Samstag, 29. März 2008

Ein Samstag in Nanjing

Unser heutiges Erlebnis: einmal mit dem Fiat durch die Waschstraße, weil ich mich beschwert habe, dass ich mich jedesmal beim Ein- und Aussteigen schmutzig mache. Kein Wunder, wenn man sein Auto quasi seit dem Kauf nicht gereinigt hat, gerade hier!

Das System ist sichtbar antiquiert und nicht sonderlich effektiv, weswegen das Fahrzeug auch nach der Waschstraße noch eine Spitzennachbehandlung von 6 Chinesen bekommt. Das war unsererseits zwar nicht so gedacht, weil wir wirklich nur mal schnell durchfahren wollten, aber gut... Die haben alles gereinigt: innen, außen, den Einstieg, sogar im Motorraum haben sie rumgefuddelt. Dann mussten wir rein in das Gebäude zum bezahlen. Dort gehörte dann auch ein "You're very beautiful" zum Service. Und das Ganze für umgerechnet 2 €. Das werde ich vermissen, wenn ich in Deutschland wieder zur Waschbox fahre. Niemand, der mir sagt, wie toll ich aussehe...

Am Abend waren wir bei Nader und Katrin zum Entenessen eingeladen. Ich bin zwar noch nicht so lang von Deutschland weg, dass ich schon so richtig Gibber auf ein typisch deutsches Essen gehabt hätte, aber das Rotkraut, die grünen Klöße und Wickelklöße waren schon was feines. Außerdem haben wir bei dieser Gelegenheit Susan und Jim aus Denver, Colorado kennenglernt. Die beiden sind mit ihren Kindern seit ca. einem halben Jahr in Nanjing und es war auch sehr interessant die amerikanische Sicht auf die chinesische Welt kennenzulernen. Im Großen und Ganzen ist es aber die gleiche, die wir Europäer hier haben. Es ist auch einfach unheimlich schwer sich in einem Land zu integrieren, welches eine so grundsätzlich verschiedene Kultur und Geschichte hat als wir sie haben. Manche würden vielleicht behaupten "Welche Kultur? Chinesen haben keine Kultur", aber so weit würde ich nicht gehen. Susan hat aber ein gutes Beispiel gebracht: In den USA gibt es in jeder Stadt ein China Town Viertel, aber nirgendwo auf der Welt findet man Germany Town, Italy Town, France Town oder America Town. Das zeigt eben, dass es kaum eine Möglichkeit der Integration gibt.

Susan hat einen leckeren, typisch amerikanischen Kuchen mitgebracht, wie man ihn auch oft in Serien sehen kann. Mir kam das jedenfalls sehr bekannt vor. Sie fragte mich auch, wo ich englisch gelernt habe, weil sie bei mir kaum einen Akzent hört. Das liegt dann wohl an den vielen amerikanischen Serien, die ich im Original schaue. Hat das also doch zu mehr als nur zur Berieselung gedient.

Gegen 10 haben wir uns dann noch mit Stephan, Claudia, Uwe, Sammy, Stefan, Jamie und Nader in einer Kneipe mit Live Rockmusik getroffen. Aber das hat sich irgendwie wie Vergewaltigung an meinen Ohren angehört. Danach sind wir noch auf ein paar Bier mit Nader und Jamie in die Castle Bar. Als wir dort raus sind, stand wie so oft ein Bettler mit einem Pappbecher vor dem Eingang, hat mich zugefaselt und dabei noch mal richtig schön rumgerotzt. So leicht angeschüsselt, wie ich war, hab ich dann nur leicht verärgert gesagt "Wennde noch'n bissl so weitermachst, rotz ich dir ooch in deinen Pappbecher". Ehrlich gesagt fällt mir auch im nüchternen Zustand nichts anderes dazu ein. Das Tolle ist, man kann ja wirklich geraderaus sagen, was man denkt, verstehen können sie einen sowieso nicht. In dem Fall ein Vorteil, aber oft ein Nachteil.
Daheim gab's dann um 3 Uhr früh das vorgezogene Katerfrühstück mit Brot und russischem Käse.