Gegen 5 Uhr morgens wurden wir dann von der Zugbegleiterin "geweckt" und von unserem Tour Guide Simon abgeholt, der schon im Deutschland-T-Shirt auf uns gewartet hat. Dann wurden wir in einem Minibus zu seinem Restaurant gefahren. Bei einem stärkenden Frühstück (ich hab nicht mal einen seiner Pancakes geschafft, obwohl ich riesigen Hunger hatte) hat er mit uns abgesprochen, welche Route er uns empfiehlt.
Auf, du junger Wandersmann... Trallala... Ach du sch... Ächz, keuch, hust, japs... Zweehunnord Buls hab isch... Bald! Ach nee, wie jetzt, der ganze Weg besteht aus Treppen? Also wenn ich das vorher gewusst hätte...
Natürlich wusste ich vorher, dass das ganze kein Spaziergang wird, aber wenn man so nach 100 m Treppensteigen realisiert, dass man eigentlich nicht ganz die passende Kondition dafür hat, wirds einem bisschen komisch. 12 km, nur Treppen. Ich hab mich gefühlt, wie Hape Kerkeling auf dem Jakobsweg. Nachdem ich etwa mit einer Kondition von Rainer Calmund und einem Rucksack voller Kieselsteine und Jamie mit einer Kondition wie David Beckham und einem Rucksack mit 'nem Taschentuch drin unterwegs war, hab ich irgendwann auch dankbar das Angebot angenommen die Rucksäcke zu tauschen.
Irgendwas zwischen 5 und 6 Stunden haben wir bis nach oben gebraucht. Ihr zu Hause denkt wahrscheinlich wir haben 'nen Spinnie laufen, uns eine solche (Tor-)Tour anzutun. Aber ich sage euch, es ist mehr als nur ein Erlebnis.
Und hier die Inclusive-Leistungen unserer Luxussuite:
* Raum mit Blick... (wohin weiß ich auch nicht, hatten kein Fenster)
* eine Portion Schimmel und Muff extra
* Gastfreundschaft (kein Schlüssel fürs Zimmer!)
* 3 quietschende Doppelstockbetten
* die Absonderungen der Vorgänger auf der Bettwäsche
* spezielle Gastfreundschaft (Tierchen im Bad)
* einmal duschen in Socken
* einmal duschen in Socken
Dazu sag ich nur folgendes: Yippieayo, zählt mal durch, ich bin für 7 Sterne! Aber so wie ein unkonditionierter Körper es schafft sich 12 km die Treppen hochzuquälen, so stumpft auch das Hygieneempfinden einer Mitteleuropäerin ab. Nicht, dass ich ein gepflegtes Bad nicht mehr schätze. Wenn ich hier irgendwo eine schöne, saubere Toilette finde, könnte ich mich plötzlich Stunden darin aufhalten, aber wenn es einfach keine andere Möglichkeit gibt... Was willste machen. Nicht drüber nachdenken und direkten Boden-/Kloschüsselkontakt vermeiden. Auch hier gibt es Parallelen zu Hape Kerkeling...
Gegen Abend ist allerdings der Himmel wieder komplett zugezogen, so dass wir nicht den Sonnenuntergang beobachten konnten. Also haben wir in unserem Luxushotel noch etwas gegessen, was auch tatsächlich ganz gut geschmeckt hat und sind ganz zeitig erschöpft in die instabilen Betten gefallen.
Am nächsten Morgen ging's früh raus, da wir wenigstens den berühmten Sonnenaufgang sehen wollten. Aber auch da hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Also los zum Abstieg.
Abstieg, hallo, Aaabstieg? Verdammt, warum geht es hier eigentlich immer nur bergauf? Ich hab das Gefühl, dass wir 1/3 des Weges weiterhin Treppen hochsteigen. Und dann endlich, geht es an (ungesicherten!) Wahnsinnsschluchten entlang doch bergab.
Also gar zu wackelige Füße darf man da nicht bekommen. Ich muss sagen, die Blicke hinab fand ich unglaublich beeindruckend, aber es hat mir jetzt nicht wirklich Angst gemacht. Ich habe aber höchsten Respekt vor unserem höhenängstlichen Stefan, der bei diesen schmalen Wegen am Abgrund wirklich zu kämpfen hatte.
Also gar zu wackelige Füße darf man da nicht bekommen. Ich muss sagen, die Blicke hinab fand ich unglaublich beeindruckend, aber es hat mir jetzt nicht wirklich Angst gemacht. Ich habe aber höchsten Respekt vor unserem höhenängstlichen Stefan, der bei diesen schmalen Wegen am Abgrund wirklich zu kämpfen hatte.
Wieder Stufe um Stufe... Wir sind angekommen und ich kann es kaum glauben, dass ich jetzt meine Füße ausruhen darf. Wir fahren zu fünft in einem Taxi zurück zu Simon und werden mit einem exzellenten Mittagsmahl verköstigt. Geschafft und zufrieden setzen wir uns in den Bus, der uns zurück nach Nanjing bringt.
Ein Höllenritt, sag ich euch! Stephans GPS-Gerät ermittelt ca. 90 - 100 km/h, mit denen der Busfahrer durch die Orte braust. Wir waren fast alle schon ein wenig eingenickt als plötzlich das Unvermeidliche geschieht. Eine Person wollte die Straße überqueren und wir durften alle miterleben, dass die Bremsen gerade noch gut genug waren. Ich saß übrigens hinten in der Mitte. Noch ein bisschen kräftiger und ich wär ein nettes Geschoss geworden. Später haben wir festgestellt, dass es sogar einen Gurt gibt. Allerdings war der Sitz locker und der Gurt nur am Sitz befestigt. Sowas nennt man auch Schleudersitz. Die chinesische Lösung eben.
Zuhause angekommen habe ich mich ohne Bedenken auf die Klobrille gesetzt, genüsslich in einem sauberen Bad meine Körperpflege vollzogen, noch was gegessen und bin wie ein Stein ins Bett gefallen.
Nach tiefem, traumlosen Schlaf bin ich aufgewacht und habe schon den ganzen Tag das Gefühl von der Hüfte abwärts nur noch zwei verhärtete Muskeln zu haben: linkes Bein und rechtes Bein. Der einzige Trost: auch die anderen sind heute bisschen komisch gelaufen.
Yellow Mountain: ein eindrucksreiches Wochenende, das ich körperlich und seelisch erst mal verarbeiten muss. Es ist kräftezährend und dennoch würde ich es jedem empfehlen, der sich irgendwie dazu überwinden kann den Weg auf sich zu nehmen.


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