Dienstag, 28. August 2007

Shanghai, Shanghai, wir fahren nach Shanghai!

Nun habe ich euch wirklich lange genug auf meinen nächsten Eintrag warten lassen, aber hier ist auch immer was los! Im Moment geht auf Arbeit alles drunter und drüber, da uns Mrs. Chancellor Angela Mörkela (die hängen hier an alles ein a ran, auch Siemens wird Schiemensa ausgesprochen) morgen einen Besuch abstatten wird, aber das ist ein Thema, das ich noch separat behandeln werde. Kommen wir erst mal zu unserem Shanghai-Trip.

Auch auf chinesischen Bahnhöfen geht alles etwas anders ab, als wir es gewohnt sind. Überraschenderweise sogar geordneter! Man kommt schon mal ohne Ticket gar nicht erst in das Bahnhofsgebäude rein, was uns wahrscheinlich vor Herumlungernden bewahren soll. Deshalb steht am Eingang so ein Kartenknipser mit einem siffigen, langen Nagel am kleinen Finger, der demonstrieren soll, dass der Herr nicht mehr auf dem Feld ackert, sondern einer ordentlichen Arbeit nachgeht.
Man bekommt bei der Buchung eines Tickets im CRH (China Railway High-speed, sozusagen der chinesische ICE) immer eine Sitzplatzreservierung dazu, da generell nur so viele Tickets verkauft werden, wie der Zug Plätze hat. Das macht das Reisen natürlich entspannter, da es keine überfüllten Züge gibt wie in Deutschland, aber man kann sich andererseits auch nicht spontan entscheiden mal eben mitzufahren. Die Angabe der Waggonreihenfolge stimmt IMMER, nicht wie beim ICE, wo man sich nie darauf verlassen kann. Auch muss man immer ewig in der Bahnhofshalle warten, ein bisschen wie auf dem Flughafen. Erst kurz vor Abfahrt wird man auf den Bahnsteig gelassen.
Die Sitze werden, bevor die Fahrgäste einsteigen, alle in Fahrtrichtung gedreht. Dafür braucht man ja einen gewissen Radius, folglich hat man reichlich Beinfreiheit!
Mit maximal 247 km/h sind wir dann nach Shanghai innerhalb von knapp zweieinhalb Stunden gedüst. Für 8,40 € eine Richtung ist das doch ganz ordentlich, kann man schon ab und zu mal machen.

In Shanghai angekommen hat mir dann – typisch Frau – die Blase gedrückt. Also rein zu McDonald’s. Sehr lustiges Klo, muss ich sagen. Hinter der Kabinentür ging’s drei Stufen hoch und da ich nun mal etwas größer bin als die durchschnittliche Chinesin, hätte ich der anderen nebenan beim Lullern zugucken können, aber ich wollte mir ja nicht die Augen verblitzen *g*. Nach jedem Pullergast ist die Klofrau in die Kabine und hat mit irgendeinem billigen, schweren, süßlichen Parfum umhergefutzt. Das nenne ich mal Geruchsbekämpfung! Lars und ich haben hinterher wieder mal festgestellt – that’s the Chinese way. Die Ursache wurde zwar nicht bekämpft, aber oberflächlich haben sie was gemacht, und zwar ganz schön viel – Gott, war der Geruch penetrant.

Dann haben wir erst mal alle überflüssigen Sachen im Hotel abgeladen. Zu diesem gibt’s auch nicht viel zu sagen: ein Bett, ein Bad, eine Klimaanlage, alles sauber, das war in Ordnung. Nachdem wir uns von der sengenden Hitze akklimatisiert hatten, ging’s wieder rein in den Kochtopf von Shanghai. Aber ich will mich nicht beschweren, wer kann schon von sich behaupten Shanghai bei Sonnenschein und blauem Himmel erlebt zu haben. Durch den Sightseeing Tunnel kommt man unter dem Huangpu River in den Stadtteil Pudong, wo Shanghais Markenzeichen, der 486 m hohe Fernsehturm "Oriental Pearl Tower", steht. Der Tunnel ist zwar der größte Kitsch, halt mit Lichtershow und Musik, denn bei den Chinesen muss immer alles blinken, leuchten und ein Geräusch von sich geben, aber gut, haben wir den auch mitgenommen. Anschließend sind wir auf die Hauptaussichtsplattform in der oberen großen Kugel des Fernsehturms in 263 m Höhe gefahren und hatten tatsächlich wunderbare Sicht!

Nun mussten wir uns erst mal von dem viiiiieeeelen Sightseeing erholen und haben uns beim Häagen-Dazs gestärkt! Lars wurde sein Brownie und das Eis auf einem Villeroy & Boch New Wave Teller serviert, da lacht einem doch das Herz. Ich hatte einen fruchtigen Summerdrink mit Mango. Hmmmm, einfach göttlich! Wir saßen ewig draußen an der Uferpromenade und haben einfach mal die Ruhe und die Aussicht genossen.
Man kann das nicht fassen, direkt neben dem Café haben die an Metall rumgewerkelt und wir empfanden das immer noch als erholsam. Man muss Nanjing erlebt haben, um diese Aussage einordnen zu können. Hier ist immer nur Lärm, ständig das nervende Gequietsche und Gehupe, eingesetzt ohne Sinn und Verstand. Die Fenster sind nicht wirklich dicht, daher hat man das Klangerlebnis 24 Stunden am Tag. Abgesehen davon gibt es hier auch kein nettes Straßencafé oder dergleichen, wo man sich mal hinsetzen könnte, vorausgesetzt man wöllte das.
In Shanghai herrscht übrigens Hupverbot.

Als wir uns dann entschlossen hatten uns vielleicht doch noch etwas anzuschauen, ist uns irgendwie ein Paulaner Biergarten über den Weg gelaufen. Wir konnten uns auch gar nicht wehren, da sind wir irgendwie reingestolpert. Na ja, ich kann den Lars ja auch verstehen. Ein kühles Weizen, serviert von einer Chinesin im Dirndl, ist natürlich Welten besser als das sogenannte chinesische "Geradeweg-Bier" Tsingtao oder Snow. Mein Radler hat natürlich auch seeeehr gut getan.
Auf dem Rückweg haben wir die Fähre benutzt. Das war auch ziemlich lustig. Alle Arbeiter, die die Fähre als alltägliches Verkehrsmittel nutzten, haben uns angeglotzt, als wären wir Langnasen. Ach nee, sind wir ja schon… Egal, jedenfalls konnten die sichtlich nicht begreifen, warum wir filmen und Fotos machen, die haben sich voll über uns bekekst. Lars hat mit der Kamera festgehalten mit welchem Speed die mit ihren Rennmöhren auf das Schiff draufbrausen und dann erst wieder runter!!! Völlig ohne Rücksicht, da muss man seinen Popser schnell in Sicherheit bringen.
Am Abend waren wir schön essen. Ratet mal wo!

Was kann jetzt nach Häagen-Dazs und dem Paulaner Biergarten eigentlich noch kommen?
Rrrrrrrrrichtig! Wir waren beim Italiäääääääääner, in Shanghai, hihihi.
Lars war schon mal dort und freute sich schon auf den Warte-Prosecco vorneweg. Aber die haben sich so sehr beeilt, dass es keinen Prosecco gab! So was Ärgerliches aber auch…
Seine Fettuccine alla Carbonara sah ich schon wieder aus den Ohren rauskommen, aber unter großem Seufzen ging doch alles in die kleene Futterrübe rein *g*. Das war doch für Lars ein 5-Sterne-Gang im Gegensatz zum Chinese Food. Meine Tortellini waren auch exzellent.
Interessanterweise konnte man beobachten, dass in diesem Restaurant nur Nicht-Chinesen waren, oder wenn, dann nur in Begleitung von Langnasen. Am Nachbartisch nahmen ein älterer, gesetzter Deutscher, mit einer sehr jungen, adrett gekleideten, aber genervt dreinschauenden Chinesin platz. Lars und ich schauten uns an und dachten das gleiche. Zügig blätterte sie die Karte durch, nix dabei gewesen, das war wohl nix für die kleine Chinesin. Die beiden standen auf und gingen. Der Herr musste sich an diesem Abend sein Vergnügen sicherlich noch hart erarbeiten *g*.
Bis zum Schluss hat Lars nicht verarbeitet, dass ihm der Prosecco entgangen ist. Der musste her, aber janzzzzzzzzzz schnell! Ging aber dennoch aufs Haus, eine schöne Abrundung.
Als wir wieder auf dem Weg waren uns ein Taxi in Richtung Innenstadt zu besorgen, fragte ich eigentlich nur beiläufig, ob wir nicht die Fotokamera dabei hatten (natürlich mit dem extrateuren Doppelobjektiv). Ich hörte nur noch "Scheiße, Jasmin, der Foto!" und brrrrrrrrrrrrrrr, wie der Road Runner war Lars weg und ich konnte seinen Staub schlucken *meep meep*. Gott sei Dank hatte die Bedienung das schon bemerkt und den Foto zurückgelegt. Lars hat also alles wiederbekommen. Nun hütet er sein Baby wie seinen Augapfel.

Am Bund angekommen (so heißt die Uferseite des Huangpu Rivers gegenüber des Pudongs) belatscherten die uns schon wieder allen möglichen Mist zu kaufen. Blinkende Skates für die Schuhe, leuchtende Teufelshörner und was nicht alles, natürlich chirpy chirpy cheap cheap. Bin ich denn des Wahnsinns, da hebe ich mich ja gar nicht mehr vom Gesamtbild Shanghais ab und Lars findet mich am Ende nicht mehr wieder *g*!
Aber es hat auch ein besonderes Flair. Ganz komisch ist es dann, wenn 23 Uhr nach und nach alle bunten Lichter ausgehen. Man glaubt es kaum, China spart Strom!

Am Sonntag wollten wir noch eine einstündige Schifffahrt über den Fluss machen. Nachdem wir die Karten gekauft hatten, hieß es plötzlich rein in einen Bus. Wir dachten schon, na toll, jetzt haben die uns übers Ohr gehauen, wir wollten keine Stadtrundfahrt. Aber nein, das hatte alles seine Ordnung, wir wurden nur zum Schiffsanlegeplatz gefahren.
Auch typisch chinesisch: Genau in der Mitte, wo man die beste Aussicht hätte, da platzieren die ein LCD. Und was zeigen die, ALPENBILDER! Ich raff das einfach nicht ab, denkt denn dort keiner mit? Man wird immer wieder überrascht…
Nach einem kurzen, kräftigen Regenschauer war es noch recht bewölkt und so tummelten sich auch die Chinesen auf dem Deck. Ein Chinese darf keinen Sonnenstrahl zu viel abbekommen. Da würde man ja braun werden. Und wer braun ist, ist ein Bauer, und das will hier keiner sein. Darum hat frau auch bei Sonnenschein, oder besser gerade bei Sonnenschein, immer den Schirm aufgespannt. Der wird hier auch zum modischen Accessoire, in schönen Pastelltönen, bestickt, mit Pailletten und Strass besetzt. Also mit 'nem Münzen-Mallorca wird man hier (noch) nicht reich… Aber das bringen wir Europäer denen auch noch bei. Die Entwicklung geht in China so schnell, in 5 oder 6 Jahren gehen die auch ins Sonnenstudio und benutzen Selbstbräuner, statt ihre Tagescremes mit Bleichzusatz.

Hier noch einige meiner Entdeckungen: Die Männer laufen im Schlafanzug auf der Straße rum. Offenbar halten die das für einen Freizeitanzug, echt ulkig.
Mitten in der Stadt gibt es gegen Münzeinwurf Energie. Sehr wichtige Energie – Handy-Energie! *g*
Anscheinend wissen die hier auch nicht, wann Weihnachten vorüber ist, oder beginnt, oder wie auch immer…

Dann war es auch schon wieder Sonntagnachmittag und es ging wieder mit dem Schnellzug nach Nanjing. Also eins ist sicher, wir fahren irgendwann noch mal nach Shanghai und schauen uns noch einige Sehenswürdigkeiten an. Doch letztes Wochenende wollten wir uns keinen Stress machen und uns einfach nur erholen. Das ist uns gelungen!

Donnerstag, 23. August 2007

Fundstücke der Woche

Heute geht es mir schon wesentlich besser. Die Bauchkrämpfe hab ich hinter mir gelassen. Viele haben mir gesagt, dass das irgendwann jedem hier so geht und ich damit rechnen kann, dass ich jetzt abgehärtet bin, was das chinesische Essen angeht :-) Ich danke allen, die sich so um mich gesorgt haben. Vor allem dir, Hanne, ich hoffe ja, dass es keinen Grund geben wird diese Technik mal auszuprobieren, aber sollte es mal wieder Bedarf geben, werde ich es versuchen!

Kommen wir jetzt zu einigen Beobachtungen im Alltag. Zum Thema Kuddelei hab ich mich ja schon ausgelassen. Und meine liebe Mutti, zu deinem Tipp, ich sollte mich doch mal im Gegenzug richtig kräftig ausschnauben, kann ich nur sagen, wer vor mir rumrotzt, muss auch ertragen können, dass ich mich schnäutze. Soweit geht meine Anpassung nun auch nicht!

Außerdem ist es echt ein Schauspiel manchen Chinesen in der Kantine zuzuschauen. Ich sage nur: Staubsauger! Der Rüssel ist nur noch 2 cm vom Teller weg und dann wird geräuschvoll gezutscht was das Zeug hält. Und immer schön mit den Stäbchen nachschieben. Sehr appetitlich!

Das ist für euch, Jenny und Maja: Meine Chinesisch-Kenntnisse halten sich bisher in Grenzen. Ni hao heißt "Hallo", das sag ich jeden Tag mehrfach, bei den Wachmännern hier im Compound und natürlich auch auf Arbeit. Wenn man mit Chinesen weggeht lernt man auch schnell noch eine andere Wendung: Gambe! Das heißt "auf Ex trinken", das machen sie gerne.
Der Kollege, der direkt neben mir sitzt, verabschiedet sich jedesmal folgendermaßen am Telefon: "Ha. Ha. Ha. Ha. Ha. M." Wie man das jetzt ganz korrekt übersetzt, weiß ich nicht. Aber ich muss mir immer das Lachen verkneifen *kicher*.

Lars und ich haben heute auch schon wieder herzhaft über unsere Company-Busse gelacht. Die ganze Welt fährt mit pneumatischer Federung, nur wir juchteln in China mit Plattfederung wie auf 'nem Kipper umher. So sind wir heute wieder heimgehoppelt. Herrlich, so hat man immer was zu lachen.

Jetzt kommt mal ein schöner Beitrag für meinen lieben Schwager Marco: Aufgrund ergiebiger Regenfälle hat man bei SNC festgestellt, dass zwei Abflüsse im Eingangsbereich nicht miteinander verbunden sind. Deshalb haben heute Bauarbeiter die Steine im Fußgängerbereich entfernt, ein Rohr zwischen den beiden Abflüssen verlegt, das Ganze dann zubetoniert und in dem noch nicht ausgehärteten Beton Ritzen wie von verlegten Steinen angedeutet.
Als Nader mich zufällig auf dem Gang traf und mir ganz empört von dem Prozedere berichtete und ich nur sagte: "Tja, that's the Chinese way", meinte er, dass ich mich wohl eher an die chinesische Art und Weise gewöhnt hätte als er, der schon drei Jahre in China lebt. Lars kam nun auch hinzu und ohne dass Nader oder ich was sagten, ließ er sich über die Bauarbeiten aus *hihi*. Ich hab dann nur noch gesagt, dass mich das deswegen nicht stört, weil ich in vier Wochen hier wieder weg bin, worauf ich von beiden böse Blicke erntete *ungezogen war*.

Jetzt noch zwei bildlich dokumentierte Beobachtungen. Irgendwie haben es die Chinesen mit Socken, keine Ahnung warum. Im Flugzeug fand ich es ja schon seltsam, dass ein Typ FlipFlops mit Socken trug, aber sehr komisch ist auch, dass die Frauen IMMER normale Söckchen oder Feinstrumpfsöckchen tragen, da kann das Outfit noch so kurz und noch so fein sein.

Habt ihr euch eigentlich schon mal gefragt, was nach dem Klappfahrrad und dem Klappspaten noch kommen kann? Die Chinesen haben die Antwort! Eine Klappgabel! Unglaublich, aber wahr. Ist der Becher vom Fertiggericht zu klein, leg 'ne Klappgabel rein! *Muhahahahaha*

So long, ich melde mich nach dem Wochenende wieder, da wir morgen schon wieder eine Verabredung beim Japaner haben, am Samstag nach Shanghai fahren und Sonntag erst zurückkommen.

Dat Jasminsche

Mittwoch, 22. August 2007

Kulinarische Abenteuer

Endlich finde ich mal wieder Zeit, mein Blog zu aktualisieren, da heute der erste Abend ist, an dem ich "frei" habe.

Am Sonntag haben wir trotz des schlechten Wetters noch einen kleinen Ausflug zum "Fuzi Miao" - dem Konfuziustempel - gemacht. So nennt sich das ganze quirlige Shopping- und Restaurantviertel im Zentrum der Südstadt. Mitten im Trubel steht der 1034 erstmals errichtete Konfuziustempel. Früher baten hier junge Gelehrte vor den entscheidenden Beamtenprüfungen um himmlischen Beistand.

Nachdem wir den sintflutartigen Regen vorüberziehen ließen, fuhren wir mit dem Taxi (kostet hier so gut wie nix, umgerechnet etwas zwischen 1 € und 4 €, je nach Distanz und Tageszeit) zur 1,5 km langen, zweigeschossigen Yangzi-Brücke, die noch heute alle Chinesen mit Stolz erfüllt, denn sie entstand aus eigener Kraft, nachdem die Russen 1960 ihre Berater und Gerätschaften abgezogen hatten. Vor dem Bau der Brücke dauerte es anderthalb Stunden, um Züge und Straßenfahrzeuge mit Fähren über den Fluss zu bringen.

Seit Montag arbeite ich nun schon bei SNC (Siemens Numerical Control). Ich darf das Team der Hardware-Entwicklung unterstützen und bin nur eine Etage tiefer als Lars. Ab und zu kommt er sogar vorbei und diskutiert mit meinen Kollegen, da diese auch für sein Projekt mit eingesetzt sind, ich aber natürlich nicht. Ist irgendwie seltsam das so zu beobachten. Da lerne ich Lars aus einem ganz anderen Blickwinkel kennen ;-)
Das Werk ist sehr modern, allerdings darf man bei vielen Dingen nicht so genau hinschauen. Handwerkliche Tätigkeiten werden hier nicht unbedingt akkurat ausgeführt. Der Boden ist uneben, bei Metallen sieht man schon den Rost durchkommen und das "Push"- Schild an der Tür ist verkehrtherum angebracht *g*.
Die Einstellung der Klimaanlage kennt auch nur zwei Zustände, entweder aus oder an, obwohl man auch eine gemäßigte Temperatur einstellen könnte. Aber die Chinesen schockfrosten mich täglich. Daher habe ich auch immer einen langärmeligen Pullover dabei.
Lieber Kai, nun zu einem deiner Lieblingsthemen: das Kuddeln *g*. Die meisten meiner jüngeren Kollegen rotzen Gott sei Dank nicht umher. Und sollte es sich einer mal nicht verkneifen können, kann ich auch ohne Probleme darüber hinwegsehen. Doch einer hat mich gestern schon an meine Schmerzensgrenze gebracht. Also wenn der schon so 9 bis 10 Mal versucht den Spaß aus allen möglichen Nasen- und Rachengängen hochzuholen, so von gaaaaaaanz tief unten, und ich am anderen Ende des Büros das Bedürfnis habe da mal nachzuhelfen, nur damit es aufhört, dann ist es zu viel!
Und jetzt eine ganz krasse Überleitung:
Die Busfahrt zum und vom Arbeitsplatz sowie das Mittagessen wird übrigens für alle Mitarbeiter von der Firma bezahlt *g*.
Als wir am Montag nach der Arbeit aus dem Bus ausgestiegen sind, trafen wir zufällig Sandra und Tina, die auf dem Weg zu einem chinesischen Restaurant waren. Die beiden schwärmten uns von dem leckeren Hühnchen süß-sauer vor und so entschlossen wir uns spontan mitzugehen. War ein sehr lustiger Abend und das Essen war auch sehr gut, mehr so in die Richtung europäisches chinesisch, so dass sogar Lars ganz zufrieden war :-)

Gestern waren wir mit Kollegen von Lars mal „richtig“ chinesisch, im Szechuan-Style, essen. Das Restaurant war zwar mehr eine Absteige und Lars sollte bei der Frage nach den Toiletten dem Geruch folgen, aber die Speisen waren wirklich köstlich. Lars durfte uns den noch lebenden Fisch aussuchen, was er auch sichtlich genoss *haha*. Die Frösche hüpften daneben auch noch fröhlich umher und das wollten wir auch nicht ändern *g*.
Es begann mit einer riiiiiiiiesigen Schüssel voller scharf gewürztem Geflügel, gemischt mit Chilischoten. Das Geflügel stibitzte man sich dann mit den Stäbchen heraus, das fand ich witzig. Danach kamen noch verschiedene exotische Sachen, wie Lotuswurzeln in Orangensauce, einfach traumhaft. Übrigens hab ich festgestellt, dass ich auch Erdnüsse mit Stäbchen essen kann, muss wohl ein Naturtalent sein *g*.
Der Fisch erinnerte von der Zubereitung her an Karpfen blau, aber war nicht so säuerlich. Auch da war wieder der scharfe Szechuan-Pfeffer dran, was mir heute zum Verhängnis werden sollte.
Ich kämpfe schon den ganzen Tag mit Bauchkrämpfen. Als ich mich zum Mittag mit einem Schälchen Reis begnügte, fragte mich Nader (er hatte uns in das Restaurant eingeladen), ob mir wohl das Essen nicht bekommen sei. Als ich dies bejahte, meinte er, dass das eindeutig an der Szechuan-Küche läge, da das europäische Verdauungssystem den Pfeffer nicht verträgt, und das jedem beim ersten Mal so geht, aber man würde sich wohl daran gewöhnen. Ok, vielen Dank für das Gespräch… *gequält lächel*
Zum Abschluss gab es so eine süße Reissuppe, geschmacklich ähnlich wie Milchreis, die Suppe aber mehr wie Sud, mit so schleimigen, weißen Bällchen. Ich brauchte Lars nur beobachten und wusste alles *lol*. Mir hat’s aber geschmeckt, man muss ja auch mal was anderes ausprobieren.

Das waren nun meine kulinarischen China-Abenteuer!

Sonntag, 19. August 2007

Wenn Engel reisen

Liebe Familie & Freunde,

ich danke euch allen ganz, ganz herzlich für eure Glückwünsche zu meinem Geburtstag, welche mich auf verschiedensten Wegen im fernen China erreichten: per SMS, E-Mail, Grußkarte, ICQ, Studivz und über das Gästebuch, ich bin überwältigt!

An meinem Geburtstag habe ich es mir gut gehen lassen. Lars musste ja arbeiten. Ich bin wie jeden Tag mit ihm aufgestanden und hatte aufgrund des strahlenden Sonnenscheins Lust, mich ein wenig auf dem Balkon zu sonnen. Aber ohne Fleiß kein Preis - zu erst hieß es Balkon schrubben. Man kann sich kaum vorstellen, welch ein Dreck sich dort sammelt. Das soll jetzt nicht heißen, dass Lars ein kleines Schweinchen ist, nur, dass die Luft hier unglaublich schmutzig ist und sich der Staub in ein paar Tagen wieder sichtbar absetzen wird. Aber die haben bei dem Bau mal ausnahmsweise mitgedacht und ein Waschbecken installiert, welches groß genug für einen Wischeimer ist. Zwei davon haben gerade so gereicht, darin stand aber der Dreck unten zwei Zentimeter. Also was da alles in die Lunge reinkommt, nee nee nee. Huste ich dann in Deutschland alles wieder ab, höhö. Also liebe Doreen, einen Mundschutz habe ich jetzt deswegen noch nicht. Außerdem passiert es uns so schon oft genug, dass sich die Chinesen auf der Straße 2, 3, 4 Mal nach uns umdrehen und beinahe Unfälle bauen. Eine Langnase ist schon was Seltenes, zwei auf einmal ist was ganz Besonderes. Mit Mundschutz? Das würden die hier ihren Lebtag nicht vergessen! Fotografieren lassen wollte sich aber bisher keiner mit uns.

Nachdem ich mich also tagsüber auf der Sonnenliege entspannt habe, hat mich Lars am Abend zum Nepalesen ausgeführt. Nun sag mal Doreen, hast du 'nen Nebenjob als Wahrsagerin, so mit Glaskugel und Decknamen Olga auf'm Jahrmarkt, oder so? Von wegen nepalesische Wurstpellenhersteller... Ich dachte, ich les' nicht richtig! Also wir haben dort jedenfalls super lecker gegessen. Das Essen war sehr scharf und würzig, für den europäischen Geschmack kann man das gar nicht beschreiben, exotisch eben. Aber auf jedenfall sehr lecker. Man bestellt von verschiedenen Dingen eine Portion und jeder kann sich von allem nehmen.

Dort konnte ich auch beobachten, wie Lars gelernt hat sich mit Zeichensprache zu verständigen. Uns war die Klimaanlage zu kühl eingestellt. Wie macht man der nicht englischsprechenden Bedienung klar, dass man es wärmer mag? Folgendermaßen: Nach oben zur Klimaanlage zeigen, mit den Händen auf und ab Bewegungen machen (für weniger) und sich dann selbst umarmen, den Kopf schütteln und "Brrrrrrrrrrr" machen. Hat funktioniert und mich hat das köstlich unterhalten!

Gestern haben wir uns zu den Purpurgoldbergen aufgemacht, wo wir das Grab des ersten Ming-Kaisers besichtigt haben. Zhu Yuanzhang, der erste Herrscher der Ming-Dynastie (reg. 1368 - 1398), ist zugleich der einzige chinesische Kaiser, der sich in Nanjing bestatten ließ. Seine Grabanlage, eine der größten, die in China erhalten sind, wurde bereits 1383 vollendet. Der innere Grabbezirk imponiert noch heute durch die riesigen Ausmaße der erhaltenen Gebäude. Das Grab selbst, unter einem künstlichen Hügel von fast 400 m Durchmesser gelegen, wurde nie geöffnet.

Weiter südlich liegt der 800 m lange Seelenweg mit seiner Ehrengarde aus 24 monumentalen Tier- und acht Beamtenskulpturen.



Einige Meter weiter steht ein kleiner Pavillon, der von schönen Zypressen und Kiefern umgeben ist.
Übrigens schwitzt man bei einem solchen Ausflug wie Reiner Calmund nach einem 1000 m Sprint. Auch nachdem wir wieder in der Wohnung waren und kühl geduscht hatten, lief es einem weiter. So ist das, wenn man einmal auf Betriebstemperatur ist. Ich habe sowas noch nie erlebt... Beim Rückweg fragte ich Lars, warum er kaum noch redet. Seine Antwort: "Ich befinde mich im Energiesparmodus" *lol*.

Ab Montag geht es also bei mir richtig los: Ich schnuppere mal bei SNC rein, darf also bei Siemens einige Wochen arbeiten. Gestern Abend, als wir bei einem Kollegen von Lars grillen waren, versicherte mir Lars' Chef, dass es genug zu tun gibt und man auf jedenfall auch eine Aufgabe für mein Praxissemester finden wird. Ich hoffe nur, dass der Kulturschock morgen für mich nicht zu groß wird. So viel zum Thema Kabelprinzessin...

Zu euren Kommentaren über die schöne Wohnung und den Ausblick, sagte Lars übrigens: "Ja, auf den Bildern könnte man fast meinen, es ist schön hier". Ich habe einfach auch riesiges Glück, da wir hier seit meiner Anreise drei Tage nacheinander blauen Himmel haben, was um diese Zeit des Jahres auch so gut wie nie vorkommt. Tja, wenn Engel reisen...

Donnerstag, 16. August 2007

Überraschungen

Ich grüße alle meine lieben Blog-Leser nun tatsächlich aus Nanjing! Ich bin hier gestern wohlbehalten und mit allen Gepäckstücken angekommen. Eigentlich ist alles ohne größere Schwierigkeiten verlaufen, bis auf ein paar kleine Herausforderungen, aber dazu komme ich später.

Liebes Claudinsche, genau wie du es sagtest, war der Flug nach Frankfurt ein Witz! Sind abgehoben, ham a weng bleed gschaut und schon sind wir wieder gelandet *g*. In Nürnberg sagte man mir beim Check-in, die Maschine nach Peking sei nicht ausgebucht und ich könnte sogar damit rechnen, dass der Platz neben mir frei bleiben würde. War er dann zwar nicht, aber das war auch nicht so tragisch.
Als ich den Flug online gebucht habe, konnte ich sogar meine Speisevorlieben wählen, so z. B. fettarm, kalorienarm, cholesterinarm, diätisch, vegetarisch und zig andere Sachen waren möglich. Ich habe eigentlich spaßenshalber mal ein Häkchen bei kalorienarm gesetzt, habe aber nicht ernsthaft damit gerechnet, dass man darauf eingehen würde. Im Normalfall heißt's ja auch immer chicken or pork. Doch zu meiner Überraschung kam noch vor dem Start eine Stewardess auf mich zu und fragte mich "Miss, veggie?", was so viel bedeutet wie "Fräulein, Vegetarierin?" Ich hab das gar nicht gleich abgerafft, doch dann erinnerte ich mich und stimmte zu. Von nun an bekam ich eine Sonderbehandlung. Ich wurde immer mit den anderen Extrawürsten zuerst versorgt *g*. Und tatsächlich, es war nicht nur vegetarisch, sondern im Vergleich zu meinem Sitznachbarn hatte ich frisches Obst, statt Dosenobst, Margarine statt Butter und einen Salat mit leichtem Dressing, wobei seiner mit Fleischwurst und Mayo angereichert war. Das war ein Glücksgriff! Call me Miss Veggie! *lol*

Schon im Flieger konnte man sehen, dass einige Chinesen eine gewöhnungsbedürftige Auffassung von "Mode" haben. So trägt man als Mann zum Beispiel FlipFlops mit ganz normalen Tennissocken (keine Ahnung wie das geht) und dazu eine schlabbrige Hose mit Gummibund.
So richtig schlafen konnte ich auf dem Flug nicht, was auch zu erwarten war. Aber es war schon auszuhalten.
Ach - mein Doreenchen - Frühsport mit Erika kam leider auf keinem Kanal, hätte mich gern mal bisschen zum Obst gemacht. Dafür liefen alle Filme in einer Endlosschleife, unter anderen auch Garfield. Hab ich natürlich an dich gedacht *mauz*.
Ich kam mit meinem Sitznachbarn ins Gespräch, welcher seit 20 Jahren in Hamburg lebt, und nun auf Geschäftsreise in seine alte Heimat nach China war. Sein deutsch war trotz der 20 Jahre nicht so berauschend, weshalb wir uns auf englische Verständigung einigten. Er bot mir an, mich am Pekinger Flughafen soweit zu begleiten, bis ich mit den Dokumenten alles geregelt habe und nur noch umsteigen müsste, was ich dankend annahm. Hilfreich war tatsächlich, dass er genau wusste, wo man gerade welches Paper abgeben oder vorzeigen musste, und davon gibt es einige! Es beginnt mit einer Health Declaration, in der man versichert, weder AIDS, noch Vogelgrippe, noch andere ansteckende Krankheiten zu haben und endet mit der Angabe zu verzollender eingeführter Ware. Gut, dort bin ich überall mit Hilfe von Mr. Wang gut durchgekommen, da kannte er sich aus. Aber wehe es geht darum das Gepäck abzuholen. Das konnten sie nämlich nicht bis zum Endziel durchchecken. Jedenfalls war Mr. Wang da etwas unkoordiniert, und da er mir ja geholfen hatte, konnte ich auch nicht so davonrennen und hab im Gegenzug ihm geholfen *g*. Wobei es ja ganz einfach ist. Man kommt in die Halle mit den Gepäckbändern, schaut an die Tafel, sucht seinen Flug und läuft zum angegebenen Band. Aber Mr. Wang läuft erst mal nacheinander alle Himmelsrichtungen ab, entschließt sich dann doch mal an die Tafel zu schauen, starrt 3 Minuten drauf und weiß immer noch nicht, wohin er muss. Nun gut, da hab ich dann mal dezent nachgeholfen. Danach trennten sich unsere Wege, da er einen anderen Anschlussflug hatte.

Als ich dann auf der Suche war, wo ich mein Gepäck nun für Nanjing wieder einchecken konnte, kam schon ganz zügig ein Mitarbeiter des Flughafens auf mich zu. Ich dachte mir, ach schön, das ist ja nett organisiert hier. Er fragte nach meiner Airline und führte mich dann im Zickzack an einen Schalter. Beim Blick zurück sah ich, dass man das Ganze auch Luftlinie hätte laufen können - Verwirrungstaktik, war schon komisch. Er hiefte am Schalter meinen Koffer aufs Band, die Waage zeigte 23 kg an, worauf er meinte: "You're luggage is overweight" (Ihr Koffer ist zu schwer), worauf ich nur sagte: "Yeah, but that's ok". Damit gab er sich zufrieden. Was dachte der denn, dass ich frage, wie viel ich dafür zahlen soll?

Dann führte er mich, wieder kreuz und quer, bis zum Gate. Muss ja nach Arbeit und kompliziertem Weg aussehen, den ich ohne ihn niiiieee gefunden hätte... Vor der Handgepäckkontrolle fragte er dann: "Money?" Ich: "I don't understand". Er: "Dollar, Euro, whatever". Ich mit Rehblick: "I don't have any cash, I'm sorry". Da hat er die Augen verdreht und ist abgedampft. War klar, dass das am Ende kommen würde...
Beim Gate erwartete mich das sprühende chinesische Leben. Ein tierisches Durcheinander und eine enorme Lautstärke hinterließen ihren Eindruck. Es liefen ständig mehrere Mitarbeiter mit Megaphonen umher und versorgten einen energisch mit wichtigen Informationen - ausschließlich auf chinesisch, ist klar! Als eine mit ihrer Flüstertüte direkt neben mir fast mein Trommelfell gesprengt hat, hätte ich ihr beinahe das Ding aus der Hand gerissen und mal deftig "Hyper Hyper" ins Ohr geplärrt.

Nun ist es auch nicht so, dass, wenn auf meinem Ticket Gate 25 steht, alles klar ist, denn Gate 25 ist noch in A bis H gegliedert, wo im Minutentakt Busse abfahren, die die Passagiere zum Flugzeug bringen. Dafür gibt es ja aber wieder Tafeln, wo z. B. für meinen Flug nach Nanjing Gate 25 B vermerkt war. Das heißt bis eine Minute vor dem Boarding, wo dann plötzlich 25 G stand. Da wurde mir dann auch klar, wozu die mit Megaphonen rumrennen. Die Chinesen sind ein spontanes Völkchen und entscheiden sich gern kurzfristig um - und das teilen sie dann den Fluggästen lautstark mit.
Kurz nach 11 Uhr Ortszeit bin ich dann ziemlich geschafft, aber zufrieden, dass alles so gut geklappt hat, in Nanjing bei dunstigem Regenwetter gelandet. Es dauerte eine Weile, eh Lars mich abholte, da er von einem wichtigen Meeting nicht wegkam. Wie lang die Weile war, will ich hier mal verschweigen, jedenfalls bekam ich Langeweile *g*. Die Wiedersehensfreude war natürlich riesig, auch wenn wir nur eine Woche getrennt waren. Aber endlich kann ich nun mal erleben, wodurch hier sein Alltag bestimmt wird.

Der Verkehr ist sehr witzig. Man hupt eigentlich grundsätzlich, wenn man überholt, damit der andere nicht ausschert, wenn einem was nicht passt und wenn es nicht vorwärts geht. Auch wenn es eindeutig ist, dass das an der Situation nichts ändern wird. Sicherheitsabstand ist ein Fremdwort. Aber die kriegen das immer irgendwie hin, dass nix passiert.


In der supergeräumigen Wohnung angekommen, haben wir erst mal die Lebensmittel verstaut und einen schönen Eilles-Kaffee getrunken. Lars war begeistert, danke euch Claudia & Kai für die Kaffeemaschine! Es dauerte nicht lang und einer von den Wachmännern dieses Compounds (Wohnkomplexes) klopfte an der Tür. Er hatte uns schon zuvor am Fahrstuhl pantomimisch klarmachen wollen, dass er irgendeine Karte von uns will. Nun hatte er einen Zettel dabei, auf dem stand, dass er meinen Reisepass benötigt. Lars gab ihm diesen, und wenig später wurde er uns wieder zurückgebracht. Man wird hier gut überwacht. Die wissen genau, wer in welcher Wohnung wohnt, und wenn da jemand neu dazukommt, wird das notiert. Also um die Sicherheit müssen wir uns wohl wenig Gedanken machen *g*.

Am späten Nachmittag schlief ich kurz auf der Couch ein, aber Lars weckte mich und meinte, ich müsste mindestens bis 19 Uhr durchhalten, um irgendwie in den chinesischen Rhythmus reinzukommen. Recht hatte er. Also bin ich wieder hoch und wir sind zum nächsten Supermarkt gelaufen, wobei ich wieder neue Eindrücke gewann. Es gibt tatsächlich so etwas wie einen "Fußgänger- und Radweg". Dort brausen sie aber auch hupend mit ihren Motorrollern lang und man muss tierisch aufpassen, dass die einen nicht umnieten. Die Stadt war bedingt durch das Wetter ein einziges grau in grau, doch alle Rad- und Rollerfahrer haben bunte Regencapes an. Das gab echt ein tolles Bild ab. Leider hatten wir die Kamera nicht dabei. Beim Einkaufen mussten wir feststellen, dass wir keine Ahnung haben, wo der Zucker steht, geschweige denn wie der verpackt ist, oder wie wir sonst an selbigen rankommen. Also trinke ich meinen Kaffee vorläufig nur mit Milch.

In der Seafood Abteilung paddelten die Schildkröten umher. Also das hat jetzt nicht unbedingt meinen Appetit stimuliert. Mehr so "Oooch, wie niedlich", aber was sag ich da, andere Länder, andere Sitten. Daheim wird ja auch das süße Osterlamm verspeist.

Als wir wieder in der Wohnung waren, kam Lars auf die Idee, dass wir uns vielleicht noch für zwei Stündchen mit anderen Deutschen in einer Bar namens "Blue Marlin" treffen könnten. Als er diese versuchte zu kontaktieren, musste er erfahren, dass er da wohl was verpeilt hat und eigentlich schon längst bei einem Geschäftsessen hätte sein müssen. So brach dann operative Hektik in Kombination mit ein wenig Flucherei aus. Ok, ich hätte mir ein "Welcome in Nanjing" auch anders vorgestellt, aber da ich sowieso müde war, nahm ich das eher gelassen hin und freute mich schon auf das Bett. Lars versprach mir, dass die Geschäftsessen in China spätestens 21 Uhr vorüber sind und ich legte mich gegen 20 Uhr aufs Ohr und schlief friedlich ein :)

Die Ruhe währte nicht lange, da irgendwann nach 21 Uhr Lars' deutsches Handy, das eigentlich nur als Wecker fungierend auf dem Nachttischschränkchen lag, klingelte. Kai war dran und richtete mir aus, dass Lars auf dem Weg sei und wir, wenn ich mag, uns noch mit ein paar seiner Kollegen im "Blue Marlin" treffen können. Hmm, schlecht, wenn man weder seine eigene Handynummer, noch die eigene chinesische Festnetznummer kennt. Dann muss man in Deutschland seinen Bruder anrufen, der wiederum hier in China anruft, um mich mal im Tiefschlaf vollends zu verwirren *g*. Also ich finde es echt irre, dass ich tatsächlich aufgestanden bin, mich wieder angezogen hab, nach Anweisung von Lars ;-) ein leichtes Make-Up aufgelegt hab, mir mal eben 600 ml Pepsi light (komische Abpackungen hier) hinter die Binde gekippt hab, damit ich wieder wach wurde und dann leise grummelnd mit ihm zum Taxi getrabt bin. Warum ich das gemacht habe, weiß ich nicht, aber es war dann echt lustig.
Lars stellte mir seine Kollegen vor (sowohl Deutsche als auch Chinesen) und fast jeder versicherte mir, was für ein toller Typ er ist. Tja, Jungs und Mädels, das wusste ich schon vor euch ;-)
In der Bar spielte eine Live-Band und die waren wirklich gut. Anfangs hatten sie das Motto Latein-Amerikanische Rhythmen, genau mein Ding! Da Lars auch schon nicht mehr ganz nüchtern war, fragte er mich bald, ob ich tanzen will. Haben dann eine flotte Sohle aufs Parkett gelegt :)

Ein Kollege hatte Geburtstag und es wurde eine kleine Torte als Geschenk des Hauses serviert. Nachdem das Geburtstagskind kostete und zu mir sagte: "Die schmeckt so chemisch, die kommt doch direkt von BASF von nebenan, koste mal" (BASF ist auch in Nanjing), ergatterte ich schnell noch ein Stück Apfel vom Tortenteller *g*.
Kurzum, nachdem dann noch intensive geschäftliche Gespräche geführt wurden, lagen wir 2 Uhr nachts im Bett. "Bisschen" später als ich dachte, aber ich glaube grundsätzlich bin ich dadurch gut in die chinesische Zeit reingekommen.

Wir sind heute morgen um 6:30 Uhr aufgestanden. Lars hat die kurze Nacht schlechter vertragen als ich, aber das muss am Bier gelegen haben *g*. Und was gab es als Belohnung für das frühe Aufstehen? Super Wetter, Sommer, Sonne, Sonnenschein - dor Wahnsinn! Einer der wenigen Tage in Nanjing, an denen man den blauen Himmel sieht.
Hier seht ihr einen Blick vom Balkon.

Das heutige Posting könnt ihr euch getrost ausdrucken und wenn ihr noch nicht im Urlaub ward als Roman mit in den Koffer legen *g*.

Mal sehen, welche Überraschungen Lars heute für mich noch auf Lager hat. Ich werde weiter berichten!

Dienstag, 14. August 2007

Ich bin dann auch mal weg...

...zwar nicht auf dem Jakobsweg, aber ein wenig anstrengend wird es sicherlich auch.

Leude - ich bin aufgeregt! Ich benehme mich schon fast wie so ein Kontrollfreak, der immer den Herd an- und ausschaltet, um sicherzugehen, dass er wirklich aus ist. Nur dass es bei mir nicht der Herd ist, sondern ich tausendmal kontrolliere, ob ich echt den Reisepass mit Visum und die Tickets dabei habe! Nein, ganz so schlimm ist es nicht. *g*

Übrigens habe ich festgestellt, dass 20 kg Gepäck doch ziemlich wenig sind. Ich krieg nicht mal annähernd das weg, was ich mir vorgestellt habe. Und nicht eine Fischdose ist dabei! Da hatten andere Sachen Priorität, aber keine Angst, verhungern wird Lars bestimmt nicht.

Und lieber Kai, die Kaffeemaschine ist im Handgepäck dabei. Ist doch super, wenn die Saftschubsen (wie Lars sie nennt) nicht schnell genug sind, brüh ich mir meinen eigenen Kaffee *lol*. Hab das Volumen optimal ausgenutzt, es gibt ja kleinere Kleidungsstücke, die man in die Hohlräume stopfen kann *feix*.

Drückt mir alle schön die Daumen, dass alles klappt! Das nächste Posting kommt aus China.

Bis dahin, gehabt euch wohl!

Freitag, 10. August 2007

Ein bisschen Geschichte und Geographie

An dieser Stelle möchte ich erst mal allen danken, die mir schon ihr Lob zu diesem Online-Blog ausgesprochen haben und bin erstaunt wie der Counter in die Höhe schnellt *froi*. Ich bin natürlich weiterhin für Anregungen und Kritik offen und hoffe, dass sich demnächst auch das Gästebuch füllen wird und ein paar Kommentare hinzukommen. Seid mal nicht so schüchtern, sonst seid ihr doch auch nicht so *g*.


So Leute, hier die BREAKING NEWS: Die Tickets sind da! Das hat also auch super geklappt, so kann's gerne weiter gehen. Ich habe ja zum Studententarif gebucht. Ob überhaupt jemand meinen Studentenausweis sehen will?

Außerdem darf ich "nur" 20 kg Gepäck mitnehmen, statt den bei Air China erwarteten 30 kg. Da werden wohl einige der von Lars heißgeliebten Fischdosen daheim bleiben müssen. Warum stört mich es eigentlich nicht, dass ich nur so wenig mitnehmen darf? ... Ach ja, wahrscheinlich, weil auf Dauer sowohl meine Arme als auch die Zunge schon bei 20 kg immer länger werden *g*.


Diejenigen von euch, die mich gut kennen (wie ihr beiden, Muttsch und Paps), wissen, dass ich auch schon gern mal einen Atlas in die Hand nehme. Deswegen habe ich auch ein paar Karten rausgesucht, auf denen man mal einen groben Überblick bekommt. Hier könnt ihr euch anschauen, welche Distanz man bei einer Reise von Nürnberg nach Nanjing zurücklegt.




Falls sich also der eine oder andere von euch schon mal gefragt hat, wo diese Stadt eigentlich liegt, so können diese Karten für Aufklärung sorgen.

Wahrscheinlich habt ihr noch nie von Nanjing gehört, dennoch ist es eine Metropole mit fast 6 Millionen Einwohnern und gehört zu den ältesten Städten Chinas.

Geschichte
Die Übersetzung von Nanjing (Nanking) "Südliche Hauptstadt" steht in direkter Abgenzung zur "Nördlichen Hauptstadt" Beijing (Peking), und noch heute betrachten viele Überseechinesen - insbesondere aus Taiwan - Nanjing als die rechtmäßige Hauptstadt Chinas. 1368 erhob der erste Kaiser der Ming-Dynastie Nanjing zur Hauptstadt über ganz China. In den folgenden Jahrhunderten wechselte der Sitz der Hauptstadt unter verschiedenen Dynastien, verbunden mit blutigen Kämpfen, mehrfach zwischen Peking und Nanjing. 1937 wurde der Name Nanjing zum Synonym einer der scheußlichsten Greultaten der Kriegsgeschichte, als im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges in China vorrückende Japaner geschätzte 300 000 Zivilisten abschlachteten - das schreckliche Ereignis ging als Massaker von Nanjing in die Geschichte ein. Erst 1949 wurde Peking von der kommunistischen Regierung unter Mao Zedong wieder zur Hauptstadt erklärt.

Geographie
Nanjing liegt am Ufer des hier bereits sehr breiten Jangtse-Flusses in einer seenreichen Ebene, etwa auf dem gleichen Breitengrad wie Shanghai (2 Zugstunden entfernt). Die Stadt hat ein subtropisches Monsunklima mit vier ausgeprägten Jahreszeiten. Feuchte, heiße Sommer bei Monatsdurchschnittstemperaturen bis zu 28 °C (Tagestemperaturen bis maximal 43 °C) und einer Luftfeuchtigkeit bis zu 81% machen sie zu einem der sprichwörtlichen "Glutöfen" Chinas. Die Winter sind kalt mit Monatsdurchschnittstemperaturen von 2 °C. Alle 12 Monate sind humid.

Zeitverschiebung
Auf der Karte ist ersichtlich, dass ganz China in einer Zeitzone liegt. Dies ist erstaunlich, da das Land, wenn man es genau nimmt, eigentlich 5 Zeitzonen umspannt! Die Chinesen stellen nicht zwischen Sommer- und Winterzeit um. Damit sind sie uns im Sommer um 6 Stunden voraus, im Winter 7.

Hoffentlich hat euch diese Schulstunde nicht zu lang gedauert. Ihr dürft jetzt auch auf den Hof mal frische Luft schnappen *g*.

Mittwoch, 8. August 2007

I proudly present...


...my visa for the People's Republic China! Dat jing dann aba doch janz schnell with the people from Berlin.

Nachdem die Maler mir heute morgen wieder vom Gerüst aus ins Bett geglotzt haben, bin ich ins Wohnzimmer umgezogen, um noch etwas weiter zu schlummern. Aber auch dort wurde ich geweckt: Das Einschreiben mit dem Pass und dem Visum war da. Endlich!

Jetzt ging's also an die Flugbuchung. Nach einigem Hin- und Herüberlegen habe ich mich dafür entschieden doch von Nürnberg aus zu starten und nicht mit dem Zug nach Frankfurt zu fahren. Da hätte man zwar noch ein paar Euronen sparen können, aber was nützt mir das, wenn ich am Ende aufgrund dieser undurchsichtigen Streiksituation bei der Bahn nicht rechtzeitig am Flughafen ankommen würde.
Ich werde also am 14.08. nach Nanjing fliegen und am 19.09. zurückkommen, sofern die Damen und Herren von mcflight.de es schaffen, mir die Tickets noch zuzustellen. Aber das sollte schon passen, sonst wäre es sicherlich nicht buchbar gewesen.
Mit meinen Zwischenstops in Frankfurt und Peking werde ich um die 18 Stunden unterwegs sein. Lars hat mir empfohlen den Flug so zu buchen, dass ich am späten Abend in den Langstreckenflug starte, da man dann sowieso müde ist und etwas besser zur Ruhe kommt und vielleicht eher schläft. Leider habe ich so kurzfristig keinen solchen Flug ergattern können. Mal abwarten, wie ich so die Zeitverschiebung verkraften werde.

Dienstag, 7. August 2007

Ich warte...

...auf mein Visum!

Eines steht fest: Ich werde Lars in Nanjing besuchen. Die Frage ist nur wann! Eine freundliche Dame von chinavisum24.de hat mir heute darüber Auskunft gegeben, dass mein Reisepass noch bei der Botschaft ist, aber noch diese Woche bei mir ankommen sollte. Sobald dieser da ist, werde ich einen Flug buchen.

Lars hat heute bei seiner Abreise - zu Gunsten überlebenswichtiger Technik - noch einige Sachen da gelassen, die ich dann in meinem Gepäck mit in das Reich der Mitte bringen darf. Ich hoffe nur, dass dann noch Platz ist für die Dinge, die ICH wirklich brauche *g*.

Bin schon wahnsinnig gespannt auf die Reise und das Land. Hoffe nur, dass jetzt alles klappt!