Dienstag, 18. September 2007

Tongli - Venedig Chinas

An unserem letzten gemeinsamen Wochenende in China haben wir einen Tag in Tongli, dem chinesischen Venedig, verbracht. Die Betonung liegt auf chinesisch. Aber für die dortigen Verhältnisse ist das beschauliche Städtchen wirklich idyllisch. Mit Venedig hat es allerdings nur die Kanäle gemeinsam.

Das Herzstück der Stadt ist der berühmte Tuisi-Garten (Garten zur tiefen Besinnung) klassischer chinesischer Art. Er ist relativ klein aber ganz zauberhaft mit einem Teich, der von altehrwürdigen Bäumen, klassischen Pavillons und bizarren Gesteinsgruppierungen umgeben ist und in dem sich zahlreiche Goldfische tummeln.


Anschließend sind wir mit einem Schiff zu einer Insel gefahren, auf der wir ein buddhistisches Kloster besichtigt haben. Dort habe ich das erste Mal das gefunden, was ich immer in China gesucht habe: einen Ort der Ruhe, der Besinnung und der inneren Ausgeglichenheit. Überall waren goldene, meist lachende Buddhastatuen, Räucherstäbchen brannten und buddhistische Mönche liefen in den typischen Kutten umher. Ich bedauere sehr, dass gerade dort der Akku des Fotoapperates den Geist aufgegeben hat. Dort begegnete ich allem, was ich mir immer unter der bezaubernden chinesischen Kultur vorgestellt hatte.

Als wir an der Anlegestelle auf das Schiff zur Rückfahrt warteten, trank ich noch in Ruhe etwas Cola aus einer Plastikflasche, was eine ältere, ärmlich aussehende Chinesin allerdings sehr störte. Sie kam auf mich zu und wollte mir immer meine Flasche wegnehmen. Und dass ich auch noch so langsam trank fand sie gar nicht toll. Der Grund ist folgender: Die sammeln in China Plastikflaschen, weil sie dafür Geld bekommen. Das sind keine Pfandflaschen, die bekommen dafür Wertstoffpunkte. Wenn man Plastikflaschen in einen öffentlich Mülleimer schmeißt, dauert es keine zwei Minuten und es ist jemand da, der die wieder rausfischt. Besser ist es, man schaut sich kurz um und gibt den Leuten gleich die leere Flasche. Aber so penetrant wie dieses Mütterchen war bisher niemand. Lars hat sich dann erbarmt und das letzte Schlückchen vernichtet, ihr die heilige Plastik übergeben und wir hatten unsere Ruhe.