
Ein chinesisches Sprichwort lautet: "Im Himmel gibt es das Paradies, auf Erden gibt es Suzhou und Hangzhou". Und warum man das sagt ist auch für uns nachvollziehbar. Hangzhou ist die erste Stadt in China, in der man erleben kann, dass auch Chinesen das Leben genießen können. Alles ist einen Tick entspannter und gelassener, es ist sogar üblich am West Lake zu flanieren. Hier fühlten wir uns richtig wohl!

Samstagmorgen haben wir uns zu acht (Stephan & Kristin, Claudia, Andrea, Wolf, Stefan, Lars und ich) auf die vierstündige Busfahrt in diese schöne Stadt begeben. Um die Mittagszeit kamen wir an und hatten das erste Mal einen Taxifahrer, der auch englisch sprach. Das liegt wohl daran, dass diese Stadt für den internationalen Tourismus sehr bedeutend ist. Dann haben wir in Ruhe unsere Zimmer bezogen. Wir hatten wieder mal ein abenteuerliches Hotel. An sich gar nicht mal schlecht, aber es hinterlässt schon einen Eindruck, wenn auf dem Nachttischschränkchen die Kondome liegen und auch für den Preis von 20 RMB ein frisches Höschen im Zimmer zur Verfügung steht. Keine Ahnung, ob das ein einschlägiges Hotel war, aber ihr wisst ja... Im Himmel Paradies und auf Erden Hangzhou ;-). Weiterhin fanden wir etwas seltsam, dass das Bad nur mit Glaswänden vom Rest des Raumes abgegrenzt war. Also mir und Lars hat das jetzt nicht so viel ausgemacht. Bei Wolf & Stefan und Andrea & Claudia wird das eventuell etwas anders gewesen sein. Zumal sich bei den ersten beiden die Tür nicht mal verschließen ließ. Da geht das Geschäft doch gleich dreimal so gut!

Nun also auf zur entspannten Besichtigungstour. Wir haben uns Fahrräder geliehen und sind voll guter Laune ein schönes Stück um den See gecruised. Lars hat es allerdings etwas übertrieben und in seinen roten Flitzer ein bisschen zu fest reingetreten, so dass die Kette raussprang und sich das Ganze dann in der Folge mehrmals wiederholte.


Dann haben wir uns entschlossen die Yuefei Mu Pagode zu besteigen, um aus der Vogelperspektive den Xi Hu (= West See) zu überblicken. Besteigen - dachten wir! Aber man hat dort eine ganz exklusive und natürlich voll in die Szenerie integrierte ROLLTREPPE eingebaut. Ja, genau! In der Pagode selber sind wir Fahrstuhl gefahren. Für Lars auf jedenfall das Richtige, hehe. Der Ausblick oben ist wunderschön, wenn auch kontrastreich. Der See, teilweise mit Seerosen bedeckt, mehrere Pagoden am Ufer und am anderen Ende die Skyline der Stadt.


Gegen Abend haben wir unsere Flitzer wieder abgegeben und haben uns mit unserer chinesischen Kollegin Sammy, die an diesem Wochenende auch mit ihrem Freund Andreas zusammen Hangzhou besucht hat, getroffen. Sie hatte einen Tipp, wo man gut chinensisch essen gehen kann. Auf zu Grandma's Kitchen. Mr. Fish ließ es sich nicht nehmen gegrillte Raupen zu bestellen. Allerdings fand das Sammy anscheinend widerlicher als wir. Probiert hab ich es - ist halb so schlimm, es lebt ja nicht mehr. Aber ich müsste es nicht unbedingt wieder haben. Und wenn man Huhn bestellt, bekommt man das auch, und zwar alles davon. Vom Schnabel bis zur Kralle.
Nachdem wir uns noch ein Bierchen als Absacker auf der Terrasse einer Bar genehmigt haben und sogar mit Rasseln zur aktiven musikalischen Gestaltung beitragen und die Band begleiten durften, sind wir zurück zu unserem Hotel geschlendert.

Am nächsten Morgen haben wir ein aufbauendes Frühstück bei Starbucks genossen und uns anschließend mit Stephan und Kristin, welche in einem anderen, luxeriöseren Hotel genächtigt haben, bei der Apotheke Huquingyu Tang getroffen. Dieses Anwesen schlicht "Apotheke" zu nennen ist allerdings tiefgestapelt. Hier findet man nicht nur einen Verkaufsraum, in dem vor den Augen der Besucher die Arzneien nach Rezept individuell gemischt werden, sondern fast schon einen Palast. Ein mehrhöfiger Bau mit vergoldeten Holzschnitzereien, Innenhöfe, in denen Heilpflanzen wachsen und ein angeschlossenes Apothekenmuseum sprechen für sich. Dieser Ort hat mich wirklich beeindruckt. Das ist China. Das ist, was ich mir darunter vorstelle und viel zu selten erlebe. Die Gerüche, die Ruhe. Ein Traum.

Ausgeglichen und voller innerer Ruhe sind wir am Nachmittag wieder Richtung Nanjing aufgebrochen, zurück in den Trubel. Vielleicht fahren Lars und ich mal wieder mit dem Auto hin, eine weitere Reise ist Hangzhou sicher wert, da wir lang nicht alles erkunden konnten und diese Stadt ein herrliches Fleckchen zur Erholung ist.
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