Dienstag, 28. August 2007

Shanghai, Shanghai, wir fahren nach Shanghai!

Nun habe ich euch wirklich lange genug auf meinen nächsten Eintrag warten lassen, aber hier ist auch immer was los! Im Moment geht auf Arbeit alles drunter und drüber, da uns Mrs. Chancellor Angela Mörkela (die hängen hier an alles ein a ran, auch Siemens wird Schiemensa ausgesprochen) morgen einen Besuch abstatten wird, aber das ist ein Thema, das ich noch separat behandeln werde. Kommen wir erst mal zu unserem Shanghai-Trip.

Auch auf chinesischen Bahnhöfen geht alles etwas anders ab, als wir es gewohnt sind. Überraschenderweise sogar geordneter! Man kommt schon mal ohne Ticket gar nicht erst in das Bahnhofsgebäude rein, was uns wahrscheinlich vor Herumlungernden bewahren soll. Deshalb steht am Eingang so ein Kartenknipser mit einem siffigen, langen Nagel am kleinen Finger, der demonstrieren soll, dass der Herr nicht mehr auf dem Feld ackert, sondern einer ordentlichen Arbeit nachgeht.
Man bekommt bei der Buchung eines Tickets im CRH (China Railway High-speed, sozusagen der chinesische ICE) immer eine Sitzplatzreservierung dazu, da generell nur so viele Tickets verkauft werden, wie der Zug Plätze hat. Das macht das Reisen natürlich entspannter, da es keine überfüllten Züge gibt wie in Deutschland, aber man kann sich andererseits auch nicht spontan entscheiden mal eben mitzufahren. Die Angabe der Waggonreihenfolge stimmt IMMER, nicht wie beim ICE, wo man sich nie darauf verlassen kann. Auch muss man immer ewig in der Bahnhofshalle warten, ein bisschen wie auf dem Flughafen. Erst kurz vor Abfahrt wird man auf den Bahnsteig gelassen.
Die Sitze werden, bevor die Fahrgäste einsteigen, alle in Fahrtrichtung gedreht. Dafür braucht man ja einen gewissen Radius, folglich hat man reichlich Beinfreiheit!
Mit maximal 247 km/h sind wir dann nach Shanghai innerhalb von knapp zweieinhalb Stunden gedüst. Für 8,40 € eine Richtung ist das doch ganz ordentlich, kann man schon ab und zu mal machen.

In Shanghai angekommen hat mir dann – typisch Frau – die Blase gedrückt. Also rein zu McDonald’s. Sehr lustiges Klo, muss ich sagen. Hinter der Kabinentür ging’s drei Stufen hoch und da ich nun mal etwas größer bin als die durchschnittliche Chinesin, hätte ich der anderen nebenan beim Lullern zugucken können, aber ich wollte mir ja nicht die Augen verblitzen *g*. Nach jedem Pullergast ist die Klofrau in die Kabine und hat mit irgendeinem billigen, schweren, süßlichen Parfum umhergefutzt. Das nenne ich mal Geruchsbekämpfung! Lars und ich haben hinterher wieder mal festgestellt – that’s the Chinese way. Die Ursache wurde zwar nicht bekämpft, aber oberflächlich haben sie was gemacht, und zwar ganz schön viel – Gott, war der Geruch penetrant.

Dann haben wir erst mal alle überflüssigen Sachen im Hotel abgeladen. Zu diesem gibt’s auch nicht viel zu sagen: ein Bett, ein Bad, eine Klimaanlage, alles sauber, das war in Ordnung. Nachdem wir uns von der sengenden Hitze akklimatisiert hatten, ging’s wieder rein in den Kochtopf von Shanghai. Aber ich will mich nicht beschweren, wer kann schon von sich behaupten Shanghai bei Sonnenschein und blauem Himmel erlebt zu haben. Durch den Sightseeing Tunnel kommt man unter dem Huangpu River in den Stadtteil Pudong, wo Shanghais Markenzeichen, der 486 m hohe Fernsehturm "Oriental Pearl Tower", steht. Der Tunnel ist zwar der größte Kitsch, halt mit Lichtershow und Musik, denn bei den Chinesen muss immer alles blinken, leuchten und ein Geräusch von sich geben, aber gut, haben wir den auch mitgenommen. Anschließend sind wir auf die Hauptaussichtsplattform in der oberen großen Kugel des Fernsehturms in 263 m Höhe gefahren und hatten tatsächlich wunderbare Sicht!

Nun mussten wir uns erst mal von dem viiiiieeeelen Sightseeing erholen und haben uns beim Häagen-Dazs gestärkt! Lars wurde sein Brownie und das Eis auf einem Villeroy & Boch New Wave Teller serviert, da lacht einem doch das Herz. Ich hatte einen fruchtigen Summerdrink mit Mango. Hmmmm, einfach göttlich! Wir saßen ewig draußen an der Uferpromenade und haben einfach mal die Ruhe und die Aussicht genossen.
Man kann das nicht fassen, direkt neben dem Café haben die an Metall rumgewerkelt und wir empfanden das immer noch als erholsam. Man muss Nanjing erlebt haben, um diese Aussage einordnen zu können. Hier ist immer nur Lärm, ständig das nervende Gequietsche und Gehupe, eingesetzt ohne Sinn und Verstand. Die Fenster sind nicht wirklich dicht, daher hat man das Klangerlebnis 24 Stunden am Tag. Abgesehen davon gibt es hier auch kein nettes Straßencafé oder dergleichen, wo man sich mal hinsetzen könnte, vorausgesetzt man wöllte das.
In Shanghai herrscht übrigens Hupverbot.

Als wir uns dann entschlossen hatten uns vielleicht doch noch etwas anzuschauen, ist uns irgendwie ein Paulaner Biergarten über den Weg gelaufen. Wir konnten uns auch gar nicht wehren, da sind wir irgendwie reingestolpert. Na ja, ich kann den Lars ja auch verstehen. Ein kühles Weizen, serviert von einer Chinesin im Dirndl, ist natürlich Welten besser als das sogenannte chinesische "Geradeweg-Bier" Tsingtao oder Snow. Mein Radler hat natürlich auch seeeehr gut getan.
Auf dem Rückweg haben wir die Fähre benutzt. Das war auch ziemlich lustig. Alle Arbeiter, die die Fähre als alltägliches Verkehrsmittel nutzten, haben uns angeglotzt, als wären wir Langnasen. Ach nee, sind wir ja schon… Egal, jedenfalls konnten die sichtlich nicht begreifen, warum wir filmen und Fotos machen, die haben sich voll über uns bekekst. Lars hat mit der Kamera festgehalten mit welchem Speed die mit ihren Rennmöhren auf das Schiff draufbrausen und dann erst wieder runter!!! Völlig ohne Rücksicht, da muss man seinen Popser schnell in Sicherheit bringen.
Am Abend waren wir schön essen. Ratet mal wo!

Was kann jetzt nach Häagen-Dazs und dem Paulaner Biergarten eigentlich noch kommen?
Rrrrrrrrrichtig! Wir waren beim Italiäääääääääner, in Shanghai, hihihi.
Lars war schon mal dort und freute sich schon auf den Warte-Prosecco vorneweg. Aber die haben sich so sehr beeilt, dass es keinen Prosecco gab! So was Ärgerliches aber auch…
Seine Fettuccine alla Carbonara sah ich schon wieder aus den Ohren rauskommen, aber unter großem Seufzen ging doch alles in die kleene Futterrübe rein *g*. Das war doch für Lars ein 5-Sterne-Gang im Gegensatz zum Chinese Food. Meine Tortellini waren auch exzellent.
Interessanterweise konnte man beobachten, dass in diesem Restaurant nur Nicht-Chinesen waren, oder wenn, dann nur in Begleitung von Langnasen. Am Nachbartisch nahmen ein älterer, gesetzter Deutscher, mit einer sehr jungen, adrett gekleideten, aber genervt dreinschauenden Chinesin platz. Lars und ich schauten uns an und dachten das gleiche. Zügig blätterte sie die Karte durch, nix dabei gewesen, das war wohl nix für die kleine Chinesin. Die beiden standen auf und gingen. Der Herr musste sich an diesem Abend sein Vergnügen sicherlich noch hart erarbeiten *g*.
Bis zum Schluss hat Lars nicht verarbeitet, dass ihm der Prosecco entgangen ist. Der musste her, aber janzzzzzzzzzz schnell! Ging aber dennoch aufs Haus, eine schöne Abrundung.
Als wir wieder auf dem Weg waren uns ein Taxi in Richtung Innenstadt zu besorgen, fragte ich eigentlich nur beiläufig, ob wir nicht die Fotokamera dabei hatten (natürlich mit dem extrateuren Doppelobjektiv). Ich hörte nur noch "Scheiße, Jasmin, der Foto!" und brrrrrrrrrrrrrrr, wie der Road Runner war Lars weg und ich konnte seinen Staub schlucken *meep meep*. Gott sei Dank hatte die Bedienung das schon bemerkt und den Foto zurückgelegt. Lars hat also alles wiederbekommen. Nun hütet er sein Baby wie seinen Augapfel.

Am Bund angekommen (so heißt die Uferseite des Huangpu Rivers gegenüber des Pudongs) belatscherten die uns schon wieder allen möglichen Mist zu kaufen. Blinkende Skates für die Schuhe, leuchtende Teufelshörner und was nicht alles, natürlich chirpy chirpy cheap cheap. Bin ich denn des Wahnsinns, da hebe ich mich ja gar nicht mehr vom Gesamtbild Shanghais ab und Lars findet mich am Ende nicht mehr wieder *g*!
Aber es hat auch ein besonderes Flair. Ganz komisch ist es dann, wenn 23 Uhr nach und nach alle bunten Lichter ausgehen. Man glaubt es kaum, China spart Strom!

Am Sonntag wollten wir noch eine einstündige Schifffahrt über den Fluss machen. Nachdem wir die Karten gekauft hatten, hieß es plötzlich rein in einen Bus. Wir dachten schon, na toll, jetzt haben die uns übers Ohr gehauen, wir wollten keine Stadtrundfahrt. Aber nein, das hatte alles seine Ordnung, wir wurden nur zum Schiffsanlegeplatz gefahren.
Auch typisch chinesisch: Genau in der Mitte, wo man die beste Aussicht hätte, da platzieren die ein LCD. Und was zeigen die, ALPENBILDER! Ich raff das einfach nicht ab, denkt denn dort keiner mit? Man wird immer wieder überrascht…
Nach einem kurzen, kräftigen Regenschauer war es noch recht bewölkt und so tummelten sich auch die Chinesen auf dem Deck. Ein Chinese darf keinen Sonnenstrahl zu viel abbekommen. Da würde man ja braun werden. Und wer braun ist, ist ein Bauer, und das will hier keiner sein. Darum hat frau auch bei Sonnenschein, oder besser gerade bei Sonnenschein, immer den Schirm aufgespannt. Der wird hier auch zum modischen Accessoire, in schönen Pastelltönen, bestickt, mit Pailletten und Strass besetzt. Also mit 'nem Münzen-Mallorca wird man hier (noch) nicht reich… Aber das bringen wir Europäer denen auch noch bei. Die Entwicklung geht in China so schnell, in 5 oder 6 Jahren gehen die auch ins Sonnenstudio und benutzen Selbstbräuner, statt ihre Tagescremes mit Bleichzusatz.

Hier noch einige meiner Entdeckungen: Die Männer laufen im Schlafanzug auf der Straße rum. Offenbar halten die das für einen Freizeitanzug, echt ulkig.
Mitten in der Stadt gibt es gegen Münzeinwurf Energie. Sehr wichtige Energie – Handy-Energie! *g*
Anscheinend wissen die hier auch nicht, wann Weihnachten vorüber ist, oder beginnt, oder wie auch immer…

Dann war es auch schon wieder Sonntagnachmittag und es ging wieder mit dem Schnellzug nach Nanjing. Also eins ist sicher, wir fahren irgendwann noch mal nach Shanghai und schauen uns noch einige Sehenswürdigkeiten an. Doch letztes Wochenende wollten wir uns keinen Stress machen und uns einfach nur erholen. Das ist uns gelungen!

2 Kommentare:

Eduardo Waghorn hat gesagt…

Greetings from Chile!
For my regret, I do not speak german...just english and a little bit chinese (from Bei Jing of course)
Your blog very interesting,let me read it with calm:)
有趣的地方... 问候从智利, 南美洲。拜访我如果您要, 我敬佩非常中国文化, 并且我讲一点您的语言。拥抱。

Anonym hat gesagt…

ich kann mir gar net vorstellen, dass die zierlichen schienäsinnen ein dirndl überhaupt richtig ausfüllen ...

aber die sind wirklich gut am abkupfern. besonders die kultur des bayrischen königrei .. äh bayerns scheints ihnen angetan zu haben. ja wenn sie sogar nicht vorm alpenpanorama des bayrischen fernsehns zurück schrecken ...