Sonntag, 27. April 2008

Farewell Weekend

Freitagabend haben wir Jamies vorerst letzte Partynight in Nanjing gefeiert. Abgesehen von unserem Stammkreis waren auch Carl, Susanne und Mr. Chen dabei. Wir haben lecker Teppanyaki gegessen, Sake gesüffelt und nach chinesischer Geschäftsmanier auch brav jeder einzeln mit Jamie gambed, damit er auch ja richtig angeschüsselt wurde. Er hat zwar versucht abzulehnen, aber sein Widerstand schien uns nicht groß genug. Wir kennen ja das Klischee über Engländer... Entsprechend war auch das Abschiedsgeschenk eine Flasche Bei You. Na denn mal Gambe! Weiter ging's dann in der Castle Bar. Lars und ich haben noch vor dem Totalabsturz die Kurve bekommen und sind zwischen 2 und 3 Uhr morgens heimgefahren. Irgendwie bin ich dann beim 3. Gate aufgewacht und hab Lars gefragt, ob wir zu weit gefahren sind. Lars: "Was, was? Ich bin eingeschlafen, wo sind wir denn...? *guck & grübel*... Stoopp!" Na gut, mussten wir halt noch ein Gate zurücklaufen.
Am Tag darauf haben wir erfahren, dass sich die gleiche Szene in ähnlicher Ausführung in zwei weiteren Taxis unserer Mistreiter ein paar Stunden später abspielte. Welch eine Überraschung. War wirklich ein sehr lustiger Abend.

Samstagmorgen ging's dann unausgeschlafen nach Shanghai. Macht ja nix, wozu gibt es Zugfahrten, da kann man ja noch bisschen rumschnarchen.
Die ersten Eindrücke von Shanghai habe ich ja schon letztes Jahr verarbeitet. Dieses Mal haben wir uns aber nicht die Stadt bei Tageslicht vom Pearl Tower aus angeschaut, sondern sind abends in den fünfthöchsten Wolkenkratzer der Welt, den Jin Mao Tower gegangen. Mit 3 verschiedenen Aufzügen fährt man in 340 m Höhe. Durchschnittlich fährt man mit 9 m/s innerhalb von 46 Sekunden zum Aussichtsdeck. Die unteren 50 Stockwerke werden als Büroräume genutzt. Zwischen 50. und 87. Stock befindet sich das Grand Hyatt Hotel. Dieser einmalige Blick in die Tiefe entspricht "nur" den 37 Stockwerken des Hotels! Wahnsinn! Wow! Heftig...
Dann überwindet man die letzten Stufen ins 88. Stockwerk per pedes und genießt die grandiose Aussicht auf die blinkende und funkelnde Stadt in der edlen und wahnsinnig teuren Lounge "Cloud No. 9". Muss man mal gesehen haben. Nachdem ich nun beides gesehen habe: Wenn man nur eine Wahl hat, dann Jin Mao Tower!

Beim relaxten Sonntagsfrühstück im Element Fresh (Tausend Dank für den Tipp, Tina!!!) haben wir die ausgewogenen europäischen Speisen, die Sonne, den fast smogfreien Himmel, die Ruhe und die saubere und stylische Toilette genossen und alle waren einfach nur happy.
Auf dem Rückweg Richtung Bahnhof haben wir was Tolles gesehen. Ganz viele Menschen wuselten durch einen Park und hängten Zettelchen mit Wäscheklammern an Bäume und Büsche. Was ist denn da los?!
Das war eine Partnerschaftsbörse! Dort trafen sich alle, die bisher noch keinen abgekriegt haben oder wieder jemanden abkriegen wollen, überwiegend mittleren bis höheren Alters.
Ich meine, who needs heute schon Internet in Shanghai, gibt ja Parks, und Zettelchen, und Wäscheklammern... Das ist ja vielleicht ein Tipp für all euch unfreiwilligen Singles da draußen *zwinker*
Also Bye Bye for now, Jamie! Looking forward to see you again back in Nanjing in June!

Montag, 21. April 2008

Hawaiihemd und Jingle Bells

Nachdem wir uns am Mittwochabend direkt nach der Arbeit noch mal in der Kantine gestärkt haben, ging es mit zwei Company-Bussen los zum Flughafen. Das Company Outing verschafft uns 4 Tage auf der sonnigen Ferieninsel Hainan, dem Bali Chinas. Auf unserem Trip in die Berge letztes Wochenende habe ich mich richtig gescheit erkältet. Durchgeschwitzt stehenbleiben, um den Puls zu normalisieren führt eben zur Abkühlung und gegebenenfalls wie bei mir zu einer Erkältung. Deswegen bin ich auch direkt nach der Ankunft in unserem 5 volle Sterne Hotel geschafft ins Bett gefallen, während die anderen noch den beginnenden Urlaub mit ein paar Bierchen zelebriert haben.

Am darauffolgenden Tag hat sich mein gesundheitlicher Zustand Stunde um Stunde verbessert. Die vorallem saubere Meerluft hat mir richtig gut getan. Bei unserem Ausflug to the "End of Heaven" haben wir uns eine Kokosnuss ausschlürfend über die im Partner-Hawaii-Look herumlaufenden Chinesen amüsiert, aber das Lachen sollte uns noch vergehen.

Am Abend brachte es unser Reiseveranstalter tatsächlich fertig auch für unsere Gruppe diese hervorglänzenden, ganzkörperverstümmelnden Anzüge auszuteilen. Das charmante an diesen Dingern ist nicht mal das penetrante Jucken auf der Haut, und auch nicht der augenreizende Aufdruck, sondern dass man die Größe sichtbar außen an der Kleidung angebracht hat. Da es eh jeder lesen konnte, kann ich's ja hier auch schreiben: in China trage ich XXXXL. Also mit meinem Hinweis in Richtung Rainer Calmund in meinem letzen Posting war ich ja schon auf der richtigen Spur. Balsam für die Seele...

Unser Welcome Dinner direkt hinter der Strandpromenade unter freiem Himmel begann mit einer Schlägerei irgendwelcher Möchtegernrambos. Nur gut, dass gleich einige Polizisten zur Stelle waren, die das Rechtliche geklärt haben. Als wir so gut wie fertig waren mit dem Essen, lag der Geschädigte immer noch an der gleichen Stelle und rührte sich nicht. Hauptsache es wurde alles protokolliert.

Weiter ging es mit dem Unterhaltungsprogramm. Abwechselnd traten einige engagierte Künstler auf, Mitarbeiter von SNC sangen (freiwillig!) Lieder, deutsche Kollegen dachten sich belustigende Partyspiele aus, die kein Chinese so richtig verstanden hat und es fand eine Verlosung statt, bei der ich tatsächlich eine Saftpresse gewonnen hab.
Das Highlight dieses Abends hat mich fast vor Lachen umgebracht. Da kommt echt ein "Künstler" mit einem Blatt (vom Baum) im Mund auf die Bühne und fietschelt irgendwas chinesisches daher. Als ich fast keine Luft mehr gekriegt hab, teilt dieser Scherzkeks an alle solche Blätter aus, quietscht dabei Jingle Bells und fordert uns auf mit einzustimmen.
Jetzt stellt euch mal vor, wie ihr reagieren würdet, wenn Mitte April jemand zu euch kommt und unter Palmen auf 'nem Blatt Jingle Bells spielt. Ja, genau, es war etwas surreal.

Der darauffolgende Tag begann mit einem Strandspaziergang, bei dem wir das merkwürdige Verhalten chinesischer Großstädter, die das erste Mal am Strand sind, beobachten konnten. Erst mal wollten sie sich alle mit uns fotografieren lassen. Ich weiß nicht wie oft wir angesprochen wurden, wir haben bestimmt 5 oder 6 Gruppenbilder auf unserer Reise mit aufgeregten Chinesen gemacht.
Strandurlaub genießen auf chinesisch sieht so aus: Im Normalfall lässt sich die Frau ein bisschen das Wasser um die Knöchel spülen und post mit Schirm während der Mann die Fotos davon macht. Wenn jemand ins Wasser geht, dann entweder erwachsene Chinesen mit Schwimmringen (Variation: Schwimmring mit Tierchen dran), maximal hüfttief oder die ettlichen Russen, von denen Sanya lebt. Jedes Magazin ist auch russisch angeschrieben. Lars hat unser Eis auf russisch bestellt und auch ein kühles Baltika Bierchen reingelassen.

Die Busfahrten waren auch interessant. Um mal den Sitzabstand zu beschreiben: Die Lehne vor mir hätte sich etwa 10 cm über meinem Knie befunden, wenn ich mich nicht irgendwie schief reingequätscht hätte, und das ist nicht übertrieben. Außerdem hat der chinesische Reiseleiter ohne Punkt und Komma Rhabarber gelabert. Was anderes hab ich auch nicht verstanden. Nur Rhabarber. Wei, ni hau. Hade, hade, hade. Niggeeee... Xiexie, zai dien! Ist leider alles, was ich verstehe. (Hallo, guten Tag. Richtig, richtig, richtig. Ääääh... Danke, tschüss!)

Mittags gingen wir in ein stinkiges 4 Sterne Restaurant, in dem ich nur das gegessen habe, wo ich hohe Magen-Darm-Verträglichkeit vermutet habe, d. h. überwiegend Reis. Wie sich später rausstellte, hat sich dort ein Mitreisender unserer Gruppe eine Seafood-Vergiftung geholt und wurde im Krankenhaus mit Infusionen wieder aufgepeppelt. Überrascht hat's mich nicht.
Am Abend stand Barbecue auf dem Programm. War richtig lecker. Man kann sich frisch das raussuchen und zusammenstellen, was einem beliebt, macht eine Klammer mit Nummer an den Teller und holt sich nach 10 min das fertig Gegrillte wieder ab. Schöne Idee.

Als wir am nächsten Tag Mittag wieder in dem 4 Sterne Stinkerestaurant "versorgt" werden sollten, hat sich der gesamte Bus geweigert auszusteigen. Infolge der Anordnung von ganz oben wurden wir in die Innenstadt von Sanya gekarrt und haben uns dort auf KFC und Maidanlo (McDonald's) aufgeteilt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sag: Aber da weiß ich wenigstens, dass ich was Gesundes bekomme. Wenn man das allerdings in diesem Zusammenhang sieht, ist echt was Wahres dran.

Unseren Hainan-Aufenthalt schlossen wir mit einem Ausflug auf West-Island ab. Ein wenig verärgert über die lückenhafte Kommunikation mit uns Deutschen, die zur Folge hatte, dass wir nicht auf einen Strandtag eingestellt waren und unsere Badekleidung im Koffer war, weil der Flug heute zurückgeht, sind wir in einem Schnellboot zur Insel gebrettert, im wahrsten Sinne des Wortes.

Da es dort nichts weiter anzuschauen gibt, als den wirklich traumhaften Strand, haben wir es uns in einer kleinen Hütte bequem gemacht und den Ausblick genossen.
Doch plötzlich hat sich ein schreiend telefonierender Chinese in unserer Hütte breitgemacht. Als wenn das nicht schon genug der Ruhestörung wäre, hat der Typ es geschafft das zu toppen. Dann und wann hob er offensichtlich die Arschbacke, entspannte seine Gesäßmuskulatur und ließ mit einem knatternden Geräusch etwas gewaltig stinkendes entfleuchen. Welcome in China!

Da ihr ja auch immer besonderes Interesse an unseren kulinarischen Erlebnissen habt, gibt es hier ein weiteres aufzuführen.
Da nun essenstechnisch alle skeptisch waren, wurde entschieden, dass die Frau des vergiftungsgeplagten Mannes im ausgewählten Restaurant erst mal schaut, ob es soweit passt. Grünes Licht, 4 Sterne scheinen für chinesische Verhältnisse verdient zu sein. Also beide Busse rein in das Restaurant. Wir sind gerade alle zufrieden am Essen, als plötzlich immer mehr aufstehen und sich um einen Tisch versammeln. Ein Mädchen rennt mit vorgehaltener Hand Richtung Toilette, Gewühl, Entsetzen. Was ist da bloß los?
Wir werden aufgeklärt. Der Koch hatte eine besondere Delikatesse vorbereitet. Vorgekauter Kaugummi in Suppe gegart. Das arme Mädel hat das in der trüben Suppe nicht gesehen und das Corpus Delikti schon im Mund gehabt. Mich hätte es auch gehoben. Wäre das an unserem Tisch in der Suppe gewesen, wäre es gar nicht aufgefallen, weil die bei uns Deutschen nie gegessen wird. Aber es war anders. Das Essen war abrupt beendet und ein weiterer Besuch bei Maidanlo stand an.

In der Nacht ging der Flieger wieder zurück nach Nanjing. Wir waren gegen 5:30 Uhr im Bett, weil wir aufgrund eines nichtmitfliegenden Passagiers, das Flugzeug kurz vor Start noch mal verlassen mussten während eine Sicherheitskontrolle durchgeführt wurde und wir draußen auf dem Rollfeld warten mussten und dadurch Verspätung hatten.
Dennoch waren wir heute 11 Uhr auf Arbeit.
Sanya, wieder eine anderes Gesicht Chinas! Ich hatte interessante und im Großen und Ganzen erholsame 4 Tage.

Montag, 14. April 2008

...denn sie wissen nicht, was sie tun

Freitagabend ging die Reise los ins Ungewisse. Dieses Mal ohne Lars, weil er noch auf Dienstreise in Deutschland ist. Wir haben uns dazu entschlossen mit dem Nachtzug im Liegewagen nach Huangshan zu fahren und dort ein bisschen in den Bergen spatzieren zu gehen.

Im Zug hab ich mich ein bisschen wie auf Klassenfahrt gefühlt, nur dass ich dieses Mal mehr Spaß hatte. Das wird wohl unter anderem daran gelegen haben, dass ich dieses Mal nicht Bier und Schnaps verweigert habe... Na ja, ok, ich geb's zu, die Gruppe an sich war einfach super drauf. Da in unserem Liegewagen nur vier Pritschen waren, wollten wir es keinem von uns fünf antun in den Liegewagen mit drei müffelnden Chinesen zu gehen und so haben Claudia und ich uns ein Bett geteilt. Von schlafen kann allerdings nicht die Rede sein.

Gegen 5 Uhr morgens wurden wir dann von der Zugbegleiterin "geweckt" und von unserem Tour Guide Simon abgeholt, der schon im Deutschland-T-Shirt auf uns gewartet hat. Dann wurden wir in einem Minibus zu seinem Restaurant gefahren. Bei einem stärkenden Frühstück (ich hab nicht mal einen seiner Pancakes geschafft, obwohl ich riesigen Hunger hatte) hat er mit uns abgesprochen, welche Route er uns empfiehlt.

Nachdem wir uns alle noch mal unter den einfachsten Bedingungen frisch gemacht haben, sollte es also losgehen.
Auf, du junger Wandersmann... Trallala... Ach du sch... Ächz, keuch, hust, japs... Zweehunnord Buls hab isch... Bald! Ach nee, wie jetzt, der ganze Weg besteht aus Treppen? Also wenn ich das vorher gewusst hätte...
Natürlich wusste ich vorher, dass das ganze kein Spaziergang wird, aber wenn man so nach 100 m Treppensteigen realisiert, dass man eigentlich nicht ganz die passende Kondition dafür hat, wirds einem bisschen komisch. 12 km, nur Treppen. Ich hab mich gefühlt, wie Hape Kerkeling auf dem Jakobsweg. Nachdem ich etwa mit einer Kondition von Rainer Calmund und einem Rucksack voller Kieselsteine und Jamie mit einer Kondition wie David Beckham und einem Rucksack mit 'nem Taschentuch drin unterwegs war, hab ich irgendwann auch dankbar das Angebot angenommen die Rucksäcke zu tauschen.

Auf dem Weg bekommt man Eindrücke, die man nicht beschreiben kann. Auch die Fotos sind kein Ausdruck dessen, was man empfindet, wenn man es selbst erlebt. Und erstaunlichweise kommt man irgendwann an den Punkt, wo man sich irgendwie an dieses Stufensteigen anpasst. Es schmerzt zwar immer noch höllisch in den Oberschenkeln und ich hab viele kurze Pausen gemacht, aber man läuft einfach weiter und steigt Stufe um Stufe. Denn eine andere Wahl hat man sowieso nicht.
Je weiter man nach oben kommt, desto höher wird die Luftfeuchtigkeit, man sieht nichts mehr um sich rum und läuft nur noch in der Suppe. Am Gipfel angekommen geschieht das Unglaubliche: Wir haben das Glück und sehen "The Sea of Clouds", das Wolkenmeer. Ganz unvermittelt reißen die Wolken auf und man sieht die Bergspitzen. Wow. Ich kann nicht fassen, dass ich es (mit Trägerhilfe Jamie) aber dennoch mit meinen eigenen Beinen geschafft hab da hochzusteigen und dieses Naturschauspiel erlebe. Gänsehaut.

Irgendwas zwischen 5 und 6 Stunden haben wir bis nach oben gebraucht. Ihr zu Hause denkt wahrscheinlich wir haben 'nen Spinnie laufen, uns eine solche (Tor-)Tour anzutun. Aber ich sage euch, es ist mehr als nur ein Erlebnis.

Ich glaube, wir hätten die Natur noch intensiver genießen können, hätten wir nicht ständig lautstarke Chinesen um uns rum gehabt. Immer wieder ernteten wir erstaunte Blicke von ihnen, da sie fast alle nur mit der Seilbahn hochfahren und höchstens hinunter laufen, wenn überhaupt. Auch Sänftenträger trifft man häufig an, die auf erschöpfte oder erkrankte Kundschaft warten. Zähe, flinke Männlein tragen alles hoch und runter, was zwischen Talstation und Hotels bzw. Verpflegungsständen auf dem Gipfel benötigt wird.

Jetzt ging es also auf die Suche nach unserer Herberge, einem 4 (leere) Sterne Hotel. Nach einer weiteren Ewigkeit haben wir es auch gefunden. Der Eingangsbereich sah echt super aus. Ganz zielgruppenorientiert hat man sogar ein paar Massagesessel aufgestellt, die unsere Jungs auch genutzt haben.
Und hier die Inclusive-Leistungen unserer Luxussuite:
* Raum mit Blick... (wohin weiß ich auch nicht, hatten kein Fenster)
* eine Portion Schimmel und Muff extra
* Gastfreundschaft (kein Schlüssel fürs Zimmer!)
* 3 quietschende Doppelstockbetten
* die Absonderungen der Vorgänger auf der Bettwäsche
* spezielle Gastfreundschaft (Tierchen im Bad)
* einmal duschen in Socken

Dazu sag ich nur folgendes: Yippieayo, zählt mal durch, ich bin für 7 Sterne! Aber so wie ein unkonditionierter Körper es schafft sich 12 km die Treppen hochzuquälen, so stumpft auch das Hygieneempfinden einer Mitteleuropäerin ab. Nicht, dass ich ein gepflegtes Bad nicht mehr schätze. Wenn ich hier irgendwo eine schöne, saubere Toilette finde, könnte ich mich plötzlich Stunden darin aufhalten, aber wenn es einfach keine andere Möglichkeit gibt... Was willste machen. Nicht drüber nachdenken und direkten Boden-/Kloschüsselkontakt vermeiden. Auch hier gibt es Parallelen zu Hape Kerkeling...

Gegen Abend ist allerdings der Himmel wieder komplett zugezogen, so dass wir nicht den Sonnenuntergang beobachten konnten. Also haben wir in unserem Luxushotel noch etwas gegessen, was auch tatsächlich ganz gut geschmeckt hat und sind ganz zeitig erschöpft in die instabilen Betten gefallen.

Am nächsten Morgen ging's früh raus, da wir wenigstens den berühmten Sonnenaufgang sehen wollten. Aber auch da hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Also los zum Abstieg.
Abstieg, hallo, Aaabstieg? Verdammt, warum geht es hier eigentlich immer nur bergauf? Ich hab das Gefühl, dass wir 1/3 des Weges weiterhin Treppen hochsteigen. Und dann endlich, geht es an (ungesicherten!) Wahnsinnsschluchten entlang doch bergab.
Heimatland, da gibt's noch ein paar Muskeln die ich sträflich vernachlässigt habe und die jetzt gar nicht erfreut sind...
Also gar zu wackelige Füße darf man da nicht bekommen. Ich muss sagen, die Blicke hinab fand ich unglaublich beeindruckend, aber es hat mir jetzt nicht wirklich Angst gemacht. Ich habe aber höchsten Respekt vor unserem höhenängstlichen Stefan, der bei diesen schmalen Wegen am Abgrund wirklich zu kämpfen hatte.

Wieder Stufe um Stufe... Wir sind angekommen und ich kann es kaum glauben, dass ich jetzt meine Füße ausruhen darf. Wir fahren zu fünft in einem Taxi zurück zu Simon und werden mit einem exzellenten Mittagsmahl verköstigt. Geschafft und zufrieden setzen wir uns in den Bus, der uns zurück nach Nanjing bringt.
Ein Höllenritt, sag ich euch! Stephans GPS-Gerät ermittelt ca. 90 - 100 km/h, mit denen der Busfahrer durch die Orte braust. Wir waren fast alle schon ein wenig eingenickt als plötzlich das Unvermeidliche geschieht. Eine Person wollte die Straße überqueren und wir durften alle miterleben, dass die Bremsen gerade noch gut genug waren. Ich saß übrigens hinten in der Mitte. Noch ein bisschen kräftiger und ich wär ein nettes Geschoss geworden. Später haben wir festgestellt, dass es sogar einen Gurt gibt. Allerdings war der Sitz locker und der Gurt nur am Sitz befestigt. Sowas nennt man auch Schleudersitz. Die chinesische Lösung eben.

Zuhause angekommen habe ich mich ohne Bedenken auf die Klobrille gesetzt, genüsslich in einem sauberen Bad meine Körperpflege vollzogen, noch was gegessen und bin wie ein Stein ins Bett gefallen.
Nach tiefem, traumlosen Schlaf bin ich aufgewacht und habe schon den ganzen Tag das Gefühl von der Hüfte abwärts nur noch zwei verhärtete Muskeln zu haben: linkes Bein und rechtes Bein. Der einzige Trost: auch die anderen sind heute bisschen komisch gelaufen.
Yellow Mountain: ein eindrucksreiches Wochenende, das ich körperlich und seelisch erst mal verarbeiten muss. Es ist kräftezährend und dennoch würde ich es jedem empfehlen, der sich irgendwie dazu überwinden kann den Weg auf sich zu nehmen.

Donnerstag, 10. April 2008

Bye bye Björn

Heute haben wir Björn, einen echten China Survivor, verabschiedet. Nach 2 1/2 Jahren darf er endlich wieder zurück.

Zuerst haben wir es uns beim Italiener gut gehen lassen und in der G. G. Bar wurde es dann bei Live-Musik feuchtfröhlich. Da kommt man auch mal auf intimere Themen und der appetitliche Anblick der Toiletten dort hat uns dann zu einer kleinen English Lesson von Jamie geführt. So konnten wir lernen, was man im United Kingdom noch so für "groß machen" sagt. Z. B. "I'm dropping the kids off the pool" oder "I'm going for a bread". Standardmäßig sagt man aber für klein machen "going for number 1" und groß machen "going for number 2". Gut, dass wir mal drüber gesprochen haben. Sollte ich jemals die Queen treffen, würde ich trotzdem Stephans Variante "I have to powder my nose" bevorzugen.

Auf dem Heimweg mussten wir endlich mal das Verkehrsschild fotografieren, das bei uns regelmäßig Lachkrämpfe verursacht. Also wir würden es ja so interpretieren, dass nur die kleinen, süßen Ofenputzer verboten sind. Mit 'ner großen Dogge kann man da schon rumlaufen. Macht euch selbst ein Bild.
Insgesamt war es ein sehr lustiger Abend und wir können Björn mit ruhigem Gewissen zurück zu Tina nach Deutschland entlassen! CU back in Germany!



Montag, 7. April 2008

Presstee

Als wir heute aufgestanden sind, hatten wir folgende Aussicht von unserem Balkon:
nämlich gar keine!

Was das hier bedeutet, hat Lars schon geahnt. Die Autobahn wurde gesperrt, weil die hiesigen Landsmänner nicht in der Lage sind bei solchen Bedingungen selbige zu befahren und man ihnen auch nicht die Möglichkeit gibt es mal zu lernen.

Ob so oder so, das ganze artete in ein Verkehrschaos aus. Das heißt, wir waren dann irgendwann eine Stunde später als normal bei SNC und eine Lehre hab ich auch noch daraus gezogen. Never ever werde ich wieder vor der Arbeit einen Liter Tee reinstürzen.

Samstag, 5. April 2008

Tomb Sweeping Day

Aufgrund des gestrigen Feiertages "Quingming", oder auch Tomb Sweeping Day (Totengedenkfest) wurde uns ein verlängertes Wochenende beschert. Da wir hier keine verstorbene Verwandten oder Bekannten haben, deren Gräber wir fegen könnten, haben wir uns heute entschieden mal zwei Autos vollzupacken und ins "Grüne" zu fahren.

Man kann es kaum glauben, aber nach einer 45 minütigen Fahrt begegnet einem tatsächlich eine Art Vorstadtidyll. Das ist vielleicht etwas übertrieben, aber in China darf man das fast schon so nennen. Man muss halt nur über die Müllhalde neben dem Teehang wegschauen.

Somit haben wir unsere Grillsaison eröffnet! Katrin hat einen leckeren Kartoffelsalat gemacht und andere diverse Leckereien mitgebracht, Lars hat unseren Grill und Nürnberger Würschtel eingepackt, ich hab einen Nudelsalat beigesteuert und Jamie hat einen hervorragenden Blattsalat gezaubert, uns Burger und Hühnchenspieße zubereitet. An dieser Stelle wird auch deutlich, dass Deutsche und Engländer eine andere Vorstellung vom Grillen, also Barbecue haben. Die "Requirement Specification" unterscheidet sich sozusagen. Der Deutsche schmeißt normalerweise seine Würschtel und das Fleisch auf den Rost, es gibt Brötchen dazu und manchmal auch noch einen Kartoffel-, Gurken- oder Tomatensalat. Beim Engländer artet es dann schon in Arbeit aus. Da sollte es schon Burger und Spieße geben. Ich fand es sehr interessant auch das mal zu erleben und lecker war es allemal.

Da Mr. Fish die versprochenen Pappteller vergessen hat, haben wir die Leckereien vom Grill gemixt mit den Salaten als Cocktail aus unseren Bechern verspeist. Not macht erfinderisch.

Hier sieht man, dass unsere Jungs gut drauf waren, ob mit oder ohne Bier. Sie sind jetzt unter die Teepflücker gegangen.

Mittwoch, 2. April 2008

Häbbi Börsdei du Lars, im Baulaner schee war's

Ich durfte ja nix verraten, aber Jamie wusste trotzdem, dass Lars heute Geburtstag hat und so hat es sich dann auch herumgesprochen.
Und wo geht's wohl hin, wenn das Geburtstagskind die Location wählen darf? Rrrrrischtisch, natürlich zum Baulaner, da gibbds was Gscheids zum essa und zum dringa.
Dort ist es ja auch voll abgefahren. Das Personal hat einen Knopf im Ohr und wollte uns mithilfe ihrer drahtlosen Kommunikation (@ Kai, du weißt schon, wireless, wie dein wireless Lenkrad) schon irgendeinen Platz zuweisen. Aber das läuft wie im Parkhaus, wir ignorieren die einfach und suchen uns selber einen Platz. Wir sind ja auch schon groß, ge Muddi?
Über dieses Rumgefunke haben wir uns dann auch den ganzen Abend lustig gemacht. Angefangen hat Stephan, indem er die eine Seite seines Kragens hochgeklappt und in selbigen sprechend ein weiteres Bier bestellt hat. Das Spiel wurde dann beliebig fortgesetzt, z. B. mit „Mai dan, mai dan, please“ (Bezahlen) und „Fa biao, please“ (Die Rechnung). Na ja, wahrscheinlich ist das für euch nicht so lustig zu lesen, man hätte wohl dabei sein müssen.

Die Kollegen haben sich’s auch nicht nehmen lassen der Bedienung heimlich zu stecken, dass ein Geburtstagskind am Tisch ist (wie an zwei weiteren auch) und somit wurde Lars ein Geburtstagstörtchen gereicht, während die schwule Band Happy Birthday gespielt hat. Und nein, Lars war nicht der Motorradfahrer bei den Village People. Er hatte Glück, da der warme Bruder sich ein anderes männliches Opfer ausgesucht hat und richtig „nett“ mit dem getanzt hat.

Mein Claudinsche, auch du hast heute Geburtstag: Alles Gute, ich drück dich ganz fest!

Dienstag, 1. April 2008

Wie Bojen im Meer

News of the day: Wir werden vom 16. bis 20. April zum Company Outing (Betriebsausflug) mit unseren chinesischen Kollegen nach Sanya auf die Ferieninsel Hainan fliegen. Nachdem Lars nicht mal wusste, wo das ist, hab ich gleich mal in unserem China Reiseführer nachgeblättert und folgende interessante Information gefunden: Wenn man die Chinesen, die dort Urlaub machen, beobachtet, so hat man das Gefühl, ihnen hätte jemand erzählt, dass Sonne und ein sauberer Strand usw. etwas sehr Erholsames wären, aber sie wüssten nicht, wie man das nun genießen soll. Ahja, das passt ja. Ich bin ja mal gespannt.
Nachdem Lars heute mal wieder von den chinesischen Verkehrsbehinderungen, also hauptsächlich von den langsam und unkoordiniert fahrenden Chinesen, so genervt war, hat er auch einen treffenden Satz von sich gegeben: "Für die Chinesen sind wirklich 80 PS schon zu viel". Recht hat er. Man muss sich echt wundern, selbst die in einem fetten BMW oder Mercedes dümpeln auf den Straßen rum, wie Bojen im Meer. So ein tolles Auto ist an solche Menschen doch echt verschwendet. Aber das scheint mir die gleiche Sache zu sein, wie mit Hainan. Die wissen weder, wie man einen Strandurlaub, noch ein schönes Auto genießt. Die Freude am Fahren bleibt für die wahrscheinlich ein Buch mit sieben Siegeln.
Zum Abreagieren hatten wir heute unser Kick off für das Training in the gym, also Fitness. Das ging ja schon mal gut los: Im Parkhaus gibt es natürlich auch wieder auf jeder Etage einen Platzanweiser. Und was macht Lars? Sich einen Spaß draus, die armen Kerle zu ignorieren. Die haben ja nix weiter zu tun. Das ist ja quasi eine ABM. Ich meinte ja, er soll die wenigstens das bisschen Arbeit machen lassen, die sie da haben. Das arme Chinesle konnte es gar nicht fassen, dass er gefahren ist, wie er wollte...
Fitness hat aber Spaß gemacht und gut getan. Hat schon was besonderes, wenn man im 7. Stock vor einer Glaswand auf dem Crosstrainer steht und auf die beleuchtete, bunt blinkende Stadt schaut. Das findet man in Deutschland kaum.
Und was zum heutigen Tag nicht fehlen darf: Happy Birthday Steffi!!! Liebe Geburtstagsgrüße aus dem fernen Nanjing nach Erlangen!!!