Montag, 31. März 2008

Wanna have a Fahndungsfoto?

Gestern haben wir uns zum Abschiedsessen von Uwe beim Nepalesen getroffen. Hmm, wie schon das letzte Mal superlecker, danach konnte man mich heimrollen. Dann kann es ja Dienstag mit dem Fitness losgehen...

An meinem heutigen ersten Arbeitstag sind mir viele bekannte Gesichter über den Weg gelaufen und von allen Seiten hab ich "Nice to see you again at SNC" gehört.
Doch zuerst sind noch einige organisatorische Dinge von Nöten. Für die Visumsverlängerung brauchte ich unter anderem noch Passfotos. Dafür wurde ich von einem Fahrer von SNC zum Fotografen gebracht. Der Fahrer hatte dann schon von einer Sekräterin die Anweisungen bekommen, was ich will und hat das auf chinesisch gemanaged. In China muss man für ein Passfoto jeglichen Schmuck ablegen und die Jacke anlassen, das hab ich gelernt. Das haben sie mir per Zeichensprache verständlich gemacht. Während der Zeit, in der ich auf die Bilder wartete, hab ich mich mal bisschen umgeschaut. Für Kinderfotos wird auch auf eine interessante Art und Weise geworben. Kleine Bummies in Armeekleidung mit einem Gewehr in der Hand. Traurig, armes China...

Dann habe ich 4 Fotos erhalten plus die CD, für 3 €. Nicht schlecht, aber das Ergebnis gleicht eher einem Fahndungsfoto. Der Jetlag ist auch noch mit verewigt.

Samstag, 29. März 2008

Ein Samstag in Nanjing

Unser heutiges Erlebnis: einmal mit dem Fiat durch die Waschstraße, weil ich mich beschwert habe, dass ich mich jedesmal beim Ein- und Aussteigen schmutzig mache. Kein Wunder, wenn man sein Auto quasi seit dem Kauf nicht gereinigt hat, gerade hier!

Das System ist sichtbar antiquiert und nicht sonderlich effektiv, weswegen das Fahrzeug auch nach der Waschstraße noch eine Spitzennachbehandlung von 6 Chinesen bekommt. Das war unsererseits zwar nicht so gedacht, weil wir wirklich nur mal schnell durchfahren wollten, aber gut... Die haben alles gereinigt: innen, außen, den Einstieg, sogar im Motorraum haben sie rumgefuddelt. Dann mussten wir rein in das Gebäude zum bezahlen. Dort gehörte dann auch ein "You're very beautiful" zum Service. Und das Ganze für umgerechnet 2 €. Das werde ich vermissen, wenn ich in Deutschland wieder zur Waschbox fahre. Niemand, der mir sagt, wie toll ich aussehe...

Am Abend waren wir bei Nader und Katrin zum Entenessen eingeladen. Ich bin zwar noch nicht so lang von Deutschland weg, dass ich schon so richtig Gibber auf ein typisch deutsches Essen gehabt hätte, aber das Rotkraut, die grünen Klöße und Wickelklöße waren schon was feines. Außerdem haben wir bei dieser Gelegenheit Susan und Jim aus Denver, Colorado kennenglernt. Die beiden sind mit ihren Kindern seit ca. einem halben Jahr in Nanjing und es war auch sehr interessant die amerikanische Sicht auf die chinesische Welt kennenzulernen. Im Großen und Ganzen ist es aber die gleiche, die wir Europäer hier haben. Es ist auch einfach unheimlich schwer sich in einem Land zu integrieren, welches eine so grundsätzlich verschiedene Kultur und Geschichte hat als wir sie haben. Manche würden vielleicht behaupten "Welche Kultur? Chinesen haben keine Kultur", aber so weit würde ich nicht gehen. Susan hat aber ein gutes Beispiel gebracht: In den USA gibt es in jeder Stadt ein China Town Viertel, aber nirgendwo auf der Welt findet man Germany Town, Italy Town, France Town oder America Town. Das zeigt eben, dass es kaum eine Möglichkeit der Integration gibt.

Susan hat einen leckeren, typisch amerikanischen Kuchen mitgebracht, wie man ihn auch oft in Serien sehen kann. Mir kam das jedenfalls sehr bekannt vor. Sie fragte mich auch, wo ich englisch gelernt habe, weil sie bei mir kaum einen Akzent hört. Das liegt dann wohl an den vielen amerikanischen Serien, die ich im Original schaue. Hat das also doch zu mehr als nur zur Berieselung gedient.

Gegen 10 haben wir uns dann noch mit Stephan, Claudia, Uwe, Sammy, Stefan, Jamie und Nader in einer Kneipe mit Live Rockmusik getroffen. Aber das hat sich irgendwie wie Vergewaltigung an meinen Ohren angehört. Danach sind wir noch auf ein paar Bier mit Nader und Jamie in die Castle Bar. Als wir dort raus sind, stand wie so oft ein Bettler mit einem Pappbecher vor dem Eingang, hat mich zugefaselt und dabei noch mal richtig schön rumgerotzt. So leicht angeschüsselt, wie ich war, hab ich dann nur leicht verärgert gesagt "Wennde noch'n bissl so weitermachst, rotz ich dir ooch in deinen Pappbecher". Ehrlich gesagt fällt mir auch im nüchternen Zustand nichts anderes dazu ein. Das Tolle ist, man kann ja wirklich geraderaus sagen, was man denkt, verstehen können sie einen sowieso nicht. In dem Fall ein Vorteil, aber oft ein Nachteil.
Daheim gab's dann um 3 Uhr früh das vorgezogene Katerfrühstück mit Brot und russischem Käse.

Freitag, 28. März 2008

Russisch-deutsch-chinesisches Abendessen

Eigentlich wollten wir heute unseren neuen Rost (Grill) einweihen, aber mangels Kohlenanzünder sind die russischen Würste vom deutschen Fleischer (Metzger) doch in der Pfanne gelandet. Dazu gab's einen russisch-deutsch-chinesischen Kartoffelsalat, der mir gut gelungen ist. Man nehme chinesische Kartoffeln, Tomaten, Zwiebeln und Tiefkühlmischgemüse und hebe deutsche Schinkenwürfel und russische Mayo unter, würzen, fertig!

Donnerstag, 27. März 2008

Kommt 'ne Langnase in den Supermarkt...

Die letzte Nacht hab ich 8 Stunden gut geschlafen und bin halb sieben mit Lars aufgestanden. Bis jetzt geht's auch mit dem Jetlag. Lars ist heute direkt nach der Arbeit zum Geschäftsessen, damit habe ich (leider) den ganzen Tag zur freien Gestaltung. Vormittag hab ich erst noch in Ruhe meine Klamotten ausgepackt und verstaut. Das geht auch nicht so ohne weiteres, weil selbst die geschlossenen Schubladen einen netten Dreckfilm an der Nordseite angesetzt haben. Das zieht hier wirklich überall hin. Also erst mal die Fächer ausgewischt und dann eingeräumt.
Da am Donnerstagnachmittag immer die Ayi kommt (Haushaltshilfe, wörtlich Tante), habe ich mich dann verkrümelt und bin mal zum Suguo, einer Supermarktkette, um noch ein paar Dinge zu besorgen. Also auf zum Streichelzoo. Genauso haben mich wieder alle Chinesen angeglotzt. Als wöllten sie mich anfassen, um zu testen, ob ich wirklich "echt" bin.
Unter anderem hab ich Knoblauch mitgenommen. Wir verbrauchen davon aber meistens nicht so viel und drei Knollen sind schon zu viel. Entweder vertrocknen zwei oder sie setzen Schimmel an. Da kommt es mir ja sehr gelegen, dass man die hier einzeln kauft. Hab ich also eine in die Tüte und von einer Angestellten dort abwiegen lassen. Neben mir stand ein älteres Chinesle, das hat sich vor Lachen nicht mehr eingekriegt. Hat ungläubig auf meine Tüte gezeigt und auf mich eingequatscht. Ich hab ihn zwar nicht verstanden, aber er hat sicherlich wissen wollen, wozu man wohl EINE Knoblauchknolle braucht und ob das wirklich mein Ernst ist. Ich hab nur genickt und zurückgegrinst. Klar ist das mein Ernst. Ich bin doch eh schon ein seltenes Exponat im Museum, dann kann ich mich auch komisch benehmen und EINE Knoblauchknolle kaufen. Macht 18 Quai, das sind umgerechnet ca. 1,8 Cent.
Ich glaub, ich war heut Anlass für einen neuen chinesischen Witz: "Kommt 'ne Langnase in einen Supermarkt und kauft EINE Knoblauchknolle! Hihihihahaha!" Ist mir aber auch egal, ich hab bekommen, was ich wollte.
Als ich wieder hier ankam, war die Ayi noch nicht ganz fertig. Also hab ich mir ein Buch geschnappt und mich unten vor den Eingang gesetzt, dort stehen überdacht Tische und Stühle mit Blick auf den See. Bei Sonnenschein und angenehmer Temperatur hab ich noch bisschen geschmökert.

Mittwoch, 26. März 2008

May I have your attention, please...

...den Vielfliegern unter euch verursacht dieser Spruch sicherlich auch Schmerzen im Ohr. Gott sei Dank kam wenigstens nicht "flight CA966 is delayed" hinterher.
Das Einchecken mit den E-Tickets hat auch wunderbar geklappt und ich konnte auch wieder meinen Wunschplatz buchen, bei einem Zweiersitz am Gang, zum Füße ausstrecken. Zur Ruhe kam ich aber trotzdem nicht richtig, wenn mich nicht mein komischer Sitznachbar angerempelt hat, ist mir irgendjemand gegen das Bein gelatscht oder eine Stewardess hat versehentlich den Müll über mir entleert. Das Rempeln meines Nachbarn hab ich dagegen als vorsätzlich interpretiert, weil der vor dem Start noch mit mir diskutiert hat, ob ich nicht doch ans Fenster will. Öhm, nööö?! Warum sollte ich, wenn ich extra einen Gangplatz buche. Er wollte auch dahin, meinte er. Schön für ihn, dann hätte er früher einchecken sollen. Da dachte ich mir auch, wir sind hier nicht bei "Wünsch dir was", sondern bei "So isses". Nachdem er dann leicht verschnupft war, habe ich die Kommunikation auf das nötigste beschränkt, mir die Schlafbrille aufgesetzt und seine Rempelei ignoriert. Da er auch noch die ganze Nacht chinesische Schießfilme in einer Lautstärke geschaut hat, dass ich das trotz seiner Kopfhörer noch ganz gut mitbekommen konnte, hab ich dann den iPod aktiviert, aber schlafen war trotzdem nicht drin. Spätestens da hab ich mir wenigstens die Business Class für den kleinen Mann gewünscht: Valium.
Eine deutsche Stewardess war auch mit dabei. Sieht echt witzig aus. Wer das typische Air China - Saftschubsen Outfit kennt, weiß was ich meine. Die haben alle solche kleinen Haarnetze um den Dutt und riesige dunkelrote Rosen drüber. Und über den roten Kostümen Schürzen, die hinten zusammengebunden werden.
Am Pekinger Flughafen war auch alles anders als beim letzten Mal. Wegen der olympischen Spiele wurde ein neuer Terminal eingeweiht. Damit ist alles nun noch größer, dafür aber organisierter. Wär ja auch ein Hammer, wenn sich die Olympiatouristen von solchen Hyper-Hyper-Tussis mit der Flüstertüte ins Ohr plärren lassen müssten.
Aber man muss schon die Gedanken beisammen haben und nicht so lang überlegen. Wegen Überlastung des Luftraums sind wir schon in Frankfurt später weggekommen und hatten dann 20 min Verspätung. D. h. ich hatte noch knapp 2 Stunden zum Umsteigen, eigentlich nur 1 1/2, das Boarding ist ja immer schon früher. Dann fix zur Passkontrolle und Arrival Card abgeben. Treppe runter, Sky Line nehmen. Welche jetzt, da sind zwei?! Einfach den Massen nach, subber, war richtig! Koffer holen, weil die in Peking nie durchgecheckt werden, kamen glücklicherweise als eine der ersten. Koffer wieder einchecken. Treppe hoch, Gate suchen, wieder Passkontrolle und Handgepäckkontrolle. Da hatten sie bei der Durchleuchtung auch noch was auszusetzen. Also auspacken, Ticket zeigen, damit haben sie dann irgendwie das Durchleuchtungsfoto abgespeichert. Sehr interessant. Was die wohl mit den Informationen machen? Was ist wohl, wenn ich das Sudokurätselheft nicht wieder mit ausfliege? Hab ich dann ein Problem? Egal, Sachen schnappen und weiter, weiter, weiter, Ewigkeiten... Ganz am Ende endlich mein Gate, zwei Treppen runter, Boarding hat schon begonnen, rein in den Bus und zum Flieger. Ich hab mich nirgends verlaufen oder getrödelt und hatte trotzdem nicht mehr die Zeit mich frischzumachen. Aber es hat ja alles gut geklappt, das war das wichtigste. Und Lars hat mich pünktlich abgeholt, nachdem ich da verstärkten Druck aufgebaut hatte. Endlich haben wir uns wieder, und zwar für längere Zeit! Wir sind glücklich!
Heute Abend haben wir im Baumarkt noch einen Rost gekauft. Für Nicht-Thüringer: einen Grill! Und die Kohle gleich mit dazu. Freu mich schon den einzuweihen. Hier ist es auch schon ganz warm, so zwischen 16-18 °C. Da können wir kommendes Wochenende "anbraten".

Donnerstag, 20. März 2008

Geimpft und gesegnet

Ja, ich weiß, ich bin ein bisschen spät dran, aber besser als nie: Nun bin ich endlich geimpft und fühl mich daher gesundheitlich in China auch halbwegs auf der sicheren Seite. Gar nicht lustig war der Dreifachimpfstoff Tetanus, Diphtherie und Polio. Konnte in der Nacht gar nicht richtig schlafen, weil ich mich immer auf den gepieksten Arm drehen wollte und vom Schmerz aufgewacht bin. Na ja, das ist nun auch vorüber.
Heute hatte ich ein weiteres interessantes Erlebnis im Hinblick auf meinen längeren Auslandsaufenthalt. Bei uns im Haus wohnt eine ältere Dame, die mich in ihr Herz geschlossen hat. Als ich das letzte Mal nach 5 Wochen China wieder heim nach Erlangen kam, hat sie ganz aufgeregt bei mir Sturm geklingelt und mir mitgeteilt, wie froh sie ist, dass ich wieder da bin. Sie dachte schon, mir sei irgendetwas passiert. Ich hatte mir über das Abmelden bei den Nachbarn natürlich keine Gedanken gemacht, genauso wenig wie ich mich sorge, wenn andere Nachbarn mal längere Zeit nicht da sind. Jedenfalls hab ich ihr da versprochen, dass ich ihr bescheid gebe, sollte ich mal wieder längere Zeit weg sein. Und, na ja, ein halbes Jahr ist doch eine ziemlich lange Zeit. Also hab ich ihr gesagt, dass ich heut mal zu ihr hochkomme und mich verabschiede. Allerdings stand sie dann doch schon 14 Uhr ganz aufgelöst mit einem Fläschelchen Weihwasser vor meiner Tür und entschuldigte sich, dass ihr was dazwischen gekommen ist.
Dann hat sie mich gefragt, ob ich katholisch oder evangelisch bin. Nun ja, wie sag ich's ihr bloß... Ok, ich versuch's mal so: "Ja, also, ähm, ich komme ja aus der ehemaligen DDR, bei uns war das leider nicht so..." Worauf sie sagte: "Des is ja auch egal, 's gibbd nur einen Gott". Ah ja, ist in Ordnung, ich hab ja auch nicht behauptet, dass ich Atheistin wäre. Nun ging die Zeremonie los, sie hat mich mit dem Weihwasser kreuzweise bespränkelt und irgendeinen Spruch dazu gesagt, dass ich eine gute Reise haben soll. Gemerkt hab ich mir aber nur Amen. Dann hat sie mir noch so ein kleines quadratisches Metall mit einem Kleeblatt drauf gegeben und mir gesagt, dass ich mir das unbedingt in die Geldbörse tun muss, weil es mir Glück bringen soll. Sie hat das vor langer Zeit mal von jemandem geschenkt bekommen und ich kann das irgendwann auch mal weiter verschenken, aber nur jemandem, den ich wirklich lieb hab! Also das war wirklich eine Auszeichnung. Kurzum, das Ding ist in meinem Portemonnaie und wehe ich hab Pech!
Das klingt zwar jetzt so, als würde ich das ins Lächerliche ziehen, ich fand diese Begegnung auch lustig, ich nehme sowas eben mit Humor, aber der Dame war es wirklich ernst und sie hat eben so zum Ausdruck gebracht, wie sehr sie mich mag. Darüber hab ich mich auch echt gefreut.
Denen, die mir eine gute Reise und eine gesunde Rückkehr gewünscht haben, möchte ich sagen: Mir kann nichts passieren, ich bin geimpft und gesegnet.

Sonntag, 16. März 2008

Kabelprinzessin goes China - again!

Nun ist es bald wieder soweit. Am 25. März werde ich wieder im Flieger Richtung China sitzen. Ich bin schon wahnsinnig aufgeregt, gespannt und freue mich auf viele neue Erlebnisse. Dieses Mal werde ich ein halbes Jahr bleiben, um mein Praxissemester bei SNC zu machen. Einen Vorgeschmack habe ich mir ja schon letztes Jahr geholt, doch jetzt werde ich die Probe aufs Exempel statuieren. In den letzten Tagen gingen mir die ganzen Eindrücke von damals wieder und wieder durch den Kopf, erst recht durch die Gespräche mit dir, Tina. Du bereitest mich jetzt schon gut auf die kommenden Wochen und Monate vor. Danke dir für die vielen Tipps!
Es wird also nicht mehr lange dauern und ich werde euch wieder kleine Anekdoten, gewürzt mit etwas Chili, meiner eigenen Würzmischung, servieren. Ihr dürft also bald wieder erwartungsvoll diese Seite hier besuchen und ich freue mich selbstverständlich wie immer über eine rege Nutzung des Gästebuchs.
Es gibt auch eine Neuerung auf meinem Blog: Links findet ihr Fotoalben. Dort habe ich schon die Fotos vom letzten Aufenthalt in China hochgeladen und werde das in der kommenden Zeit vervollständigen, damit ihr einen besseren Eindruck bekommt. Die wenigen Bilder innerhalb des Blogs sind dann ja doch etwas wenig.
Nun erst mal Frohe Ostern, ihr werdet von mir hören/lesen!