Sonntag, 30. September 2007

Mein zweites Ich - ein mobiler Kürbis

Gerade erst zurück aus China, habe ich in Gera auf der BUGA (Bundesgartenschau) mein zweites Ich entdeckt. Ich habe überraschenderweise herausgefunden, dass ich ein mobiler Kürbis bin... Na ja, warum auch nicht...

Na, die kommen mir auch bekannt vor. Wie man sieht, musste ich mich auch kleidungstechnisch ganz schnell den hiesigen Wettergegebenheiten anpassen. Die Kälte war eine ganz schöne Umstellung.

Donnerstag, 20. September 2007

Home, sweet home

Der gestrige Start in den Tag ließ nur eine Annahme zu: Die wollen mich loshaben. Noch immer regnete es Bindfäden und es trat das ein, was ich schon befürchtete. An einem verregneten Morgen um 7:15 Uhr, wenn alle auf Arbeit wollen, ist es auch nicht leichter ein Taxi zu bekommen. Nachdem ich 20 Minuten erfolglos mit meinem Köfferchen am Compound-Eingang stand, ging ich auf einen der Guards zu und fragte ihn auf englisch, ob es ihm möglich wäre, mir ein Taxi zu rufen, worauf er nur kopfschütteltnd "No, no, no" sagte. Toll, hab ich auch noch einen erwischt, der kein englisch kann. Bis auf "no" jedenfalls, damit kann er ja nichts falsch machen... Dann kam ein Chinese hinzu, der auch im Compound wohnt und fragte mich, ob er mir helfen kann. Ich erklärte ihm, dass ich dringend zum Flughafen muss und ob der Guard mir ein Taxi rufen kann. Er dolmetschte und teilte mir mit, dass man kein Taxi rufen könne, aber der Guard mir helfen würde ein Taxi zu bekommen. Ha ha, was will der auch mehr machen als seine Hand heben, das kann ich auch selber. Nach gut einer halben Stunde nervösen Wartens, hielt doch tatsächlich einer an. Der Fahrer stieg aus und es ging eine lebhafte Diskussion zwischen ihm und dem Guard los. Ich wusste natürlich wieder mal nicht was abgeht und stand immer noch bedröppelt mit meinem Koffer dort. Wieder kam irgendein Chinese hinzu und lachte. Ich hab mir schon ausgemalt, dass die sich absprechen, wie sie mich am gescheitesten abzocken können. Der Chinese zeigte immer auf das Autokennzeichen. Ich fragte: "Is there any problem?", "No, no. No problem, hehe!" Ganz geheuer war mir die Situation nicht, aber die Zeit bis zu meinem Abflug wurde auch nicht länger. Also hab ich den Taxifahrer mal auf deutsch Feuer gemacht und ihn angelabert, dass er jetzt endlich mal seinen Kofferraum aufmacht, damit's mal vorwärts geht. Hilft übrigens meistens, wenn sie einen nicht verstehen, einfach ein bisschen auf deutsch rumquarken. Die Mimik können sie dann schon irgendwie deuten.

Lars hatte mich gewarnt, dass der Taxifahrer ihn auch schon am Sonntag bescheißen wollte. Die wollen gern die Hin- und Rückfahrt abrechnen, als würden sie vom Flughafen niemand mehr mitnehmen. Gut ist es einen Fotoapparat zur Hand zu haben. Damit kann man das Kennzeichen und seine Lizenz im Auto fotografieren und die Polizei benachrichtigen. Wenn man damit droht, werden sie meistens zahm. Ich hatte mir aber wieder meine Dackelblick-Strategie zurecht gelegt. Diese habe ich auch angewendet. Er wollte zwar nicht die Hin- und Rückfahrt abrechnen, dafür aber die Maut zweimal. Daraufhin habe ich ihm gezeigt, dass ich nicht mehr dabei habe und ein bisschen traurig geschaut. Danach sah zwar er mehr nach Dackel aus als ich, aber was wollte er machen.

Von Nanjing nach Beijing lief alles planmäßig und ich war auch relativ ruhig, weil ich ja nun die Flughäfen und Abläufe schon kannte. Leider sind wir von Beijing mit einer Stunde Verspätung abgeflogen, da sich jemand mal so eben kurzfristig entschlossen hatte, doch nicht mitzufliegen und man den Koffer wieder aus der Maschine raussuchen musste. Der Langstreckenflug war auch halbwegs erträglich, auch Dank eines angenehmen Gespräches mit einem Geschäftsmann von Diehl, der sich zur gleichen Zeit die Beine vertrat wie ich. Das war sehr aufschlussreich, da auch er die Eindrücke, die ich von der Arbeitskultur der Chinesen gewonnen hatte, bestätigte. Dieses Mal gab es tatsächlich auch Frühsport mit der chinesischen Brigitte, und übrigens nicht mit Erika, wie ich fälschlicherweise in einem früheren Bericht schrieb. Keine Ahnung wie ich darauf kam. Klingt für mich aber genauso lustig *g*.

Mit einer halben Stunde Verspätung setzte ich nach 5 Wochen endlich wieder meine Füße in Frankfurt auf deutschen Boden! Somit hatte ich noch eine Stunde zum Umsteigen und das war, wie sich rausstellte, äußerst knapp. Frankfurt war was die Handgepäckkontrolle anging eine Katastrophe. Nachdem man ja Anfang September den geplanten Anschlag erfolgreich abgewendet hat, machen die Beamten ihre Arbeit wirklich ganz genau, und das braucht Zeit. So nervig es auch ist, man fühlt sich zumindest relativ sicher.
Nun hatte man Gummibänder aufgestellt, um die Ordnung beim Anstellen zu waren. Da die Leute aber doch ziemlich ungeduldig sind, wurde gedrängelt und sich auch mal über die Gummibänder gebeugt, sodass diese Absperrungen einrissen, meines Erachtens eher unabsichtlich. Daraufhin strömten natürlich viele Leute nach vorn, zum Nachteil anderer, die schon ewig anstanden. Für diesen Fall hat man aber vorgesorgt, denn dafür hat man einen laufenden Meter Flughafen-Beamtin, die eigentlich das Problem beheben könnte, indem sie einfach wieder die Gummibänder einhängt. Aber nein, die stand nur da, hat gejammert und sich bei den Kollegen, die damit nichts zu tun haben, beschwert: "Die Leute sind so rücksichtslos *heul*. Die reißen mir hier immer alles ein *heul*. Ich schaff das nicht allein *heul*." Meine Herren, in China kann da ein halber Meter stehen, der kriegt 'ne Trillerpfeife in die Hand und das bisschen Autorität würde derjenige auch voll ausleben. Da würde aber jeder wissen, wo er zu stehen hat.
Außerdem filmte so ein Depp in diesem Bereich, obwohl ausdrücklich ausgewiesen ist, dass im Security Bereich das Filmen und Fotografieren verboten ist. Der legte sich noch gepflegt mit einem Beamten an, der ihn anwies das Band sofort zu löschen. Das verweigerte er aber auch bei der Androhung des Einschaltens der nächsten Instanz. Immer Action am Flughafen. Plötzlich wurde auch der kleine Gartenzwerg von Flughafen-Beamtin wieder wach und rief zu einer Kollegin: "Guck mal, guck mal, der wird jetzt festgenommen!"
Plötzlich riss auch neben mir so eine Absperrung ein und ich wurde nach vorn geschoben. Ich habe mich zugegebenermaßen nicht wirklich dagegen gewehrt. Der Zeiger auf der Uhr hat mir auch Angst gemacht, viel Zeit hatte ich nicht mehr. Auf einmal spricht mich ein jüngerer Typ an: "Are you sure that's fair?" (Sind Sie sich sicher, dass das gerecht ist?), worauf ich sagte: "Are you sure you wouldn't do it?" (Sind Sie sich sicher, dass Sie es nicht auch tun würden?"). Im ersten Moment hat er mich angeguckt wie ein Eichhörnchen. Ertappt, da war der Finger wohl in der Wunde gelandet. Er fing sich: "You're German, aren't you?" (Sie sind Deutsche, richtig?). Ich: "That doesn't matter, I'm coming from China, I adapted to this mentality" (Das spielt keine Rolle, ich komme gerade aus China und habe mich dieser Mentalität angepasst). Hallo? Diese Anspielungen auf mein Gewissen trafen mich irgendwie nicht. Das muss in China irgendwie abgestumpft sein.
Ja was denn, ich war mir schon bewusst, dass es nicht gerecht ist. Wär ich jedoch nicht mit dem Strom geschwommen, hätte ich hundertprozentig den Flug verpasst. Man könnte auch sagen, das Einreißen der Absperrung war ein Zeichen von oben, gelle Mutti *g*? Oder wie Doreen meinte: Ich hätte ja nur aktiv angestanden, hihi! Nachdem man auch noch mein Notebook zur zufälligen Spezialkontrolle ausgewählt hatte, was noch mal länger dauerte (Ich sagte nur zu der Beamtin, dass ich ja Glück hätte, wenigstens noch 10 Minuten bis zum Abflug haben) hab ich ratzfatz alles wieder eingepackt und bin zu meinem Gate gerast, wo schon Last Call, der letzte Aufruf zum Boarding war. Die nette Dame dort hat sich sehr gefreut, dass ich es doch noch geschafft habe, weil ich die Letzte war und der Bus nur noch auf mich wartete. Gott sei Dank, ich hatte es geschafft, mir ging echt die Düse.
Völlig geschafft kam ich dann nach einem kurzen Flug in Nürnberg an und musste feststellen, dass dem obwohl betagten, aber schönen Samsonite-Koffer von Lars eine Rolle fehlte, was wir auch gleich reklamierten. Und tatsächlich, man zahlte uns nach Abgabe des kaputten Koffers die Hälfte des Neupreises aus. Das ging ja mal wirklich unkompliziert!
Home, sweet home! Der Straßenverkehr - endlich wieder geordnet, die Luft - endlich wieder rein, die Menschen - endlich wieder berechenbar!

Dienstag, 18. September 2007

Wollt ihr mich loshaben?

Nachdem ja Lars aus beruflichen Gründen schon am Sonntag zurück nach Deutschland geflogen ist und am Freitag mein letzter Arbeitstag war, hatte ich noch zwei Tage zur freien Verfügung. Gestern habe ich mich mit Tina in der Stadt verabredet. Das war ein Spaß! Erst mal habe ich ja kein Handy, was ziemlich schlecht ist, wenn man sich in so einer großen Stadt nicht auskennt, weder die Sprache spricht, noch irgendetwas lesen kann. Aber es war ja schon mal ein Fortschritt herauszufinden, welche Festnetznummer Lars in der Wohnung hat. Das habe ich mithilfe von Tina geschafft, indem ich sie einfach auf Arbeit angerufen habe und sie mir die Nummer sagte, die bei ihr übertragen wurde.

Also ab ins Abenteuer: Das erste Mal allein Taxi fahren in China, ohne Netz und doppelten Boden. Das heißt ohne Handy *g*. Ja, ich gebe zu, ich hatte einen Spickzettel. Mit einer Art Visitenkarte, auf dem Wal-Mart auch in chinesischen Zeichen stand, stieg ich ins nächste Taxi, ließ mich vom Taxifahrer auslachen (der hat wohl noch nie eine Langnase mit Visitenkarte gesehen) und bin dann an den Ort meines Wunsches gebracht worden. Tina kam kurz nach mir an und dann haben wir das Fashion Lady unsicher gemacht. Dort gibt es alles was Frau liebt und Mann hasst, deswegen geht man dort auch ohne Mann hin *g*. Unmengen von Schmuck, Tüchern, Geldbörsen, Taschen und Gürteln warten auf einen. Auch dort habe ich ein paar schöne Mitbringsel erstanden. Tina hat mit ihren chinesischen Verhandlungskünsten wirklich gute Preise rausgeholt. Jedoch wird es mir schwerfallen zu entscheiden, von welchen dieser Schmuckstücke ich mich trennen kann. Danach haben wir den Abend noch schön im Starbucks ausklingen lassen.

Fashion Lady hat mich so sehr fasziniert, dass ich mich heute dazu entschloss, noch einmal hinzufahren. Schmuck kann man ja nie genug haben. Hat alles sehr gut geklappt, bis ich gegen 17:30 Uhr feststellen musste, dass es unmöglich ist zur Rush Hour bei strömendem Regen ein Taxi zu bekommen. Praktisch, wenn man wenigstens in FlipFlops unterwegs ist. Warm genug ist es ja, trotz Regen. Mir blieb nichts anderes übrig als heimzulaufen. Toll, das ist nun mein Abgang, die wollen mich wohl echt loshaben, dachte ich mir, als ich auch noch ständig von Autos mit Pfützen-Dreck-Pampen-Wasser durchnässt wurde. Die Dusche danach daheim war umso schöner.

Tongli - Venedig Chinas

An unserem letzten gemeinsamen Wochenende in China haben wir einen Tag in Tongli, dem chinesischen Venedig, verbracht. Die Betonung liegt auf chinesisch. Aber für die dortigen Verhältnisse ist das beschauliche Städtchen wirklich idyllisch. Mit Venedig hat es allerdings nur die Kanäle gemeinsam.

Das Herzstück der Stadt ist der berühmte Tuisi-Garten (Garten zur tiefen Besinnung) klassischer chinesischer Art. Er ist relativ klein aber ganz zauberhaft mit einem Teich, der von altehrwürdigen Bäumen, klassischen Pavillons und bizarren Gesteinsgruppierungen umgeben ist und in dem sich zahlreiche Goldfische tummeln.


Anschließend sind wir mit einem Schiff zu einer Insel gefahren, auf der wir ein buddhistisches Kloster besichtigt haben. Dort habe ich das erste Mal das gefunden, was ich immer in China gesucht habe: einen Ort der Ruhe, der Besinnung und der inneren Ausgeglichenheit. Überall waren goldene, meist lachende Buddhastatuen, Räucherstäbchen brannten und buddhistische Mönche liefen in den typischen Kutten umher. Ich bedauere sehr, dass gerade dort der Akku des Fotoapperates den Geist aufgegeben hat. Dort begegnete ich allem, was ich mir immer unter der bezaubernden chinesischen Kultur vorgestellt hatte.

Als wir an der Anlegestelle auf das Schiff zur Rückfahrt warteten, trank ich noch in Ruhe etwas Cola aus einer Plastikflasche, was eine ältere, ärmlich aussehende Chinesin allerdings sehr störte. Sie kam auf mich zu und wollte mir immer meine Flasche wegnehmen. Und dass ich auch noch so langsam trank fand sie gar nicht toll. Der Grund ist folgender: Die sammeln in China Plastikflaschen, weil sie dafür Geld bekommen. Das sind keine Pfandflaschen, die bekommen dafür Wertstoffpunkte. Wenn man Plastikflaschen in einen öffentlich Mülleimer schmeißt, dauert es keine zwei Minuten und es ist jemand da, der die wieder rausfischt. Besser ist es, man schaut sich kurz um und gibt den Leuten gleich die leere Flasche. Aber so penetrant wie dieses Mütterchen war bisher niemand. Lars hat sich dann erbarmt und das letzte Schlückchen vernichtet, ihr die heilige Plastik übergeben und wir hatten unsere Ruhe.

Donnerstag, 13. September 2007

Je m'appelle Hélène

Kommen wir zu unserer heutigen Lektion: Chinesen und Handys. In deutschen Büros ist es ja eigentlich üblich, dass man das Mobiltelefon lautlos stellt oder zumindest einen dezenten, leisen Klingelton hat, um die Kollegen nicht zu stören. Nicht so in China. Die gehen auch ewig nicht ran. Wahrscheinlich, weil sie ihren Klingelton so lieben. Da plärrt aus der einen Ecke die Melodie von "Für Elise", aus der anderen Ecke dröhnt "How it's got to be" von Jeanette Biedermann rüber und zur Krönung säuselt eine französische Dame "Je m'appelle Hélène". Wenn ich diese Hélène eines Tages treffe, grrrrrrrrrrrrrr... Ich kann es mittlerweile auswendig: "Hélène, je m'appelle Hélène. Je suis une fille comme les autres. Hélène, j'ai mes joies, mes peines. Elles font ma vie comme la vôtre". Auf deutsch heißt das: "Hélène, ich heiße Hélène. Ich bin ein Mädchen wie die anderen. Hélène, ich habe meine Freuden, meine Leiden. Sie machen mein Leben wie eures". Guten Tag, ich heiße Jasmin, und wenn ich das höre, leide ich auch, auf Wiedersehen! Wen es interessiert, kann ja mal danach googlen, das Lied gibt es sicherlich bei Youtube.

Heute wurde ich in den Cash Room bestellt. Dort habe ich mei Lohndüdn erhalten. Der wird hier nämlich immer bar ausgezahlt.

Meine Kollegen haben gestern darauf bestanden mich am Arbeitsplatz zu fotografieren und das Resultat möchte ich euch nicht vorenthalten. Hier seht ihr mich im Labor, wo ich gerade mit dem Multimeter die Spannungsversorgungsplatine eines Antriebs darauf überprüfe, ob ich die ausgetauschten SMD-Widerstände auch ordentlich reingelötet hab. Das sei nur für diejenigen bemerkt, die es genau wissen wollen. Für alle anderen: Kabelprinzessin bei der Arbeit. Ja Doreen, deine Wortkreation gefällt mir, je m'appelle princesse des câbles *g*.

Montag, 10. September 2007

Die Duck alias Pekingente

Am Sonntag sind wir nach unserem Kurztrip nach Beijing wieder gut in Nanjing angekommen, obwohl das in der Hauptstadt Richtung Flughafen richtig knapp wurde, weil sich dort ein Stau gebildet hatte. Nachdem wir aber aus dem Taxi raus und wie die Bekloppten durch den Flughafen gerast sind, kamen wir gerade beim Aufruf des Boardings an. Laut Lars also genau richtig - keine Wartezeit!

Eins vorweg - zwei Tage für Peking einzuplanen ist natürlich eindeutig zu wenig. Für einen Spaziergang auf der Mauer hat die Zeit nicht gereicht, aber das war uns schon vorher bewusst. Zudem war ich dankbar, dass ich bei dieser Bullenhitze keinen 4-stündigen Marsch absolvieren musste. Vielleicht holen wir das im Frühjahr mal nach, wenn die Temperaturen erträglicher sind.

Als wir in Peking ankamen, wollte uns erst mal gar kein Taxifahrer mitnehmen, obwohl man von so einem Guard ein Taxi zugewiesen bekommt. Wir hatten zwar die Buchungsbestätigung vom Hotel mit, wo die Adresse auch auf chinesisch draufsteht, aber die haben sich einfach geweigert und so getan, als wüssten sie nicht, wo das ist. Nachdem wir den dritten Fahrer gefragt hatten, wurde es uns zu bunt: Wir sind einfach drinnen sitzen geblieben und Lars hat immer mit unterstützenden Handzeichen "Go, go, go!" gerufen *g*. Zu mir sagte er dann, er wüsste schon warum die nicht wollen, die Strecke ist denen wohl zu kurz. Wegen 20 Minuten Fahrt stellen die sich nicht an den Flughafen. Tja, Pech gehabt, den letzten beißen die Hunde, oder die Langnasen...

Nachdem wir also alles im Hotel geregelt hatten, ging es auf zum Sightseeing in die Verbotene Stadt!
Der Kaiserpalast oder Gugong ist unter seinem inoffiziellen Namen "Verbotene Stadt" weit bekannter und weist mit diesem Titel auf seine einstige Exklusivität hin. Während seiner 500 Jahre langen Geschichte, in der er 24 Kaisern der Ming- und Qing-Dynastien als Herrschaftssitz diente, war es gewöhnlichen Chinesen verboten, auch nur in die Nähe der Palastmauern zu kommen. Der Weg vom Tian'anmen (Tor des Himmlischen Friedens) zum eigentlichen Palasteingang ist relativ weit. Man folgt einfach den Souvenirständen, bis es nicht mehr weitergeht. Am Haupttor haben wir uns einen Audioführer geliehen und uns wie eine Brotschi umgehängt. Das Männchen in dem Gerät wusste immer genau, wo wir gerade sind und hat uns entsprechend mit Informationen versorgt.

Man besichtigt ettliche Paläste und Nebenpaläste, unter anderen die der Nebenfrauen und Konkubinen. Die Hauptgebäude waren leider nicht zur Besichtigung geöffnet, da diese für Olympia 2008 fleißig renoviert werden. Hier ein Bild vor der Halle der Harmonie der Mitte. Ich liebe ja diese klangvollen Bezeichnungen.

Man ist gut 2 bis 3 Stunden beschäftigt, bis man alles abgelaufen hat. Wenn man das bei knallender Sonne macht, sieht das etwa so aus. Ich möchte nicht wissen, wie es im Juli, dem heißesten Monat des Jahres, ist.
Überall wird halbgefrorenes Wasser verkauft, was mir sowohl zur inneren als auch zur äußeren Abkühlung diente. Ist zwar nicht gesund, bei dieser Hitze so kaltes Wasser zu trinken, aber es tat soooo gut.

Manch kleinen Chinesen schafft das auch schon mal so sehr, dass er ein kleines Ründchen schlafen muss. Und hiermit kommen wir zum Fundstück dieser Woche. Für meine Chinaexperten in Wünschendorf und München ist das natürlich ein bekannter Anblick, aber allen anderen kann ich jetzt bestimmt ein "Ooh" entlocken. Nein, die Hose ist nicht kaputt. Was ihr hier seht, sind die in China bekannten Schnellscheißer- oder Schnellfeuerhosen. So kann man Windeln sparen.

Für die viele Lauferei haben wir uns nicht mit einem Schläfchen, sondern mit einem gescheiten Eiskaffee beim Starbucks in der Lotus Lane belohnt. Mitten in der Stadt, beim Vorderen See (Quianhai), findet man ein kleines Idyll zum erholen - jedenfalls für chinesische Verhältnisse.

Als Abendprogramm, hatte ich mir überlegt, würde ich gern mal Pekingente essen. Viele von euch haben mich ja schon gefragt, ob man denn da das gleiche bekommt, wie in Deutschland beim Chinesen. Nun, darauf kann ich mit einem klaren nein antworten.

Das Restaurant Beijing Da Dong Roast Duck wurde von unserem Baedeker-China-Reiseführer in der Preisklasse "erschwinglich" empfohlen, mit dem Zusatz unbedingt zeitig reservieren, da es zu den besten Pekingentenrestaurants gehöre.

Als wir ankamen, dämmerte es Lars dann irgendwie auch. Hier hatte er schon mal mit seinen pekinger Kollegen gegessen und es ist tatsächlich spitze, meinte er. Nicht für umsonst haben wir wie auf dem Amt eine Nummer gezogen und letztendlich etwas weniger als die prognostizierte halbe Stunde im Foyer gewartet, wo wir mit Wein und alkoholfreien Getränken gratiiiis versorgt wurden.

Für den ausländischen Gast ist die Karte wunderbar aufgebaut gewesen. Jedes Gericht war auch auf englisch und vorallem mit Foto verzeichnet. Aber ich hatte ja meinen Larsus Lukullus dabei, der genau wusste, was besonders köstlich ist. Ich habe ihm bei der Bestellung freie Hand gelassen. Nur auf die Lotuswurzeln in Knoblauchcreme habe ich bestanden, ich bin hier Lotuswurzel-Fan geworden. Ich muss unbedingt herausfinden, wo man die in Deutschland bekommt und wie man sie zubereitet.

Die obligatorische Pekingente wird direkt vor den Augen des Gastes vom Koch geschnitten und anschließend serviert. Typischerweise ist nicht viel Fleisch dran, die knusprige Haut ist das Besondere. Traditionell beginnt man damit die Ente in einer der Soßen, oder gar nur in Zucker zu wenden. Die Soße verteilt man dann mit Hilfe des Fleisches auf einem Teigfladen, gibt nach belieben Knoblauch, Zwiebel und anderes feingeschnittenes Gemüse dazu und schlägt dann alles, wenn man dazu fähig ist mit den Stäbchen, darin ein und isst es anschließend mit den Händen.
Hmm, deliziös - ein Gaumenschmaus. My highlight of Beijing - The Roast Duck! Auch die übrigen Speisen hatten kulinarsiche Klasse. Jedem, der nach Peking kommt würde ich dieses Restaurant empfehlen.
Was ich jedoch anmerken muss: Ein Wink mit dem Zaunsfeld war dann die Platte mit frischem Obst, die aufs Haus ging und serviert wurde, bevor wir mit dem Hauptgang fertig waren. Draußen warteten ja noch andere mit ihrem Nümmerchen, die auch in den Genuss kommen wollten. Was das angeht, verstehen die schon ihr Geschäft.
Als wir dann mit einem kleinen Abstecher über den Paulaner Biergarten (ja ja, schon wieder) ins Hotel rollten, und uns einig waren, wie toll die duck war, mussten wir mit Schrecken feststellen, dass wir in grauenvolles denglisch, also in eine Mischung aus deutsch und englisch, abrutschten. Wirklich schlimm, wenn man den ganzen Tag nur englisch spricht, fällt einem manchmal tatsächlich nicht mehr das deutsche Äquivalent ein.

Nachdem wir erst 9:50 Uhr zu unserem Sonntagsfrühstück aufschlugen, wurde uns im Hotel erst mal klargemacht, dass sie für uns keine Ausnahme machen würden und alles pünktlich 10 Uhr abgeräumt wird. Das bedeutete also jetzt schnell Essen fassen und alles, was annähernd einem europäischen Frühstück glich, einsammeln. Chinesen essen nämlich drei Mal täglich warm und das Frühstück ist sowohl für unsere Augen als auch für unseren Geschmack ziemlich ungewohnt. Bei unserer "Jagd" waren wir dennoch so erfolgreich, dass wir gut gestärkt zum Himmelstempel (Tian Tan) aufbrachen.

Die weitläufige Anlage besitzt wieder viele verschiedene Nebentempel. Die größte, älteste, kultisch bedeutendste und architektonisch vollkommenste der kaiserlichen Kultstätten ist symboldurchdrungen wie wenige andere Bauwerke. Der Kaiser opferte auf der offenen Terrasse dem Himmel und dessen Erscheinungen (Gestirne, Wetter) im Rahmen eines mehrstündigen, von Musik begleiteten Rituals in der längsten Nacht des Jahres, und im Frühjahr bat er in der nördlichen Tempelhalle (deretwegen man die Anlage auch "Himmelstempel" nennt) um das rechte Wetter für eine gute Ernte. Zu sehen ist Lars vor der Halle des Erntegebets, mit ihrem blau gedeckten, dreifach gestuften Dach.

Abgeschlossen haben wir unser Wochenende in Peking mit einem Besuch auf dem Perlenmarkt. Ein Traum für die Frau. Dort wird Schmuck aus echten Süßwasserperlen verkauft. Sie unterscheiden sich von Salzwasserperlen durch ihre größere Vielfalt an Farben und Formen: Was bei der Salzwasserperle hässlich ist, nämlich unrunde, kartoffelförmige Exemplare, macht bei den Süßwasserschwestern gerade den Reiz aus. Außerdem sind sie deutlich billiger. Ohne Handeln wird man jedoch richtig über den Tisch gezogen. Das Endziel sollte ca. 1/3 des Startpreises sein. Daher muss man ziemlich weit unten beginnen und die Mädchen schauen einen ungläubig an: "You mean Dollar?", Lars: "I mean YOUR money!" Auf diese Weise haben wir ein paar schöne Schmuckstücke erstanden.
Dann war auch schon die Zeit rum und wir mussten zurück zum Flughafen. Ein schönes Wochenende mit tollem Wetter und eindrucksvollen Erlebnissen lag hinter uns. Wir kommen bestimmt wieder. Bye-bye Beijing!

Freitag, 7. September 2007

Der karierte Schlüpfer

Bevor es morgen nach Peking geht, muss ich euch noch von einer skurrilen Beobachtung berichten. Ich bin eben von der Bushaltestelle heimgelaufen, da kommt mir tatsächlich ein Arnold Schwarzenegger in chinesischer Ausführung entgegen. Und jetzt kommt's: Er war lediglich mit karierten Boxershorts bekleidet! Ich musste mir erst mal die Augen wischen. Ich wusste nicht, dass ein Chinese überhaupt so einen Körperbau haben kann. Dazu noch dieser Schlüpfer, hihihihihahahaha, ich hab echt gelacht und ihm unverhohlen nachgeschaut. Das steht mir hier zu. Und das erste Mal haben auch alle anderen nicht mich angeglotzt, sondern den Mann, der sich so bewegte, als hätte er Rasierklingen unter den Armen. Und wieder musste ich feststellen, dass China eine ganz andere, eigenständige Welt ist...

Donnerstag, 6. September 2007

Ready to fight

Ich war heute zum zweiten Mal mit drei meiner Kollegen in einem EMV-Labor bei einer anderen Firma, wo wir Tests bezüglich der elektromagnetischen Verträglichkeit verschiedener Baugruppen durchgeführt haben.
Die Firma ist ein erfolgreiches chinesisches Unternehmen im Bereich Elektrotechnik, das auch staatlich subventioniert wird und sich daher eine relativ große und wahnsinnig teure EMV-Kammer leisten kann. Allerdings fährt man von SNC aus bis dorthin 1,5 Stunden, obwohl es auch in Nanjing liegt, allerdings an der Stadtgrenze. Man muss sich erst mal über eine der zwei gebührenfreien Yangzi-Brücken quälen, wo natürlich immer Stau ist.
Da wir dort den ganzen Tag Tests durchgeführt haben, sind wir auch in die firmeneigene Kantine gegangen, und jetzt, liebe Hanne, kommt mal wieder ein Bericht über chinesisches Essen, dieses Mal aber mehr über die Art und Weise, als über das Essen an sich*g*.

Die Kantine öffnet immer 11:45 Uhr. Es wollen aber alle 1000 Mitarbeiter des Betriebes gleichzeitig futtern, deswegen sollte man sich besser schon 10 Minuten vorher einfinden. Da es eine "local company" am Stadtrand ist, haben die dort auch noch nie, wie z. B. die Mitarbeiter bei SNC, einen Ausländer gesehen. Das heißt also, mich haben sowohl gestern als auch heute alle dämlich angeglotzt, von oben bis unten gemustert, mit Fingern auf mich gezeigt... Wie sagt die Tina in solchen Situationen immer: "Ich mach' mir ein Schild, wo Alien draufsteht. Das kleb' ich mir auf die Stirn!" So fühlt man sich da wirklich. Die haben mich heute auch schon das zweite Mal gesehen. Man könnte vermuten, dass die sich doch an meinen komischen Anblick gewöhnen müssten, tun se aba nisch. Ok, das zu meiner Andersartigkeit, nun zur chinesischen Andersartigkeit.
Jeder Mitarbeiter hat dort so einen Papierschnipsel, der einen zum essen in der Kantine berechtigt. Du stehst also vor den großen Glastüren, hast dein "Ticket" in der Hand und alle schubsen und drängeln schon von hinten. Auf deutsch gesagt, du befindest dich kurz vor dem Einlass zum Konzert von Tokio Hotel. Und das geht auch so weiter, sobald die Schleusen geöffnet werden, rennen die da wie die Bekloppten rein, ohne Rücksicht auf Verluste! Ziemlich abgefahren. Eine Kollegin von SNC sagte zu mir "Be prepared, it's eating like a fighting", sinngemäß übersetzt: Stell dich drauf ein, dass du um dein Essen kämpfen musst. Da geht es bei SNC wirklich sehr gemütlich zu und es schmeckt besser. Außerhalb muss man auch die sterilen Edelstahl-Asietten ignorieren, aber den Gegenpol bilden die unsterilen Holzstäbchen. Und wenn man Lars heißt, muss man auch den lecker panierten Fischkopf, der sich beim Kollegen auf der Asiette tummelt ignorieren, aber ich heiß ja nicht Lars und er selber war ja auch nicht dabei *g*.

Und nun noch mal zur Glotzerei der Chinesen. Am Anfang war das ja noch irgendwie erträglich. Ich wusste, dass es so sein würde und dass diese Verhaltensweise keinesfalls als aggressiv oder beleidigend zu werten ist. Es ist einfach eine unverhohlene Neugierde. Aber wenn du jeden Tag so begafft wirst, dann nervt es schon ziemlich, oft sogar immer wieder von den gleichen. Irgendwie hab ich dann begonnen meine Guggerle richtig rauszuschrauben und extrem böse zu schauen, sollen sie doch denken "Oooh, böööse Langnase", hauptsache sie hören auf damit. Als ich mich darüber mit Tina, einer lieben Nachbarin von Lars, unterhalten habe, meinte sie, das habe sie erst auch gemacht. Doch dann hat sie festgestellt, dass sie davon auch keine bessere Laune bekommt und nun winkt sie stattdessen. Ich hab's ausprobiert! Die werden dann richtig verlegen, aber können doch nicht die Augen von einem lassen. Zurückgewunken hat noch keiner.

Ein Thema, was für mich auch jeden Tag aktuell ist: der Straßenverkehr. Macht mich täglich fassungslos... Sagen wir, wir haben zwei Fahrspuren und einen Standstreifen auf der Autobahn. Das kann man doch locker zu viert nebeneinander nutzen, würdet ihr das nicht auch tun? Warum diesen "Platz" verschwenden... Ach, und wenn man überholt, dann muss man von hinten kommend immer hupen, immer! Der Verkehr ist einfach so ausgerichtet, das würde anders nicht funktionieren. Die schauen immer nur nach vorne, nicht zur Seite und ganz sicher nicht in den Spiegel. Man verlässt sich darauf, dass der andere schon hupt, wenn was nicht passt.
In der Stadt wird auch generell die Gegenfahrbahn mit genutzt, wenn z. B. zu viele Knatterkisten und Fahrräder die eigene Spur blockieren. Ist aber an sich auch kein Problem. Dann versucht man halt ein bisschen mittig zu fahren, dann wird der Gegenverkehr schon irgendwie vorbeikommen. Und wenn die Linksabbiegerspur zu lang ist, täuscht man halt rechts an und zieht dann knallhart wieder in die linke Spur rein.
Sollte mal nichts mehr gehen, quälen sich halt die Autos über den Radweg, alles kein Problem!

Noch so 'ne Sache: Jeden Tag, wenn Lars und ich nach der Arbeit von der Bushaltestelle heimlaufen, könnten wir an der gleichen Stelle durchdrehen. Da geht es über eine Brücke, die auf der anderen Seite leicht bergab geht und an einer großen Kreuzung endet. Fußgänger und Radweg sind dort baulich von der Autospur getrennt und zwischen Radweg und Fußgängerweg ist auch noch mal ein Absatz, was aber auch Rille ist, weil die Knattermöhren immer schon trötend auf dem Fußiweg ankommen, wenn der Radweg überfüllt ist. Das lässt den Blutdruck schon leicht steigen. Er steigt weiter an, wenn sich die ganze Masse wieder nach uns umdreht, weil wir ja bekanntlich Außerirdische sind. Zweehunnerd Buls hammer dann - bald - wenn an der Kreuzung rot ist und die alle bremsen müssen. Und das quietscht auf einer Frequenz, die wir nicht ertragen können. Denen hat keiner beigebracht, dass man ein Fahrzeug auch pflegen und instandhalten kann. Es fährt ja noch, und die Quietscherei hören die wohl gar nicht mehr. Quietschen ja alle umher, warum sollte man auch was dagegen tun... Ich halte mir dann schon immer genervt die Ohren zu und schau sie - wieder mal - böse an, weil ich das wirklich, wirklich unerträglich finde, aber ich glaube, die sind so mit meiner langen Nase beschäftigt, dass die das gar nicht mitkriegen.

Im Suguo, dem Supermarkt um die Ecke, haben wir letztens auch mal wieder eine schöne Entdeckung gemacht. Wir haben einen offenen Sicherungskasten gesichtet, an welchen sie schon einen Ventilator geklipst hatten. Da ist wohl was zu heiß geworden und die Sicherung ist öfter gekommen. Was wir gesehen haben, war die Chinese Solution (Chinesische Lösung). Mich wundert nichts mehr.

Das war's für diese Woche von mir, am Wochenende geht's nach Peking und ich hoffe, dass ich wieder einige schöne, lustige und erstaunliche Dinge, dann auch wieder mit Fotos, zu berichten habe.

Samstag, 1. September 2007

Angie goes China

SNC hat den kurzen Besuch von Mrs. Mörkel gut überstanden und alle sind wieder beim "business as usual" angelangt. Dabei ging es bis kurz vor ihrer Ankunft heiß her. Als wir Montagmorgen in der Firma ankamen, stand doch tatsächlich noch ein Presslufthammer rum. Die Fake-Steine aus Beton über der Abflussrinne wurden wieder rausgepickert und echte verlegt! Wer hätte das gedacht, hat sich wohl doch jemand beschwert *g*.
Mittwoch war also der Tag der Tage. Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums und der Einweihung einer weiteren Fertigungshalle bei SNC gaben sich chinesische Politiker, viele wichtige Siemenspersönlichkeiten, unter anderen Peter Löscher, und natürlich unsere Angie die Ehre.
Das bedeutete für uns 5:20 Uhr aufstehen, weil wir aufgrund der Sicherheitskontrolle spätestens 7:15 Uhr vor Ort sein mussten, Lars, dem Management anghörend fein rausgeputzt im Anzug und ich, wie der Rest der Belegschaft einheitlich im SNC-Poloshirt. Um die ganze Halle war schon die Security mit Spürhunden postiert und meine Kollegen haben mich ängstlich dreinschauend gefragt: "Have you seen the BIG dogs?"

Eigentlich war vorgesehen, dass nur ausgewählte Personen zu der Veranstaltung in die Halle gelassen werden, doch optisch waren wir (deutsche Praktikanten, Informanden und Diplomanden) durch die Shirts kaum vom Fertigungspersonal zu unterscheiden. Damit kamen wir durch die Sicherheitskontrolle und konnten uns einen Stock höher an der Fensterfront des Büros der Fertigungshalle wie die Hühner auf der Stange aufreihen! Und genauso war es auch, wir gackerten mit den Chinesen um die Wette und drückten uns förmlich die Nasen am Fenster platt! Das muss Angie, während ihr die Produktion erklärt wurde, mitbekommen haben, schaute zu uns hoch und winkte ihren Groupies *g*. Sie zeigte großes Intersse an der Technik, was die Chinesen gar nicht recht verstanden, da sie meinten, Frau Dr. Merkel habe in Philosophie promoviert. Als wir sie aufklärten, dass sie den Doktor der Physik hat, war ihnen das dann auch klarer *g*.
Lars sollte zwar die Medienleute in Schach halten, aber die haben wohl auch gemacht was sie wollten. Dennoch war er dadurch wie Horst Schlämmer janz discht dran und hat knallhart nachjefracht! Hehe! Nee nee, so discht dann auch wieder nicht, so 1,5 m waren es dann doch.
Nachdem dann alle Platz genommen hatten und es ans Rede reden ging, konnten wir auch den Hühnerstall verlassen und haben uns hinten beim Buffet postiert, wo noch zwei Putzfrauen auf dem Boden rumkrebsten und umherrubbelten. Die hatten sicherlich den Auftrag alles blitzblank zu putzen, aber keiner hatte ihnen gesagt, dass sie auch mal aufhören müssen! Wir konnten sie auch nicht erlösen, weil wir ja kein chinesisch sprechen.
Von dort hatten wir auch eine super Sicht und konnten alles mitverfolgen. Angies Rede findet ihr übrigens hier.
Nach einer Stunde war der ganze Spuk vorbei, Angie war auf dem Weg nach Japan und für uns gab's zur Feier das Tages ein exzellentes Buffet in der Kantine!

Der Tag ging für mich aber wieder mal ziemlich lustig weiter *g*. Eine Sekretärin kam herum und teilte Schildchen für die Telefone aus (die, wo Wahlwiederholung und so draufstehen). Plötzlich fragte mich ein Kollege, ob ich auch Leim brauche, worauf ich fragte, wozu ich den brauchen sollte. Er meinte, um das Schildchen am Telefon festzukleben, was er an seinem schon getan hatte. Die Chinesen! Die haben für jede Lösung ein Problem, wie ich zu sagen pflege *lol*. Ich sagte ihm, dass ich das lieber nicht tue, weil es dafür eigentlich eine Plastik gibt, die man drüber macht.
Gestern wieder so eine tolle Aktion: Mir wurden schon die Fingerspitzen vor Kälte blau, als sich nach und nach meine Kollegen ihre Labormäntel anzogen. Ich fragte sie, ob ihnen wohl auch kalt wäre, was sie bejahten. Ich hab dann mal die Klimaanlage von 20 °C auf 25 °C gestellt. Auf die Idee kam keiner von den Schnarchbären.

Heute waren wir in der Metro, Großeinkauf machen. Könnt ihr euch vorstellen, wie man das ohne Auto und Einkaufskorb macht?
Die Wachmänner haben am Tor immer einen Einkaufswagen stehen. Da hievt man vom Taxi alles rein, schiebt den Wagen durch den Compound, fährt damit im Fahrstuhl hoch, lädt alles ab und bringt den Wagen zurück. Find ich 'ne coole Lösung *g*.

Um noch mal das Thema Schlafanzug vom letzten Eintrag aufzugreifen: Liebe Doreen, Lars ist nicht ganz davon überzeugt, dass die Chinesen meinen, das sei was Besonderes. Er glaubt vielmehr, dass man euch das nur zur Beruhigung erzählt hat. Nähere Erläuterungen dazu kann er euch persönlich geben *g*.