Montag, 21. April 2008

Hawaiihemd und Jingle Bells

Nachdem wir uns am Mittwochabend direkt nach der Arbeit noch mal in der Kantine gestärkt haben, ging es mit zwei Company-Bussen los zum Flughafen. Das Company Outing verschafft uns 4 Tage auf der sonnigen Ferieninsel Hainan, dem Bali Chinas. Auf unserem Trip in die Berge letztes Wochenende habe ich mich richtig gescheit erkältet. Durchgeschwitzt stehenbleiben, um den Puls zu normalisieren führt eben zur Abkühlung und gegebenenfalls wie bei mir zu einer Erkältung. Deswegen bin ich auch direkt nach der Ankunft in unserem 5 volle Sterne Hotel geschafft ins Bett gefallen, während die anderen noch den beginnenden Urlaub mit ein paar Bierchen zelebriert haben.

Am darauffolgenden Tag hat sich mein gesundheitlicher Zustand Stunde um Stunde verbessert. Die vorallem saubere Meerluft hat mir richtig gut getan. Bei unserem Ausflug to the "End of Heaven" haben wir uns eine Kokosnuss ausschlürfend über die im Partner-Hawaii-Look herumlaufenden Chinesen amüsiert, aber das Lachen sollte uns noch vergehen.

Am Abend brachte es unser Reiseveranstalter tatsächlich fertig auch für unsere Gruppe diese hervorglänzenden, ganzkörperverstümmelnden Anzüge auszuteilen. Das charmante an diesen Dingern ist nicht mal das penetrante Jucken auf der Haut, und auch nicht der augenreizende Aufdruck, sondern dass man die Größe sichtbar außen an der Kleidung angebracht hat. Da es eh jeder lesen konnte, kann ich's ja hier auch schreiben: in China trage ich XXXXL. Also mit meinem Hinweis in Richtung Rainer Calmund in meinem letzen Posting war ich ja schon auf der richtigen Spur. Balsam für die Seele...

Unser Welcome Dinner direkt hinter der Strandpromenade unter freiem Himmel begann mit einer Schlägerei irgendwelcher Möchtegernrambos. Nur gut, dass gleich einige Polizisten zur Stelle waren, die das Rechtliche geklärt haben. Als wir so gut wie fertig waren mit dem Essen, lag der Geschädigte immer noch an der gleichen Stelle und rührte sich nicht. Hauptsache es wurde alles protokolliert.

Weiter ging es mit dem Unterhaltungsprogramm. Abwechselnd traten einige engagierte Künstler auf, Mitarbeiter von SNC sangen (freiwillig!) Lieder, deutsche Kollegen dachten sich belustigende Partyspiele aus, die kein Chinese so richtig verstanden hat und es fand eine Verlosung statt, bei der ich tatsächlich eine Saftpresse gewonnen hab.
Das Highlight dieses Abends hat mich fast vor Lachen umgebracht. Da kommt echt ein "Künstler" mit einem Blatt (vom Baum) im Mund auf die Bühne und fietschelt irgendwas chinesisches daher. Als ich fast keine Luft mehr gekriegt hab, teilt dieser Scherzkeks an alle solche Blätter aus, quietscht dabei Jingle Bells und fordert uns auf mit einzustimmen.
Jetzt stellt euch mal vor, wie ihr reagieren würdet, wenn Mitte April jemand zu euch kommt und unter Palmen auf 'nem Blatt Jingle Bells spielt. Ja, genau, es war etwas surreal.

Der darauffolgende Tag begann mit einem Strandspaziergang, bei dem wir das merkwürdige Verhalten chinesischer Großstädter, die das erste Mal am Strand sind, beobachten konnten. Erst mal wollten sie sich alle mit uns fotografieren lassen. Ich weiß nicht wie oft wir angesprochen wurden, wir haben bestimmt 5 oder 6 Gruppenbilder auf unserer Reise mit aufgeregten Chinesen gemacht.
Strandurlaub genießen auf chinesisch sieht so aus: Im Normalfall lässt sich die Frau ein bisschen das Wasser um die Knöchel spülen und post mit Schirm während der Mann die Fotos davon macht. Wenn jemand ins Wasser geht, dann entweder erwachsene Chinesen mit Schwimmringen (Variation: Schwimmring mit Tierchen dran), maximal hüfttief oder die ettlichen Russen, von denen Sanya lebt. Jedes Magazin ist auch russisch angeschrieben. Lars hat unser Eis auf russisch bestellt und auch ein kühles Baltika Bierchen reingelassen.

Die Busfahrten waren auch interessant. Um mal den Sitzabstand zu beschreiben: Die Lehne vor mir hätte sich etwa 10 cm über meinem Knie befunden, wenn ich mich nicht irgendwie schief reingequätscht hätte, und das ist nicht übertrieben. Außerdem hat der chinesische Reiseleiter ohne Punkt und Komma Rhabarber gelabert. Was anderes hab ich auch nicht verstanden. Nur Rhabarber. Wei, ni hau. Hade, hade, hade. Niggeeee... Xiexie, zai dien! Ist leider alles, was ich verstehe. (Hallo, guten Tag. Richtig, richtig, richtig. Ääääh... Danke, tschüss!)

Mittags gingen wir in ein stinkiges 4 Sterne Restaurant, in dem ich nur das gegessen habe, wo ich hohe Magen-Darm-Verträglichkeit vermutet habe, d. h. überwiegend Reis. Wie sich später rausstellte, hat sich dort ein Mitreisender unserer Gruppe eine Seafood-Vergiftung geholt und wurde im Krankenhaus mit Infusionen wieder aufgepeppelt. Überrascht hat's mich nicht.
Am Abend stand Barbecue auf dem Programm. War richtig lecker. Man kann sich frisch das raussuchen und zusammenstellen, was einem beliebt, macht eine Klammer mit Nummer an den Teller und holt sich nach 10 min das fertig Gegrillte wieder ab. Schöne Idee.

Als wir am nächsten Tag Mittag wieder in dem 4 Sterne Stinkerestaurant "versorgt" werden sollten, hat sich der gesamte Bus geweigert auszusteigen. Infolge der Anordnung von ganz oben wurden wir in die Innenstadt von Sanya gekarrt und haben uns dort auf KFC und Maidanlo (McDonald's) aufgeteilt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sag: Aber da weiß ich wenigstens, dass ich was Gesundes bekomme. Wenn man das allerdings in diesem Zusammenhang sieht, ist echt was Wahres dran.

Unseren Hainan-Aufenthalt schlossen wir mit einem Ausflug auf West-Island ab. Ein wenig verärgert über die lückenhafte Kommunikation mit uns Deutschen, die zur Folge hatte, dass wir nicht auf einen Strandtag eingestellt waren und unsere Badekleidung im Koffer war, weil der Flug heute zurückgeht, sind wir in einem Schnellboot zur Insel gebrettert, im wahrsten Sinne des Wortes.

Da es dort nichts weiter anzuschauen gibt, als den wirklich traumhaften Strand, haben wir es uns in einer kleinen Hütte bequem gemacht und den Ausblick genossen.
Doch plötzlich hat sich ein schreiend telefonierender Chinese in unserer Hütte breitgemacht. Als wenn das nicht schon genug der Ruhestörung wäre, hat der Typ es geschafft das zu toppen. Dann und wann hob er offensichtlich die Arschbacke, entspannte seine Gesäßmuskulatur und ließ mit einem knatternden Geräusch etwas gewaltig stinkendes entfleuchen. Welcome in China!

Da ihr ja auch immer besonderes Interesse an unseren kulinarischen Erlebnissen habt, gibt es hier ein weiteres aufzuführen.
Da nun essenstechnisch alle skeptisch waren, wurde entschieden, dass die Frau des vergiftungsgeplagten Mannes im ausgewählten Restaurant erst mal schaut, ob es soweit passt. Grünes Licht, 4 Sterne scheinen für chinesische Verhältnisse verdient zu sein. Also beide Busse rein in das Restaurant. Wir sind gerade alle zufrieden am Essen, als plötzlich immer mehr aufstehen und sich um einen Tisch versammeln. Ein Mädchen rennt mit vorgehaltener Hand Richtung Toilette, Gewühl, Entsetzen. Was ist da bloß los?
Wir werden aufgeklärt. Der Koch hatte eine besondere Delikatesse vorbereitet. Vorgekauter Kaugummi in Suppe gegart. Das arme Mädel hat das in der trüben Suppe nicht gesehen und das Corpus Delikti schon im Mund gehabt. Mich hätte es auch gehoben. Wäre das an unserem Tisch in der Suppe gewesen, wäre es gar nicht aufgefallen, weil die bei uns Deutschen nie gegessen wird. Aber es war anders. Das Essen war abrupt beendet und ein weiterer Besuch bei Maidanlo stand an.

In der Nacht ging der Flieger wieder zurück nach Nanjing. Wir waren gegen 5:30 Uhr im Bett, weil wir aufgrund eines nichtmitfliegenden Passagiers, das Flugzeug kurz vor Start noch mal verlassen mussten während eine Sicherheitskontrolle durchgeführt wurde und wir draußen auf dem Rollfeld warten mussten und dadurch Verspätung hatten.
Dennoch waren wir heute 11 Uhr auf Arbeit.
Sanya, wieder eine anderes Gesicht Chinas! Ich hatte interessante und im Großen und Ganzen erholsame 4 Tage.