Montag, 16. Juni 2008

Baijiu Farewell Session

Heute hieß es Zai dien sagen: Ingolf, mein Abteilungsleiter verlässt China und widmet sich neuen Aufgaben in Kroatien. Aber bis dahin muss man hier erst mal eine unglaublich heftige Farewell-Party überstehen! Unbelievable! Was das heißt?! Dazu später mehr, im Grunde dreht sich alles ums Trinken. Eine ähnlich wichtige Rolle, zumindest für die Chinesen, spielt das Essen. War nicht besonders gut, aber auch nicht schlecht. Ein Highlight jedoch war, dass die Chinesen an unserem Tisch Claudia und mir beigebracht haben Erdnüsse geschickt mit Stäbchen zu essen. Mit dem ersten Level waren wir schon vertraut: Eine Erdnuss aufnehmen und verknuspern. Zweites Level war schon schwieriger. Zwei Erdnüsse übereinander mit den Stäbchen aufnehmen und damit bis zum Mund gelangen. Das dritte Level erfordert schon viel Geschicklichkeit. Zwei Erdnüsse nebeneinander aufnehmen und diese bis zum Mund balancieren. In Germany we say: Don't play with the food! Aber die Chinesen hatten echt eine Freude daran uns das zu lernen und uns dabei zu beobachten. Danach haben wir gefragt, ob wir jetzt dafür eigentlich eine Auszeichnung bekommen. Und uns wurde zugestimmt! Der Kollege, der das ganze angestiftet hat, bekam auch gleich einen Spitznamen von uns: Er wurde auf Mr. Peanut Certificate getauft. Wahlweise auch Herr Erdnuss Zertifikat. Ich finde, ein schicker Name, klingt rund wie 'ne Erdnuss. Leider haben wir den Wisch bis heute noch nicht erhalten, aber jedesmal wenn wir Mr. Peanut Certificate sehen denken wir daran. Ihr könnt daheim auch schon mal üben so die Erdnüsse vorm Fernseher zu verputzen, weil es diesen Contest mit Sicherheit mal bei einer Feier geben wird, wenn Lars und ich beide wieder zurück in Deutschland sind!
Aber jetzt zur Trinkerei. Mit jeder Runde, mit jeder Abteilung, mit jedem, der Ingolf dankte und alles Gute wünschte, sei es allein oder in der Gruppe, musste er Baijiu "Gan bei" - auf ex trinken (Gan bei, wörtlich trockenes Glas), das schrecklichste Gesöff, dass die Welt je gesehen hat. Baijiu ist ein Schnaps aus Weizen und hat ca. 55 % Alkohol. Er schmeckt nach Schuhsohle, und zwar noch nach 3 Tagen. Ich hab es ausprobiert, ich habe nur 2 oder 3 kleine Gläschen getrunken, um mal mitreden zu können. Nicht empfehlenswert. Man hat das Gefühl tagelang noch darauf aufzustoßen und aus jeder Pore danach zu riechen wie ein Sprittie. Und den Magen verdreht es einem auch für ca. eine Woche.
Nachdem ich mich zum Thema Baijiu in Wikipedia belesen habe, weiß ich jetzt auch, dass Henry Kissinger den Schnaps angeblich mit Kerosin verglichen hat, was ich eindeutig nachvollziehen kann. Weiterhin soll Baijiutrinken Männersache sein, und Frauen, die ihn trinken leicht in Veruf moralischer Verkommenheit geraten. Na da haben wir uns ja was angehandelt...
Ingolf hat sich lange standhaft dagegen gewehrt und immer mit seinem Autoschlüssel gewunken, von wegen er müsste noch fahren. Aber nach 2 Jahren China kann man das halt nicht bringen, das wird einem übel genommen. Das käme einer Beleidigung gleich.
Und so vollzog sich der Abend, für uns als Gäste sehr amüsant, da man quasi den Prozess - so will ich es mal nennen - zwischen erstem und letztem Glas eindeutig verfolgen konnte.
Weitere Kommentare diesbezüglich erspare ich mir. Nur eins - ich hab ein bisschen Angst, wenn ich an Lars' Farewell denke...
Aber die Kollegen hatten ein wirklich schönes Programm organisiert. Ingolf bekam ein T-Shirt mit Fotos von allen TE-Mitarbeitern darauf, sogar ich bin verewigt. Eine gut aufbereitete Powerpoint Präsentation lief mit den witzigsten und schönsten Bildern von ihm in China und ein Zauberer und ein Maskentänzer, der innerhalb von Sekundenbruchteilen die Masken gewechselt hat, haben zur Unterhaltung beigetragen.

Keine Kommentare: