn man 5-10 Minuten an der Bushaltestelle wartet und es nicht mehr aufhört zu laufen. Also wenn man mal keinen Fahrer hat, normalerweise profitiere ich ja vom klimatisierten FlitzerFiat. Und dann wünscht man ihn sich noch mal in der Mittagspause bei dem viertelstündigen Marsch zum Nudelhimmel, wenn man mal wieder der Kantinenhölle entgehen möchte. Aber noch bin ich nicht so abgestumpft, dass es mir nichts mehr ausmacht mit so einem Ding rumzulaufen. Obwohl ich ja mittlerweile den Kult von Hello Kitty ganz witzig finde.

Samstag, 14. Juni 2008

First Running Sushi, then Running in the Gym

Heute haben wir uns erst recht spät dazu entschließen können doch noch to the Gym (auf deutsch: zum Fitness) zu gehen. So spät, dass uns der Magen schon richtig geknurrt hat. Also dachten wir uns, wir stärken uns vorher mal lieber. Uns war nach Sushi. Und weil wir ja eigentlich Sport machen wollten, haben wir uns für Running Sushi entschlossen. Da kommt das Essen auf dem Förderband angefahren und man nimmt sich die Teller runter, die einem gefallen. Ja, Mutti, da gab's nur kalten, toten Fisch. Und Kaviar war manchmal noch mit dran, also deine Lieblingsspeisen, hehe. Ich glaube, für dich müssten sie das umgestalten. Ich habe mir überlegt, dass das an sich auch eine clevere Geschäftsidee für Bäckereien wäre. Ein Plunderteilchen hier, eine Quarktasche da, ein Stückel Apfelstrudel dort... Da wärst du bestimmt auch dabei, gell?
Also zurück zum toten Fisch. Nachdem wir stundenlang im Palio durch die Stadt gegurkt sind und uns so bisschen wie ein Hamster im Laufrad bewegt haben (Lars meinte, er wüsste wo die Sushibar ist, aber er war halt bisher nur mit dem Taxi dort und ist nie selbst gefahren ^^), fanden wir sie endlich. Ich war schon richtig unleidlich vor Hunger. Und dann durften wir auch noch so 10 Minuten anstehen, weil der Laden wirklich beliebt ist. Aber dann ging's endlich los! War sehr lecker! Den Tee gab's aus in Japan typischen Hello Kitty Tassen, was aber auch in China sehr beliebt ist. Überhaupt haben die es hier mit Comicfiguren. Erwachsene Frauen tragen vollen Ernstes und mit Stolz Hosen und Shirts wo Winnie-the-Pooh der Bär drauf ist (Grüße an Michi nach Baunach)! Ich meine, unsereins trägt sowas vielleicht mal als Gag, aber gut, ist halt China.
Abgerechnet wird danach übrigens nach Telleranzahl. Der Stapel wird durchgezählt und pro Teller zahlt man glaub ich 10 oder 20 RMB (~1 - 2 €).
Kugelrund sind wir dann zum Gym nebenan gerollt und haben das verinnerlichte wieder abgerackert. Nie wieder esse ich so viel bevor es zum Sport geht, das ist ja unmöglich! Aber auch nur, weil Lars sich den ganzen Tag nicht aufraffen kann und erst dann, wenn ich tierisch Knast schiebe, loswill. Das wird in Zukunft abgeändert. Weil es so spät war, hatten wir aber wenigstens unsere Ruhe, war kaum noch jemand dort und ich hatte von meinem Crosstrainer freien Blick auf die Stadt.
Langsam geht hier auch die Hotpot Zeit los. Das heißt, man beginnt langsam zu schwitzen auch ohne sich zu bewegen. Wie das Ganze aussieht, WENN man sich bewegt, das könnt ihr euch selbst ausmalen. Nur so viel: Nach dem Sport kann man die Klamotten getrost auswringen, trotz Klimaanlage, was auch an der steigenden Luftfeuchtigkeit liegt. Die Wäsche, die man zum Trocknen aufhängt, bleibt derzeit auch immer etwas klamm.
Und was hat das Gerenne nun eigentlich gebracht? Fast 620 kcal hab ich mir abgerackert. Zum Vergleich: Eine Ritter Sport Alpenmilch hat 536 kcal. Auf die habe ich aber hinterher brav verzichtet.

Donnerstag, 12. Juni 2008

Lake view Barbecue

Heute haben wir zum Barbecue inklusive Seeblick eingeladen. Da es direkt nach der Arbeit losging habe ich schon gestern den Nudelsalat vorbereitet. Katrin hat ihren immer beliebten deutschen Kartoffelsalat beigesteuert und aus der MuXuYuan DaJie kamen ein gemischter Gemüse- und ein Obstsalat. Jamie hat sich in unserer Küche verausgabt und leckere Burger vorbereitet. Dabei war er einer Fotosession ausgeliefert: JamieCuttingOnions, JamieCuttingGarlic, JamieMixingBeef, JamieFormingBurgers usw. Auch die 2 Tsingtao Biere, die sich jeder von uns erst mal auf nüchternen Magen gegönnt hat, während wir noch dies und das zubereitet haben, führten zu allerhand Rumgealber.

Lars ist auf dem Balkon in seinem T-Shirt mit Балтика-Aufdruck (Baltika, russische Biermarke, in diesem Sinne: Liebe Grüße nach Moskau!) rumgehirscht und hat dafür gesorgt, dass der von Familie Halmuschi geerbte Grill ordentlich zieht und dass nichts mehr von der Reinigungsaktion, die unsere Ayi heute auf dem Balkon gestartet hat, zu sehen war.
Nach und nach wurde dann auch aus der Küchenparty eine Balkonparty. Gut gesättigt und mit Bier bewaffnet genossen wir das endlich "klare" Wetter. Der heutige Tag ist der einzige Tag in der Woche ohne Regen, das haben wir gut getimed.
Nachdem dann die MuXuYuan DaJie Crew vorzeitig geschwächelt hat und Claudia gegen elf ganz gegen die bayerische Natur ihr Bierchen stehen lassen musste, um mit den Jungs die Heimfahrt anzutreten, waren's der European Schinosen nur noch drei... Lars und Jamie haben noch über Apple Produkte und SNC Probleme gefachsimpelt bis sich auch die Party auflöste!
Ein schöner, gemütlicher Abend war's! Danke fürs Kommen, müssen wir unbedingt mal wieder machen!

Freitag, 6. Juni 2008

My lovely Mister Singing Club!

Hallo meine lieben Blogleser,

how goes it, how stands it? Seit heute ist Mister Happy Nature Jamie, der einzige einsame Engländer unter uns Deutschen wieder zurück in China. Damit er sich schnell wieder an unser German-English gewöhnt, habe ich ein Genglish Dictionary erstellt. If you only understand railway station könnt ihr gern hier mal reinschauen, maybe then goes you a light open.

On again see!
Eure Jasmin


Donnerstag, 5. Juni 2008

disGusting dePartment

Heute habe ich mal meine Praktikantenkollegin Claudia bei GP (Global Procurement = Einkauf) besucht. Jedoch hat GP seitdem für mich noch eine weitere Bedeutung, und zwar disGusting dePartment - Ekelabteilung! Claudia wird von ihren Kolleginnen täglich mit tollen Leckereien verköstigt. Und ihr dürft euch sicher sein, dass ich einige davon exportieren werde, damit ihr auch was davon habt. Da wären z. B. Fleischbonbons, besonders nett, weil man sowas in dem bunt eingewickelten Papier nicht erwartet und einen keiner warnt. Davon bin ich bisher aber noch verschont geblieben. Ich durfte dafür mal vom kandierten Cuttlefish (Tintenfisch) probieren. Boah ist das ein Sauzeug! Erst klebrig süß, dann fischig und dann gescheit scharf. Das ist vielleicht eine Kombination, wie man nur auf sowas kommen kann... Vom fischigen Nachgeschmack hat man dann auch noch für mindestens vier Stunden was. Bäh!
Auch ist die Geräuschkulisse in ihrer Abteilung einzigartig. Dort sind fast nur Weiber - ständig am rumgackern und rumrotzen. Gut, ich sage mir ja immer, die chinesische Kultur hat eben eine andere Definition von ekelig, die finden es auch ekelig wenn ich mal schön in mein TASCHENtuch tröte und es mir anschließend in die HosenTASCHE stecke (ist klar, wäre es kein TASCHENtuch geworden, aber wie ich schon sagte, andere Kultur...). Seitdem ich das weiß, wandert bei mir jedes benutzte Tempo straight into the Mülleimer, ich bin ja in China zu Gast. Das darf Lars allerdings nicht wissen, er trauert um jedes seiner weggeworfenen Tempos.
Zurück zur Ekelabteilung - also was die dort veranstalten... Mir hat schon gereicht, was ich dort gehört und gesehen hab. Da hört man quasi, dass der Frosch noch lebt und wie er davon hüpft. Aber da muss es noch verrückter zugehen. Die Gute, der Claudia gegenüber sitzt rollt in regelmäßigen Abständen mit ihrem Stuhl zurück, nimmt den Papierkorb zwischen die Beine und rotzt gepflegt da rein. Das alles war für mich Anlass mal in LEO nachzuschauen, also hier Lektion 1 Chinesisch:
Zhen exin! - Is' ja ekelig!
So kann man auch chinesisch lernen.

Dienstag, 3. Juni 2008

I, ar, san!

Da unser TE Division Manager Ingolf uns bald verlässt um seinen neuen Job in Kroatien anzutreten, wurde die gesamte Abteilung heute zum Gruppenbild zusammengetrommelt.
Und dann hieß es: "I, ar, san!" (Eins, zwei, drei), das hört man immer wenn Chinesen Fotos knipsen.
Ich habe mal im Bild die jenigen markiert, mit denen ich am meisten zu tun habe. Ms. Cheng Ming Ming (ihr englischer Name ist Cassy) ist die Abteilungssekräterin und gute Seele. Sie hilft mir immer weiter, wenn es etwas zu organisieren gibt. Sei es auf chinesisch unsere Adresse aufzuschreiben, damit auch unsere deutschen Kollegen mit dem Taxi zu uns finden oder gewisse Besorgungen wie Tigerbalsam zu erleichtern.
Mit Ms. Zhang Jing Jing (hat sich den englischen Namen Echo gegeben, was bei unseren Engländern jedoch Stirnrunzeln verursacht) und Mr. Du Fu Jia habe ich an Drive-Projekten zusammen gearbeitet.
Seit kurzem arbeite ich mit Mr. Perschewski, Mr. Guo Huan Hai, Mr. Xie Hui und Mr. Hong Tao Yi an einem Projekt bezüglich In-Circuit Test.

Montag, 2. Juni 2008

Hangzhou - ein herrliches Fleckchen

Ein chinesisches Sprichwort lautet: "Im Himmel gibt es das Paradies, auf Erden gibt es Suzhou und Hangzhou". Und warum man das sagt ist auch für uns nachvollziehbar. Hangzhou ist die erste Stadt in China, in der man erleben kann, dass auch Chinesen das Leben genießen können. Alles ist einen Tick entspannter und gelassener, es ist sogar üblich am West Lake zu flanieren. Hier fühlten wir uns richtig wohl!

Samstagmorgen haben wir uns zu acht (Stephan & Kristin, Claudia, Andrea, Wolf, Stefan, Lars und ich) auf die vierstündige Busfahrt in diese schöne Stadt begeben. Um die Mittagszeit kamen wir an und hatten das erste Mal einen Taxifahrer, der auch englisch sprach. Das liegt wohl daran, dass diese Stadt für den internationalen Tourismus sehr bedeutend ist. Dann haben wir in Ruhe unsere Zimmer bezogen. Wir hatten wieder mal ein abenteuerliches Hotel. An sich gar nicht mal schlecht, aber es hinterlässt schon einen Eindruck, wenn auf dem Nachttischschränkchen die Kondome liegen und auch für den Preis von 20 RMB ein frisches Höschen im Zimmer zur Verfügung steht. Keine Ahnung, ob das ein einschlägiges Hotel war, aber ihr wisst ja... Im Himmel Paradies und auf Erden Hangzhou ;-). Weiterhin fanden wir etwas seltsam, dass das Bad nur mit Glaswänden vom Rest des Raumes abgegrenzt war. Also mir und Lars hat das jetzt nicht so viel ausgemacht. Bei Wolf & Stefan und Andrea & Claudia wird das eventuell etwas anders gewesen sein. Zumal sich bei den ersten beiden die Tür nicht mal verschließen ließ. Da geht das Geschäft doch gleich dreimal so gut!

Nun also auf zur entspannten Besichtigungstour. Wir haben uns Fahrräder geliehen und sind voll guter Laune ein schönes Stück um den See gecruised. Lars hat es allerdings etwas übertrieben und in seinen roten Flitzer ein bisschen zu fest reingetreten, so dass die Kette raussprang und sich das Ganze dann in der Folge mehrmals wiederholte.


Dann haben wir uns entschlossen die Yuefei Mu Pagode zu besteigen, um aus der Vogelperspektive den Xi Hu (= West See) zu überblicken. Besteigen - dachten wir! Aber man hat dort eine ganz exklusive und natürlich voll in die Szenerie integrierte ROLLTREPPE eingebaut. Ja, genau! In der Pagode selber sind wir Fahrstuhl gefahren. Für Lars auf jedenfall das Richtige, hehe. Der Ausblick oben ist wunderschön, wenn auch kontrastreich. Der See, teilweise mit Seerosen bedeckt, mehrere Pagoden am Ufer und am anderen Ende die Skyline der Stadt.

Gegen Abend haben wir unsere Flitzer wieder abgegeben und haben uns mit unserer chinesischen Kollegin Sammy, die an diesem Wochenende auch mit ihrem Freund Andreas zusammen Hangzhou besucht hat, getroffen. Sie hatte einen Tipp, wo man gut chinensisch essen gehen kann. Auf zu Grandma's Kitchen. Mr. Fish ließ es sich nicht nehmen gegrillte Raupen zu bestellen. Allerdings fand das Sammy anscheinend widerlicher als wir. Probiert hab ich es - ist halb so schlimm, es lebt ja nicht mehr. Aber ich müsste es nicht unbedingt wieder haben. Und wenn man Huhn bestellt, bekommt man das auch, und zwar alles davon. Vom Schnabel bis zur Kralle.

Nachdem wir uns noch ein Bierchen als Absacker auf der Terrasse einer Bar genehmigt haben und sogar mit Rasseln zur aktiven musikalischen Gestaltung beitragen und die Band begleiten durften, sind wir zurück zu unserem Hotel geschlendert.

Am nächsten Morgen haben wir ein aufbauendes Frühstück bei Starbucks genossen und uns anschließend mit Stephan und Kristin, welche in einem anderen, luxeriöseren Hotel genächtigt haben, bei der Apotheke Huquingyu Tang getroffen. Dieses Anwesen schlicht "Apotheke" zu nennen ist allerdings tiefgestapelt. Hier findet man nicht nur einen Verkaufsraum, in dem vor den Augen der Besucher die Arzneien nach Rezept individuell gemischt werden, sondern fast schon einen Palast. Ein mehrhöfiger Bau mit vergoldeten Holzschnitzereien, Innenhöfe, in denen Heilpflanzen wachsen und ein angeschlossenes Apothekenmuseum sprechen für sich. Dieser Ort hat mich wirklich beeindruckt. Das ist China. Das ist, was ich mir darunter vorstelle und viel zu selten erlebe. Die Gerüche, die Ruhe. Ein Traum.

Ausgeglichen und voller innerer Ruhe sind wir am Nachmittag wieder Richtung Nanjing aufgebrochen, zurück in den Trubel. Vielleicht fahren Lars und ich mal wieder mit dem Auto hin, eine weitere Reise ist Hangzhou sicher wert, da wir lang nicht alles erkunden konnten und diese Stadt ein herrliches Fleckchen zur Erholung ist.